Bittere Niederlage der Lilien gegen effektive Regensburger

aus SV Darmstadt 98

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Den ersten Schuss aufs gegnerische Tor gab Tobias Kempe ab. Foto: Florian Ulrich

Der SV Darmstadt verliert 0:3 beim SSV Jahn Regensburg. Tobias Kempe vergibt einen Foulelfmeter und die Chance auf ein besseres Ergebnis.

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REGENSBURG. Ein Platzverweis für den Gegner, ein verschossener Elfmeter von Tobias Kempe - und zwei eigentlich nicht allzu schwer zu verteidigende Standardtore von Jahn Regensburg: Der SV Darmstadt 98 hat am Samstag wieder einmal eine Niederlage hinnehmen müssen. Beim 0:3 (0:1) bei Jahn Regensburg waren die Lilien keinesfalls die schlechtere Mannschaft, doch die Gastgeber erwiesen sich als ungemein effektiv. In der Tabelle rangieren die Lilien spätestens jetzt im absoluten Niemandsland, die letzten vier Spiele sind wohl nur noch für die Statistik interessant.

Lilien-Trainer Dimitrios Grammozis änderte seine Formation gegenüber dem 1:1 gegen die SpVgg Greuther Fürth auf drei Positionen. Für Serdar Dursun stürmte im ersten Durchgang Felix Platte, Tobias Kempe ersetzte Yannick Stark. Und rechts hinten verteidigte eine Stunde lang Patrick Herrmann - Matthias Bader saß zunächst auf der Bank. Marvin Mehlem stand wie gegen Fürth nicht einmal im Kader.

Ein erster Versuch

Den ersten Schuss aufs gegnerische Tor gab Tobias Kempe ab: Sein Versuch aus 20 Metern stellte Jahn-Keeper Alexander Meyer vor kleinere Probleme (4.). Darmstadt bestimmte das Spiel, doch das Tor markierte der Gastgeber: Nach einer Ecke von Chima Sean Okoroji köpfte Marcel Correia, den Mathias Honsak gewähren ließ, aus kurzer Distanz wuchtvoll ein (7.). Den Eckball hatte es gegeben, weil sich Nicolai Rapp im Aufbauspiel einen derben Fehlpass erlaubt hatte, beim Klären der Situation hatte er dann die Ecke herbeigeführt.

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Die Führung spielte den Regensburgern in die Karten, viel taten sie nicht für das Spiel. Kempe bot sich die Gelegenheit zum Ausgleich, doch seinen Schuss parierte Meyer zur Ecke (25.). Viel passierte bis zur Pause in einer nickligen Partie nicht mehr. Einer der auffälligsten Spieler bei den Lilien war Marcel Heller, der oft nur durch Fouls zu bremsen war - zwei Gelbe Karten für Regensburg alleine deshalb waren die Folge.

Grammozis brachte nach der Pause Seung-ho Paik für Honsak und Dursun für Platte. Dursun hätte nach wenigen Sekunden fast den Ausgleich geschossen - doch Torwart Meyer, der ihn angeschossen hatte, kam gerade noch vor ihm an den Ball. Und auch der Jahn hätte treffen können: Andreas Albers traf aus 20 Metern Entfernung den rechten Innenpfosten (49.). Da hatten die Lilien mächtig Glück.

Gelb-Rot für Regensburg

Das hatten sie nach 52 Minuten nicht mehr: Erneut schlug Okoroji eine Ecke, erneut stand ein Regensburger völlig frei im Strafraum - diesmal war es Besuschkow, der den Ball aus kurzer Distanz über die Linie bugsierte. Das darf im Fünf-Meter-Raum einfach nicht passieren. Kurze Zeit später spielten die Gastgeber dann aber nur noch zu zehnt: Der bereits gelb-verwarnte Erik Wekesser brachte Herrmann zu Fall und sah die Gelb-Rote Karte (57.). Herrmann konnte nur kurz weitermachen und muss für Bader weichen (61.). Gleichzeitig brachte Grammozis Braydon Manu für Heller.

Und die Lilien hätten zurück ins Spiel kommen können: Sebastian Stolze brachte Rapp im Strafraum zu Fall, Schiedsrichter Florian Badstübner zeigte sofort auf den Punkt. Doch Tobias Kempe, eigentlich ein ungemein sicherer Schütze, ballerte den Strafstoß übers Tor (66.). Das ist ihm lange nicht mehr passiert. Sechs Elfmeter haben die 98er in dieser Saison bekommen, drei haben sie verschossen.

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Jubeln durften denn auch nur noch die Gastgeber. Ein weiter Ball landete bei Jann George - und der bugsierte den Ball an Lilien-Schlussmann Marcel Schuhen vorbei ins leere Tor (77.). Die Lilien kamen zwar noch zu einigen Abschlüssen - doch sie zielten allesamt zu hoch.

Jahn Regensburg: Meyer - Saller (89. Makridis), Gimber, Correia, Okoroji - Geipl, Besuschkow (89. Lais), Wekesser, Stolze (72. Hein), George (78. Knipping) - Albers (78. Grüttner).

SV Darmstadt 98: Schuhen - Herrmann (61. Bader), Dumic, Rapp, Holland - Palsson, Schnellhardt (74. Pfeiffer) - Heller (61. Manu), Honsak (46. Paik), Kempe - Platte (46. Dursun).

Schiedsrichter: Florian Badstübner (Windsbach), Tore: 1:0 Correia (7.), 2:0 Besuschkow (52.), 3:0 George (77.), Zuschauer: 0, Gelb-Rote Karte: Wekesser (Regensburg/57./wiederholtes Foulspiel), Vorkommnis: Kempe (Darmstadt) schießt Foulelfmeter über das Tor (66.), Gelbe Karten: Besuschkow (8), Stolze (3), Gimber (9) / Dumic (5).

Die Stimmen zum Spiel

Dimitrios Grammozis, Lilien-Trainer:

Wenn man das reine Ergebnis sieht, denkt man, dass es eine klare Geschichte war. Aber das Ergebnis spiegelt nicht den Spielverlauf wider. Wir haben vieles gut und richtig gemacht, aber in den entscheidenden Situationen haben wir dem Gegner die Möglichkeit gegeben, Tore zu erzielen. Das ist schade, weil dadurch viel Gutes untergeht.

Wir haben Regensburgs Konterspiel im ersten Durchgang gut unterbunden. Doch dann bekommen wir nach der Pause, wieder durch einen Standard, das 0:2. Der Elfmeter hätte uns in die Karten spielen können - denn dann hätten wir sicher noch Möglichkeiten gehabt. Und so bekommen wir auch noch das dritte Gegentor - das war irgendwie symptomatisch. Wir hätten noch zehn Stunden spielen können und hätten wohl kein Tor erzielt. Und der Jahn war brutal effektiv.

Zur Zuteilung bei den Gegentoren: Ich finde eigentlich, dass wir gut positioniert und gut am Mann waren. Es war nur keiner so richtig dabei, um den Ball wirklich rauszuhauen. Zum ersten Tor: Da ist Correia für seine Sprungkraft bekannt, wir lassen ihn aber ziehen. Da fehlt vielleicht der letzte Ticken.

Zur Heimfahrt: So ein Spiel kommt vielleicht alle drei Jahre mal vor. Man muss das jetzt erst einmal sacken lassen. Ungefähr 15:3 Torschüsse, mehr Standards, mehr Ballbesitz, wenig Chancen zugelassen - das müssen wir erst mal verdauen.

Zu den Zielen: Wir haben nie davon gesprochen, Aufstiegsaspirant zu sein und den Großen Paroli zu bieten. Wir werden jetzt aber auch nicht alles schwarzmalen. Denn wir haben auch in guten Phasen nie gesagt, dass wir jetzt alles an die Wand spielen.

Fabian Holland, Lilien-Kapitän:

Über 90 Minuten hinweg waren wir spielerisch eigentlich ganz gut im Spiel, es hat aber einfach gefehlt, dass wir uns viele Chancen erarbeitet haben. In den entscheidenden Szenen, in denen, die den Fußball ausmachen, waren wir nicht wach und zielstrebig genug. Dann verliert man so ein Spiel auch mal 0:3.

Wir waren durchaus gewillt, den Ausgleich zu erzielen. Die Zielstrebigkeit hat aber gefehlt, und die Gegentore kriegen wir dann auch viel zu einfach. Das sind extrem wichtige Situationen im Fußball, und da waren wir heute einfach nicht da.

Wir waren ganz gut am Ball, aber die Schnelligkeit hat gefehlt. Der letzte Pass, der letzte Abschluss - da hat immer irgendetwas gefehlt. Bei Standards kann immer mal ein Gegentor fallen - aber heute war das durchaus zu verteidigen. Noch mal: Wir waren einfach nicht wach genug.

Auf die Frage, ob nach oben noch etwas möglich ist: Ein richtiges Ziel war es von uns nicht, aufzusteigen. Wir wollten aber jedes Spiel Gas geben - und das ist uns heute nicht immer gelungen.

Serdar Dursun, Lilien-Stürmer:

Wir sind mit dem klaren Ziel hierhergefahren, drei Punkte zu holen. Wir wussten, dass Regensburg viermal in Folge Unentschieden gespielt hatte und dass sie auch deshalb unbedingt gewinnen wollten. Das 0:1 und das 0:2 waren Standardtore, das hat uns nicht in die Karten gespielt. Und dann haben wir den Elfmeter leider nicht verwandelt. Das waren sehr entscheidende Spielszenen. Man kommt fast ran - und dann geht man zwei, drei Schritte zurück. Regensburg hatte das Quäntchen Glück, das uns gefehlt hat. Jedes Spiel hat aber einen anderen Charakter, und wir wollen nächste Woche zuhause gegen Hannover wieder gewinnen.

Es war kein einfaches Spiel. Wir sind schwer ins Spiel reingekommen, und Regensburg geht gleich mit der ersten Aktion in Führung. Wir hatten Pressing von ihnen erwartet, aber sie standen tief, sie haben abgewartet statt draufzugehen.

Zur Tatsache, dass er zunächst auf der Bank saß: Das ist die Entscheidung des Trainers, das muss man akzeptieren.

Zur Tabelle: Wir wollten immer von Spiel zu Spiel gucken, doch zuletzt waren es plötzlich nur noch ein paar Punkte nach oben. Da hat man natürlich schon mal mit einem Auge hingeschaut. Wir wollten generell oben mitspielen - nicht aber unbedingt um den Aufstieg.