Hessenliga: Bei Walldorf-Trainer Martin ist die Luft raus

Vergeblich gestreckt: Hessenliga-Tabellenführer SV Hadamar (rechts Matthias Neugebauer) kommt unerwartet am VfB Ginsheim (links Maximilian Kissel) nicht vorbei, der 2:0 gewinnt. Foto: André Dziemballa

Der Rot-Weiß Coach macht nach gut fünf Jahren überraschend Schluss und verliert letztes Spiel. Hessenliga-Konkurrent VfB Ginsheim landet einen Coup gegen Hadamar.

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GINSHEIM/ZEILSHEIM. Den überraschten Abteilungsvorstand informierte er schon am Samstag, die Mannschaft dann gestern vor dem Spiel: Max Martin, Trainer des SV Rot-Weiß Walldorf, steigt beim Fußball-Hessenligisten aus. Seit Sommer 2016 war der 39 Jahre alte Messeler dort für die sportliche Entwicklung verantwortlich. In dieser Zeit führte er die Rot-Weißen von der Gruppenliga in die höchste hessische Spielklasse. „Die Luft ist raus“, erklärte er eine Entscheidung, die über die vergangenen sechs Monate gereift sei. In dieser Mannschaft seien Spieler, die er teilweise schon bis zu neun Jahre trainiert habe. „Die Mannschaft braucht jetzt einfach mal ein neues Gesicht, eine neue Ansprache“, so Martin. Nach so langer Zeit „kannst du den Spielern irgendwann nichts Überraschendes mehr erzählen“. Der Vorsitzende des Gesamtvereins, Manfred Knacker, zugleich Mitglied der Abteilungsführung, bedauert den Rückzug Martins ausdrücklich: „Wir verlieren einen sehr guten Trainer, aber behalten einen Freund.“

Vergeblich gestreckt: Hessenliga-Tabellenführer SV Hadamar (rechts Matthias Neugebauer) kommt unerwartet am VfB Ginsheim (links Maximilian Kissel) nicht vorbei, der 2:0 gewinnt. Foto: André Dziemballa
Max Martin überrascht mit seinem Entschluss, nicht länger Trainer beim SV Rot-Weiß Walldorf sein zu wollen. Archivfoto: Uwe Krämer

Die restlichen fünf Vorrundenspiele werden die Rot-Weißen nun vom Sportlichen Leiter, Artur Lemm, trainiert, der sich zudem gemeinsam mit Knacker auf die Suche nach einem Martin-Nachfolger begibt. Der neue Coach, so Martin, habe dann genug Zeit, die Mannschaft auf Auf- oder Abstiegsrunde vorzubereiten und auch die neue Saison zu planen: „Deshalb ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um auszusteigen.“

Martin leitete das Team gestern ein letztes Mal an. Doch ein Abschiedsgeschenk in Form eines Sieges vermochten ihm die Seinen, die beim SV Zeilsheim 1:4 (1:3) verloren, nicht zu machen. Nur in der ersten Viertelstunde, da Laurin Vogt die Gäste in Führung schoss, sah es anders aus. Aber dann kassierten die Walldorfer drei unnötige Gegentore, darunter einen Foulelfmeter, und nach dem vierten Gegentreffer vier Minuten nach der Pause war die Partie entschieden. „Es ist halt der Wurm drin“, so Martin: „Es kommt momentan einfach keiner in der Mannschaft an sein Leistungslimit.“

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RW Walldorf: Darmstädter – Haliti, Deumlich, Schneider, Struwe, Kunert (46. Eichfelder), Vogt (69. Kremer), Konietzko, Dogan, Boukayouh, Geisler.

Tore: 0:1 Vogt (7.), 1:1 Böttler (18.), 2:1 Sultani (22./Foulelfmeter), 3:1 Auer (28.), 4:1 Pandza (49.); Schiedsrichter: Haustein (Buseck); Zuschauer: 100.

Grund zum Feiern hatte dagegen verblüffend der VfB Ginsheim. Der Tabellenletzte gewann am letzten Oktober-Tag sein erstes Heimspiel seit dem 22. Februar 2020 – und das gegen den Spitzenreiter. Das Team um Trainer Matthias Güldener überraschte den SV Rot-Weiß Hadamar hochverdient mit 2:0 (0:0) Toren. Güldener war nicht nur wegen des Ergebnisses sehr zufrieden: „Ich denke, man hat gesehen, dass wir einen roten Faden in unserem Spiel hatten – und top eingestellt auf Hadamar waren.“

Während die Gäste aus dem Limburger Hinterland weit unter ihren Möglichkeiten blieben, viel zu wenig unternahmen, um dem leidenschaftlich kämpfenden VfB zuzusetzen, hielt die Heimelf gut mit. „Wir haben das Hadamarer Spiel mit unserer Laufarbeit unterbunden“, so Güldener: „Wir waren uns in der Halbzeitpause sicher, dass unser Moment noch kommt.“

In der Tat: Nach der Pause gewannen die Blau-Weißen immer mehr die Oberhand. Nach einem weiten Pass von Eleazer Mensah umkurvte Maximilian Kissel Gästetorhüter Christopher Strauch, um aufs leere Tor zu schießen. Doch der Ball hoppelte an den Pfosten (47.). Dann schoss Denis Oriana, nach 14 Minuten für den verletzten Christian Makana ins Spiel gekommen, aus halbrechter Position ans Außennetz (75.).

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Auch der Klassenprimus ließ Torgefährlichkeit aufblitzen. Aber der Freistoß von Luca Teller (29.) und der Weitschuss von Brooklyn Wölfinger (70.) waren kein Problem für VfB-Keeper David Staegemann. Und als Marco Koch auf dem Weg zum 0:1 schien, grätschte ihm Ralphael Akoto regelgerecht im letzten Moment dazwischen (82.).

In der Schlussphase suchten beide Mannschaften die Entscheidung. Dabei vernachlässigte der Favorit zuweilen die Absicherung. So in der 89. Minute, als Thur steil auf Karabey passte, der aus seiner großzügig gewährten Beinfreiheit einen wuchtigen Schuss ins Glück machte – 1:0. Und bei einem Konter in der Nachspielzeit schloss der herausragende Oriana einen Querpass von Thur mit dem zweiten Tor ab.

VfB Ginsheim: Staegemann – Mensah, Fosuhene, Akoto, Gansmann, Kissel (90+2. Scholz), Redl, Karabey (90. Baljak), Makana (14. Oriana), Thur, Jakubovic.

Tore: 1:0 Karabey (89.), 2:0 Oriana (90+4.); Schiedsrichter: Rabe (Burgwald); Zuschauer: 150; Gelb-Rote Karte: Velemir (Hadamar/ 90+1.).