Wieder ein wilder Ritt: FCK gegen Darmstadt 3:3

Darmstadts Braydon Manu (links) und Kaiserslauterns Erik Durm kämpfen um den Ball. Foto: dpa

Rückstand gedreht, Sieg verschenkt: Der 1. FC Kaiserslautern liefert dem Aufstiegskandidaten aus Südhessen einen heißen Kampf.

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KAISERSLAUTERN. Ohne Nervenkitzel geht es am Betzenberg dieser Tage wohl einfach nicht. Der 1. FC Kaiserslautern zeigte auch am Samstagnachmittag wieder seine Comeback-Qualitäten, drehte gegen Aufstiegskandidat Darmstadt 98 einen 0:2-Rückstand zu einem 3:2 – und gab den Sieg dann in den Schlussminuten ab. 3:3 (0:1) lautet am Ende das Ergebnis, mit dem der FCK auch unterm Strich ganz gut leben können wird. Der Spielverlauf war dann aber ähnlich wild, wie schon beim 4:4 gegen Magdeburg vor zwei Wochen.

Einmal veränderte FCK-Trainer Dirk Schuster seine Mannschaft im Vergleich zum 0:0 in Sandhausen aus der Vorwoche. Wie erwartet beorderte er Marlon Ritter von der linken Seite wieder ins Zentrum zurück. Dort musste Routinier Mike Wunderlich weichen, Daniel Hanslik kam für ins Team und beackerte den linken Flügel. Und Dampf machte tatsächlich zunächst auch der Aufsteiger aus der Pfalz. Schon nach drei Minuten kam Ritter im Strafraum an den Ball, feuerte – aber Lilien-Schlussmann Marcel Schuhen parierte und Matthias Bader klärte die Kugel aus dem Gefahrenbereich. Ritter versuchte es wenig später nochmal aus der Distanz, zielte aber knapp daneben (8.). Der FCK zeigte früh, dass man diesmal vom Start weg seine Leistung abrufen wollte, was ja in der vergangenen Wochen vor der Halbzeitpause nicht immer der Fall war.

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Umkämpfte und emotionale Partie

Der Favorit aus Darmstadt kam nach zehn Minuten aber auch schrittweise besser in die Partie. Fabian Holland setzte einen ersten Warnschuss über das FCK-Tor (16.), ansonsten zeigten die Gäste oft gute Spielzüge, die die Abwehr der Roten Teufel aber kompromisslos verteidigen konnte. Beispielsweise als der quirlige Braydon Manu über rechts an die Grundlinie kam und in der Mitte FCK-Verteidiger Boris Tomiak den entscheidenden Moment vor dem einschussbereiten Phillip Tietz klären konnte (22.). Auf der Gegenseite hätten dann die Pfälzer in Führung gehen können – oder gar müssen. Philipp Klement legte einen Ball herrlich in den freien Raum, wo Philipp Hercher frei auf Schuhen zulaufen konnte, dann aber ziemlich genau auf den Keeper zielte und das möglich 1:0 liegen ließ (24.).

In der Folge entwickelte sich eine umkämpfte, mitunter emotional geführte Partie ohne Höhepunkte. Viele Bälle landeten beim Gegner oder im Aus, ansonsten waren eben die Abwehrreihen zur Stelle. Und als sich alle schon auf die Halbzeitpause eingestellt hatten, lud der FCK seine Gäste doch noch zum Toreschießen ein. Kapitän Jean Zimmer leitete einen Ball schlampig mit der Brust zu seinem Keeper weiter, Holland sprang dazwischen und wurde von Torwart Andreas Luthe gefällt – Elfmeter für Darmstadt in der Nachspielzeit. Tobias Kempe wartete lange, schob dann locker in die Mitte ein. Der FCK reagierte, Schuster tauschte zum Wiederbeginn die komplette linke Seite aus. Doch diesmal kam kein Aufbäumen, sondern der nächste Nackenschlag. Manu bediente Tietz, der vor dem Strafraum nicht wirklich angegriffen wurde und so einen satten Strahl genau neben den Pfosten setzen konnte – 2:0 für die Gäste (49.).

FCK kommt nach 0:2 zurück

Kaiserslautern brauchte ein paar Minuten, um sich zu schütteln und fand zunächst keine Lösungen gegen nun stabil stehende Lilien. Schuster ging ins Risiko, stellte auf Dreierkette und mehr Offensive um. Dafür kamen Mike Wunderlich (für Julian Niehues) und Robin Bormuth (für Zimmer) in die Partie (64.). Ein Handgriff, der direkt fruchtete. Nach einem Eckball von Wunderlich feuerte Terrence Boyd den Ball per Drehschuss in die Maschen – Schiedsrichter Marco Fritz entschied auf Abseits, was auch nach Kontrolle des VAR noch Bestand hatte. Der FCK war nun aber wachgeküsst, wollte sich gegen die Niederlage stemmen. Tomiak, nun in offensiverer Rolle, brachte eine Flanke aus dem Halbfeld nach innen, wo Kenny Prince Redondo wuchtig einköpfte – 1:2, die Roten Teufel war wieder dran (74.). Und wie. Nach einem langen Ball herrschte Betrieb im Lilien-Strafraum, Bader räumte Hendrick Zuck ab – Elfmeter für den FCK. Der eingewechselte Wunderlich übernahm Verantwortung, verwandelte sicher und der Betzenberg stand Kopf (76.). Binnen drei Minuten hatte der Aufsteiger gegen den Favoriten aus Darmstadt einen Rückstand aufgeholt -– die Partie war nun völlig offen.

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Lautstark feuerten die Fans beide Mannschaften nach vorne. Und keiner wollte sich hier mit dem Unentschieden begnügen. Darmstadt mühte sich, wieder die optische Überlegenheit zurückzugewinnen. Auf der anderen Seite verpasste Hercher nach einem Gegenstoß die Möglichkeit, in Führung zu gehen (83.). Im nächsten Anlauf brachten die Pfälzer ihre Fans dann zum Eskalieren. Boyd schickte Ritter über rechts auf die Reise, der fand in der Mitte wieder Redondo – Kopfball, 3:2, Spiel gedreht (87.). Alles war bereitet für die große FCK-Party, doch wieder – wie schon beim 4:4 gegen Magdeburg vor zwei Wochen – hatte der Gast das letzte Wort. Einen langen Ball durfte Aaron Seydel, umgeben von drei FCK-Verteidigern (!), mit der Brust annehmen und aus der Drehung abschließen – 3:3, wieder in der Nachspielzeit. Ein wilder Ritt endete also ohne Sieger, aber für den FCK mit dem nächsten Punkt im Kampf gegen den Abstieg.

1. FC Kaiserslautern - SV Darmstadt 98 3:3 (0:1) // 1. FC Kaiserslautern: Luthe - Durm (46. Zuck), Kraus, Tomiak, Zimmer (64. Bormuth) - Niehues (64. Wunderlich), Ritter - Hanslik (46. Redondo), Boyd, Hercher. - Schiedsrichter: Fritz (Korb). Zuschauer: 38.380. - Tore: 0:1 Kempe (45.+2/Foulelfmeter), 0:2 Tietz (49.), 1:2 Redondo (74.), 2:2 Wunderlich (76./Foulelfmeter), 3:2 Redondo (87.), 3:3 Seydel (90.+2).

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Von Tommy Rhein