"Team mit Substanz und guten Typen": Kosta Runjaic äußert...

aus 1. FCK

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Jetzt in Polen an der Seitenlinie: Kosta Runjaic, Trainer des Erstliga-Schlusslichts Pogon Stettin. Foto: Imago

Der SV Darmstadt 98 war Kosta Runjaics erste Station als Cheftrainer im Profifußball, der 1. FC Kaiserslautern die dritte . Wenn sich beide Teams an diesem Mittwoch (18.30 Uhr)...

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STETTIN. Der SV Darmstadt 98 war Kosta Runjaics erste Station als Cheftrainer im Profifußball, der 1. FC Kaiserslautern die dritte (nach dem MSV Duisburg). Wenn sich beide Teams an diesem Mittwoch (18.30 Uhr) am Böllenfalltor im Kellerduell der Zweiten Fußball-Bundesliga gegenüberstehen, verfolgt der in Rüsselsheim aufgewachsene und mittlerweile im Rheingau heimische 46-Jährige das Geschehen im 3000 Kilometer entfernten türkischen Belek. Dort schwört Runjaic im Trainingslager den polnischen Erstligisten Pogon Stettin auf die letzten 16 Saisonspiele ein. Und wie seine Nachfolger Dirk Schuster (SV 98) und Jeff Strasser (FCK) steckt der ehemalige Coach des TSV 1860 München mit seinem Klub mitten im Abstiegskampf.

Als Runjaic Pogon Stettin Anfang November übernahm, zeigten sich manche Fußball-Experten verwundert. Zum einen, weil der 46-Jährige mit dem Wechsel nach Polen Gefahr lief, aus dem Blickfeld deutscher Profiklubs zu geraten, zum anderen, weil sein neuer Klub als Schlusslicht bereits sieben Punkte Rückstand zum rettenden Ufer aufwies. Doch Runjaic hatte keine Bedenken: "Die polnische Ekstraklasa ist eine anspruchsvolle und interessante Liga, die sicherlich auch in Deutschland wahrgenommen wird." Und: "Weder die prekäre Tabellensituation noch die sehr komplexe und schwierige Aufgabe haben mich abhalten können."

Runjaic riskierte viel - und schaffte schnell den Umschwung. Ehe der Trainer anfing, holte Pogon in 16 Partien neun Punkte, unter seiner Ägide in fünf Spielen acht. Dabei wurden die letzten beiden Spiele im Dezember gewonnen. Der Rückstand zum rettenden Ufer beträgt nur noch vier Punkte, und wenn das erste Spiel nach der Winterpause zuhause gegen Nowy Sacz am 10. Februar gewonnen wird, trennt das Runjaic-Team nur noch ein Zähler von Aufsteiger Nowy Sacz und von Rang 14, der den Klassenerhalt bedeuten würde.

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Überzeugt vom Klassenerhalt

"Ich habe ein Team mit Substanz und vielen guten Typen vorgefunden", antwortet Runjaic auf die Frage, was er verändert hat. Ihm sei es nicht nur um die Vermittlung einer klaren Spielidee gegangen, sondern vor allem um die Haltung der Mannschaft auf dem Platz. "Gerade als weit abgeschlagener Tabellenletzter muss man furchtlos, mutig und aggressiv sein."

Kopf und körperliche Fitness seien ebenso wichtig wie positive und direkte Kommunikation. Kosta Runjaic ist überzeugt vom Klassenerhalt. "Mit harter Arbeit, gutem Teamspirit, festem Glauben und ein bisschen Spielglück ist er zu schaffen." Um die Mannschaft weiter voranzubringen, hat er in der Winterpause drei Spieler aussortiert und drei neue verpflichtet. Seine Bilanz nach den ersten Tagen des Trainingslagers in Belek: "Wir sind auf einem guten Weg. Die Mannschaft ist fleißig, fokussiert, zieht voll mit und setzt immer mehr von dem um, wie ich mir das vorstelle."

Auch Lukasz Zaluska spielt jetzt in Stettin

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Kommunikationsprobleme gibt es keine. "Fußballkommandos sind quasi universell", sagt Runjaic, der hauptsächlich Englisch mit den Spielern spricht. Zu ihnen zählt auch der ehemalige Darmstädter Ersatztorhüter Lukasz Zaluska. Was das Niveau in der Ekstraklasa angeht, sagt Runjaic: "Die polnischen Teams wären auch in den deutschen Profiligen konkurrenzfähig. Einige Spieler haben Bundesliga-Format, einige können sich noch dahin entwickeln." Bedingt durch die EM 2012 gebe es viele moderne und schöne Stadien. "Leider sind diese nicht so gut gefüllt wie in Deutschland."

Runjaics Frau und die drei Kinder (17, 11 und 9) sind im Rheingau geblieben. "Sie fühlen sich dort wohl und genießen die trainingsfreie Zeit." Alle drei, vier Wochen versuche er, "daheim nach dem Rechten zu schauen". Verlängert er seinen bis Sommer gültigen Vertrag im Falle des Klassenerhalts oder kehrt er in die Heimat zurück? "Momentan zählt nur die Vorbereitung auf die restlichen 16 Spiele; es liegt noch eine lange Strecke vor uns", sagt Runjaic. Fest stehe aber: "Stadt, Region und Leute sind sehr nett. Mir geht es gut, und ich gehe jeden Tag hoch motiviert zur Arbeit."

Und egal was nach dem Saisonende am 20. Mai passiert, Runjaic ist sich sicher: "Diese Station wird mich als Mensch und Trainer weiter wachsen lassen."