SVWW: 05-Chef Kaluza warnt vor „SV Putin Wiesbaden“ –...

aus SV Wehen Wiesbaden

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„Der SV Putin Wiesbaden würde Champions League spielen“ – 05-Clubboss Johannes Kaluza hat die Hauptsponsor-Wahl des SVWW als „Fehler“ bezeichnet. Montage: vrm/sbi,  leo_d - stock.adobe.com, Foto:  fotogestoeber – Fotolia

„Der SV Putin Wiesbaden würde Champions League spielen.“ Das hat Johannes Kaluza über den SV Wehen Wiesbaden gesagt und damit für reichlich Verwunderung gesorgt. Doch was...

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WIESBADEN. Nico Schäfer musste zwei Mal hinschauen. Mit Verwunderung las der Geschäftsführer für Sport, Kommunikation und Marketing beim SV Wehen Wiesbaden die Schlagzeile des Fachmagazins „Kicker“. Dort stand: „Der SV Putin Wiesbaden würde Champions League spielen.“ Eine Aussage, die Johannes Kaluza, der neue Vorstandsvorsitzende des FSV Mainz 05, getroffen hat. Eine Aussage, die Schäfer als „ungeschickt und unüberlegt“ bezeichnet. „Auch wenn es mich erst mal freut, dass Mainz 05 als Bundesligist uns wahrnimmt. Und es erscheint, als würden sie uns sogar als Bedrohung sehen.“

Was war passiert? Kaluza sprach in dem Artikel ausführlich über Vereinsstrukturen. Gab dabei zu Protokoll:„Mittlerweile haben wir ja reine Kunstvereine. Ich sehe kritisch, dass die 50+1-Regel ausgehöhlt wird.“ Nannte als Beispiel: „Wir haben hier in der Region den SV Wehen Wiesbaden. Dieser Verein hat Vieles richtiggemacht und sich Liga für Liga hochgearbeitet. Der Club hat nur einen Fehler gemacht: den falschen Sponsor gewählt.“ Und erklärte: „Wenn sie statt Brita einen reichen russischen Oligarchen gewählt hätten, am besten den reichsten, also Wladimir Putin, dann würde heute der SV Putin Wiesbaden in der Champions League spielen. Und wir armen Mainzer würden zugucken – Tradition hin oder her. Wollen wir das haben?“

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Warum sich Kaluza ausgerechnet den Drittligisten von der anderen Rheinseite für diesen Vergleich rauspickt – Schäfer ist es ein Rätsel. „Zumal ich 05-Sportdirektor Rouven Schröder sehr gut kenne und schätze. Ich finde, Mainz ist ein sehr sympathischer Verein. Und als die 05er in der Vorbereitung zum Testspiel hier waren, sind sie ebenfalls sehr gerne in die Brita-Arena gekommen“, sagt Schäfer. Nicht ohne Betonung auf den Namensgeber der Arena. Die Partie hatte der Erstligist mit 0:2 verloren. Randnotiz: Ein Testspiel hat der SVWW am Mittwoch auch für die Länderspielpause vereinbart, die Hessen treten am 1. September um 11.30 Uhr auf einem Nebenplatz des Eintracht-Stadions beim dortigen Zweitligisten Braunschweig an.

„Despektierlich gegenüber der Familie Hankammer“

Zurück zum eigentlichen Thema. Schäfer erinnert daran, „dass der SVWW einen sehr langen und steinigen Weg genommen hat. Über drei Jahrzehnte hat die Familie Hankammer viel Leidenschaft und Herzblut in den Verein gesteckt. Genauso wie in ihr weltweit erfolgreiches Unternehmen“. Kaluzas Äußerungen empfindet der 49-Jährige „daher als despektierlich gegenüber der Lebensleistung der Familie Hankammer“. Der Taunussteiner Unternehmer und Sportmäzen Heinz Hankammer war 1979 beim SV Wehen als Hauptsponsor und Präsident eingestiegen, hatte den Club von der A-Liga bis in die Zweite Bundesliga geführt. Der Erfinder des Brita-Wasserfilters verstarb im September 2016 im Alter von 84 Jahren. Sohn Markus Hankammer hat die Amtsgeschäfte des Vaters im Konzern und Verein übernommen.

Schäfer erinnert an die Mainzer Stadionfinanzierung

Schäfer erinnert auch daran, „dass niemand geklagt hat bisher, wenn eine Stadt oder ein Land den Großteil eines Stadions finanziert hat. Ein Verein von einem Kommunalkredit profitiert. Ein Kredit, der oft gestundet wird, wenn der Verein absteigt“. Die Finanzierung der heutigen Opel-Arena wurde in erster Linie durch einen Kommunalkredit sowie Zuschüsse des Landes Rheinland-Pfalz und der Stadt Mainz getragen.

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Schäfer will aber bewusst nicht die 05er ins Visier nehmen. Im Gegenteil. „Herr Kaluza ist gerade mal acht Wochen im Amt. Die ersten 100 Tage trifft man hin und wieder Aussagen, mit denen man sich vergaloppiert. Er hat also die Chance verdient, diese selbst aus dem Weg zu räumen“, so einer der beiden SVWW-Geschäftsführer.

Begegnet sind sich Schäfer und Kaluza noch nie. Mit einem Augenzwinkern meint der 49-Jährige: „Eventuell passiert es ja auf sportlichem Wege. Das würde mich freuen.“ Der SVWW und die 05er könnten schließlich im DFB-Pokal aufeinandertreffen.