Vor Kellerduell gegen Paderborn: Mainz 05 will Kaul-Mentalität

aus Mainz 05

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Mainz 05-Trainer Sandro Schwarz. Foto: dpa

Fokussiert bleiben und punktgenau die Leistung abrufen. Was Mainz 05 von Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul lernen können und warum Ballbesitz gegen Paderborn nicht so wichtig ist.

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MAINZ. Das ganze Jahr über kaum im Rampenlicht zu stehen, dennoch fokussiert zu bleiben, fortwährend hart zu trainieren und dann– „am Tag X“ – an dem das Rampenlicht da ist, voll da zu sein. „Das ist großer Sport.“ Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den SC Paderborn huldigt Sandro Schwarz dem Saulheimer Niklas Kaul. Dass sich der 21-jährige Zehnkämpfer des USC Mainz, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag unsterblich gemacht hat, blieb auch dem Cheftrainer des 1. FSV Mainz 05 nicht verborgen.

Was das mit Fußball und dem anstehenden Kellerduell (Samstag, 15.30 Uhr) zu tun hat? Einiges. Gute Trainingsleistungen hatte Schwarz seinen 05ern in dieser Saison fortwährend bescheinigt. Doch der Transfer auf den Spieltag – den bei den Fußballprofis wöchentlich wiederkehrenden Tag X – klappte bislang nicht richtig. „Das ist für uns auch immer entscheidend: Das Training dient der bestmöglichen Vorbereitung“, berichtet Schwarz einerseits, anderseits: „Es kommt aber darauf an, wenn der der Schiedsrichter anpfeift, in der Drucksituation, alles aus sich und seinem Körper herauszuholen.“

Für das Auswärtsspiel in Paderborn gilt das selbstredend auch. Die Ausgangslage ist brisant: Mit den Mainzern (drei Punkte) und Paderborn (ein Zähler) treffen zwei Teams aufeinander, die bereits früh in der Saison unter Druck stehen. „Es ist ein wichtiges Spiel, keine Frage“, sagt Schwarz, „aber ohne das Spiel zu überhöhen und irgendwelche Szenarien durchzuspielen.“ Pochte Schwarz in jüngster Vergangenheit immer wieder auf viel eigenen Ballbesitz, ist für ihn dieser gegen den Aufsteiger zweitrangig. Für ihn geht es vor allem um Geradlinigkeit, um das schnelle Spiel in die Spitze. Häufiges Hin- und Hergeschiebe, das zuletzt das 05-Bild vor dem gegnerischen Sechzehner prägte, soll passé sein. Darüber hinaus wird es nur über den Kampf gehen, prophezeit Schwarz: „Wir müssen einfach den Stecken reinhalten in jeden Zweikampf.“ Paderborn stand in den ersten Spielen vor allem dafür, das Heil in der Flucht nach vorne zu suchen. Dabei lief der SC allerdings allzu häufig ins offene Messer. „Sie haben eine klare Spielidee“, betrachtet Schwarz den Hals-über-Kopf-Offensivfußball aber nicht als Schwäche des Teams von Trainer Steffen Baumgart.

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Schnell umzuschalten, klare Torchancen zu kreieren und – anders als gegen Wolfsburg – diese auch zu nutzen, wird für die Mainzer dennoch spielentscheidend zu sein. „Wir müssen alles aus uns herausholen“, fordert Schwarz die Aufopferungsbereitschaft – so wie sie Niklas Kaul in Doha zeigte.

Verletzungssorgen in der Abwehr

Nicht alles aus sich herausholen können derzeit allerdings eine ganze Stange Spieler, das 05-Lazarett wächst. Ein Problem ist, dass neben dem bereits in der Vorwoche verletzten Aaron Martin nun auch Ronael Pierre-Gabriel ausfällt. Damit gehen den 05ern so langsam die Optionen für die Außenverteidiger-Positionen aus. Daniel Brosinski musste bereits gegen Wolfsburg von rechts auf links wechseln. Für die Außenverteidiger-Postion kommen außer ihm noch drei weitere: Jeremiah St. Juste, der auf rechts bei Feyenoord Rotterdam bereits öfter gespielt hat. Rückt er nach außen, würde wohl Alexander Hack als Innenverteidiger zum Zug kommen. Weitere Optionen sind Ridle Baku (füllte die Rolle schon in der deutschen U21-NAtionalmannschaft aus) oder Jonathan Meier, der 19-jährige Neuzugang vom FC Bayern.

Ebenfalls nicht alles aus sich herausholen können wird Schwarz selbst. Das wurde den Trainer aufgrund seiner Gelb-Roten Karte gegen Wolfbsurg untersagt. Er ist bekanntlicherweise für das Spiel in Paderborn gesperrt. „Natürlich ist es was anderes, wenn der Cheftrainer nicht dabei ist“, sagt Sportvorstand Rouven Schröder, „wenn der Spieler nach außen blickt, ist er nicht da.“ Anstelle von Schwarz wird dort nun Jan-Moritz Lichte stehen. Der Co-Trainer rückt für dieses eine Spiele in der Hierarchie auf. „Er wird das auf seine Art machen“, sagt Schwarz. Lichte ist bei Weitem nicht so impulsiv wie Schwarz. „Es ist wichtig, authentisch zu bleiben“, macht sein Chefcoach aber klar. Für alles andere, taktische Züge und Wechsel, sind hingegen die Absprachen klar getroffen, macht Schwart klar. An diesem Spieltag – dem nächsten „Tag X“– vertraut er seinem Trainerteam „zu 100 Prozent“.

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Von Nils Salecker