Trapp lässt die Bayern verzweifeln – Kostic trifft zum Sieg

aus Eintracht Frankfurt

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Torhüter Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt (r) und Robert Lewandowski vom FC Bayern München kämpfen um den Ball. Foto: Matthias Balk/dpa

Eintracht Frankfurt gewinnt 2:1 bei Bayern München. Für die Münchener die erste Niederlage unter Nagelsmann. Für die Eintracht ist es eine Sensation – auch dank Kevin Trapp.

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MÜNCHEN. Das ist ein Fußball-Wunder, ein großes. Die Frankfurter Eintracht hat ihren ersten Saisonsieg gefeiert, ausgerechnet beim FC Bayern München. Das 2:1 (1:1) nach Toren von Leon Goretzka zum 1:0 für die Gastgeber konterten die Frankfurter mit Toren von Martin Hinteregger und Filip Kostic. Es war der erste Sieg in München seit 21 Jahren. Und es war ein absoluter Befreiungsschlag. Es war eine Abwehrschlacht der Frankfurter mit starken Verteidigern von vorne bis hinten und einem sensationell guten Kevin Trapp im Tor. Unter den Augen von Bundestrainer Hansi Flick machte der Eintracht-Torwart deutlich, warum er eigentlich ins Aufgebot der Nationalmannschaft gehören würde. Die Taktik von Trainer Oliver Glasner war aufgegangen. Klar, die Eintracht hatte neben Trapp auch Glück. Aber sie hatte auch Moral, Zweikampfhärte und Disziplin und sie hatte bis auf die Anfangsphase viel Mut.

Makoto Hasebe hatte es nach dem Spiel am Donnerstag nicht geschafft. Die Muskeln waren nach den Krämpfen beim Europacupspiel noch nicht wirklich wieder locker genug, um gegen die Bayern anzutreten. Trainer Glasner stellte die Mannschaft komplett um, drei Neue rein (Stefan Ilsanker, Tuta und Jesper Lindström), das System so eine Art 5-4-1 mit Rafael Borré als vordere Spitze. Die Aufgabe war klar: So gut wie möglich verteidigen. Das tat die Eintracht mit Mann und Maus, sehr wehrhaft, mit dem Glück des Tüchtigen.

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Besonders die Anfangsphase war schwierig. Trapp musste gleich in der 3.Minute gegen Lewandowski retten, kurz darauf köpfte der „Weltfußballer“ übers Tor und dann war wieder Trapp da. Sein Kollege Kristijan Jakic hatte ihn bei einer Rettungsaktion vor die bis dahin größte Bewährungsprobe gestellt (13.). Unter den Augen von Bundestrainer Hansi Flick, der Trapp zugunsten des inzwischen nur als Ersatzmann bei Arsenal aufgebotenen Bernd Leno aus der Nationalmannschaft geworfen hatte, zeigte der Frankfurter Torwart eine bärenstarke Leistung. Müller an Trapp, Goretzka an Trapp, Süle knapp vorbei - ging es weiter.

Und dann passierte es doch. Martin Hinteregger hatte einmal den Ball nicht einfach hoch weggebolzt, sondern versucht mit einem Pass aufzubauen. Das war keine gute Idee bei der Präsenz der Münchner. Über Müller kam der Ball zu Leon Goretzka und der ließ Trapp keine Chance, das 1:0 in der 29. Minute. Danach passierte Erstaunliches. Zwar hatte Leroy Sané noch eine Gelegenheit zum 2:0, doch dann kam die Eintracht auf einmal ins Spiel. Der allererste Angriff brachte Jakic in eine gute Position, doch die Bayern wehrten ab. Den Eckball trat Filip Kostic nach innen und Hinteregger köpfte zum Ausgleich ein.

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Nun beteiligten sich beide Teams am Spiel. Almamy Touré stand nach Traumpass von Djibril Sow mutterseelenalleine vor Manuel Neuer, schoss aber nur den Nationaltorwart an (42.). Auf der Gegenseite traf Serge Gnabry den Außenpfosten(44.) und in der Nachspielzeit vernaschte Kostic Dayot Upamecano, der Pass wurde jedoch von Freund und Feind verpasst.

Nach dem Wechsel war es dann ein Spiel auf ein Tor, sozusagen FC Bayern gegen Kevin Trapp. Der Frankfurter Keeper zeigte das beste Spiel seit vielen, vielen Monaten. Er wehrte ab, was abzuwehren war. Gegen Sane, gegen Lewandowski, gegen Gnabry. Als dann nach einer Stunde auch noch der starke Touré wegen einer Verletzung runtermusste, es kam Danny da Costa, wurde der Druck immer stärker. Bayern-Coach Julian Nagelsmann schickte dann Jamal Musiala für Gnabry aufs Feld.

Die Eintracht hatte dennoch ihre Chance, große sogar, doch sie spielte sie einfach nicht aus. Die Bayern setzten alles auf eine Karte, öffneten die Abwehr, doch die letzten Pässe der Frankfurter waren immer zu unpräzise. Einmal versuchte es Hinteregger sogar mit einem Schuss von der Mittellinie – vergeblich. Die Frankfurter waren stehend K.o., man konnte förmlich spüren, wie die Kräfte nach der Belastung vom Donnerstag nachließen. Und dann passierte Unglaubliches. Wieder ein Konter, wieder fast verdaddelt. Doch dann kam Kostic in der 83. Minute an den Ball und schoss von seiner Lieblingsposition auf halblinks den Ball ins Tor, 1:2. Da sah Neuer gar nicht gut aus. Auf der Gegenseite war es erneut Trapp, der mit einer fantastischen Parade gegen Goretzka den Sieg rettete.

Von Peppi Schmidt