Mainz 05: Reaktionen auf Strutz-Rückzug zwischen...

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Harald Strutz´ Entscheidung, nicht mehr fürs Präsidentenamt bei Mainz 05 zu kandidieren, stieß auf große Zustimmung. Manche reagierten erleichtert, viele dankbar für die Leistung. Archivfoto: Sascha Kopp

Ob es nun die eher zweifelhafte Ehre war, am Rosenmontag als Motivwagenthema vor Millionen verspottet zu werden, die für Harald Strutz das Fass zum Überlaufen brachte,...

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MAINZ. Ob es nun die eher zweifelhafte Ehre war, am Rosenmontag als Motivwagenthema vor Millionen verspottet zu werden, die für Harald Strutz das Fass zum Überlaufen brachte, darüber lässt sich trefflich spekulieren. Was aber seine Ankündigung angeht, nicht mehr fürs 05er-Präsidentenamt zu kandidieren, da scheint es vor allem eine Meinung zu geben: Zustimmung.

Gerd Krämmer, seit 60 Jahren 05er und Mitglied der Wahlkommission für den Aufsichtsrat: „Das war der richtige Schritt. Im Sinne des Vereins ist es gut, dass Bewegung in die Sache kommt.“ Seine Aussage sei nicht gegen Strutz gerichtet – im Gegenteil. Aber die Situation habe sich so sehr zugespitzt, dass es nun wichtig sei, einen handlungsfähigen Vorstand zu haben. Strutz habe sehr große Verdienste für den Verein. Dies müsse auch gewürdigt werden. Etwa mit der Ernennung zum Ehrenpräsidenten.

Deutlich schärfer sagt es Klaus Hammer, ebenfalls Mitglied im Wahlausschuss: „Es war allerhöchste Zeit, vor allem vor dem Hintergrund der mehr und mehr zu Tage kommenden Vorteilsnahmen.“ Das geringe „Leistungsaufkommen“ Strutz’ sei nicht aufgefallen, solange Heidel dagewesen sei, dann aber sei er in der Geschäftsstelle mit wachsender Selbstherrlichkeit aufgetreten. Nicht selten auch lautstark. Dass Mainz 05 durch den Verlust einer weiteren Galionsfigur noch mehr seinen Charakter verlieren könnte, fürchtet Hammer nicht: „Da wachsen ja auch Leute nach.“

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Für Fastnachter Hans-Peter Betz kam die Ankündigung des 05-Präsidenten nicht überraschend: „Ich habe diesen Schritt erwartet.“ Früher regelmäßig Zuschauer bei den Spielen der 05ern, hat Betz seit drei Jahren keine Dauerkarte mehr: „Ich spüre eine zunehmende Distanz zum Fußball mit seinen hochbezahlten Spielern, aber im letzten Jahr auch immer mehr zum Verein.“

Die Chance für einen Neuanfang sieht Sven Hieronymus, Comedian, AZ-Kolumnist und selbst ernannter 05-Profifan. Allerdings betont er seinen Respekt vor Strutz’ Entscheidung „und auch vor der Arbeit, die er in den 28 Jahren als Präsident geleistet hat.“

Dankbarkeit gab es aber auch für sein Engagement außerhalb des Vereins, so von Professor Thomas Münzel, Direktor an der Kardiologie der Unimedizin: „Er war immer ein extrem verlässlicher Partner: Bei den Kampagnen zum Thema Brustschmerz, die seit 2007 mit Mainz 05 veranstaltet werden, und für die Kinderakademie Gesundheit der Stiftung Mainzer Herz, bei der er immer ein großherziger Unterstützer war.“

Anerkennung äußerte auch Hannsgeorg Schönig, Fraktionschef der CDU im Rathaus, und auch Bedauern: „Es ist schade, dass eine jahrzehntelang erfolgreiche Arbeit so ein Ende nimmt.“ Von der Stadtspitze war hingegen kein Kommentar über die Veränderung an der Spitze des wichtigsten Vereins der Stadt zu erhalten. Nicht von OB Michael Ebling und nicht einmal vom Sportdezernenten Günter Beck, der eine Stellungnahme rigoros ablehnte: „Ich habe bisher nichts dazu gesagt, und ich werde auch weiter nichts dazu sagen.“

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Genauso schweigsam zeigte sich die Stimme der 05er, Stadionsprecher Klaus Hafner, der nur sagte: „Das möchte ich nicht kommentieren.“

Doch jenseits aller Kritik am Verhalten von Harald Strutz und den Kommentaren zu seinem aktuellen Schritt zeigte sich auch viel Dankbarkeit für die jahrzehntelange Arbeit des scheidenden Präsidenten. So gab es im kigges-Forum neben den Diskussionsbeiträgen zu Strutz’ Entscheidung noch einen weiteren Kommentar-Strang, der schlicht heißt: „Danke, Harald Strutz!“