Mainz 05 gegen Gladbach: In der Kabine komplett verwandelt

aus Mainz 05

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Mönchengladbachs Alassane Plea (Mitte) und Stefan Bell von Mainz 05 (re.) kämpfen um den Ball. Foto: dpa/ Federico Gambarini

Nach einer verhaltenen Dreiviertelstunde zeigen die 05er eine starke Reaktion in der zweiten Halbzeit - und holen so einen verdienten Punkt in Mönchengladbach.

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MAINZ. Musste man hier schon fast von der perfekten Tarnung sprechen? Einen halben Sonntagnachmittag hatten sich die Bundesliga-Fußballer von Mainz 05 wie nette, zurückhaltende Gäste verhalten, schienen weit entfernt davon, etwas Zählbares mit aus dem Mönchengladbacher Borussia-Park zu nehmen. Umso überraschender kam die komplette Verwandlung nach dem Kabinengang. Plötzlich sorgten die Rheinhessen für richtig Stress, gingen den Mönchengladbachern, die sich bereits auf einen ruhigen Sonntagsspaziergang eingestellt hatten, gehörig auf den Geist. Und obendrein korrigierten sie den 0:1-Rückstand und nahmen nach Karim Onisiwos 1:1-Ausgleichstreffer (73.) einen am Ende verdienten Punkt mit.

Warum sie so unglaublich verhalten begannen, das wird das Mainzer Geheimnis bleiben. Da fielen die zurückhaltenden Gäste den Gladbachern überhaupt nicht zur Last, machten wenig kaputt, gingen nicht auf die Nerven. Eine zu diskrete Dreiviertelstunde ohne Drang und Durchsetzungskraft, in der sie nicht einmal ernsthaft für Gefahr sorgten in der gegnerischen Hälfte. Torchancen: Fehlanzeige. Und wenn das Spiel nicht gerade wieder im Stau des Mittelfeldgeplänkels feststeckte, versuchten die Mönchengladbacher, sich durch das Mainzer Defensivdickicht zu wühlen. Meistens blieben sie stecken, prallten ab, kamen an Bell und Co. nicht vorbei.

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Einmal jedoch kombinierten sich die Gladbacher über fünf, sechs Stationen durch die 05-Reihen, hier eher freundliches Spalier. Am Ende der Kette steckte Florian Neuhaus auf Breel Embolo durch, der Schweizer Stürmer schob ins linke Toreck ein (33.). Der bescheidene Gastauftritt warf Fragen auf. Wie sah der Auswärtsauftrag, den die 05er zunächst ohne die gestressten bzw. angeschlagenen Länderspielreisenden Jae-sung Lee und Jonathan Burkardt (dafür mit dem komplett blassen Marcus Ingvartsen und dem etwas bissigeren Leandro Barreiro) angingen, eigentlich aus? 05-Coach Bo Svensson hatte die Auswärtsschwäche ja zur Chefsache erklärt: „Wir haben zu oft versäumt, stabil zu agieren, haben zu oft einen Tick zu viele Fehler gemacht.“ Fehlervermeidung, möglicherweise erklärte das die Zurückhaltung.

Klar ist aber auch, dass so eine Herangehensweise gegen einen Gegner dieser Güte nicht lange gut gehen konnte. Erschwerend kam hinzu: Bislang gelang es den 05ern in dieser Saison nie, auswärts einen Rückstand zu korrigieren.

Spielverlauf um 180 Grad gedreht

Immerhin: Die 05er kamen mit einer grundveränderten Haltung aus der Kabine. Und mit Jonathan Burkardt (für Ingvartsen). Der U21-Nationalspieler war keine 120 Sekunden auf dem Platz, da zwang er Yann Sommer mit seinem Abstauber nach Barreiros Pfostenschoss zu einem Weltklassereflex, der den Ausgleich verhinderte (48.). Das Spiel wurde nun einmal komplett zum 180 Grad gedreht. Nun attackierten, belästigten die Gäste die Gladbacher früh, was den Hausherren (und dem Großteil der 44.156 Zuschauern) wenig schmeckte.

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Die 05er liefen fünf Kilometer mehr als die Borussen, ließen den Ball laufen, kamen zu Chancen. Zwei, drei Mal parierte Sommer noch (gegen Lee und Onisiwo), gegen Karim Onisiwos Schuss (nach Lee-Vorarbeit) war er machtlos (73.). Und die 05er drückten weiter, drückten auf den Siegtreffer. Und Sommer verhinderte die Heimpleite. Er parierte überragend gegen Burkardt, Lees Kopfball ging an die Unterkante der Latte und prallte auf der Torlinie auf (90.). Es blieb beim 1:1. Und man fragte sich schon, warum sie nicht auch in der ersten Halbzeit so aufmüpfig auftraten.

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