Kolumne von Wortpiratin Mara Pfeiffer: Nostalgie ja,...

aus Mainz 05

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Ach, was war das für ein wunderbares Fußballfest am letzten Samstag! Nikolce Noveski hatte gerufen – und alle waren gekommen. Das Klassentreffen war ein Fußballfest zur...

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MAINZ. Ach, was war das für ein wunderbares Fußballfest am letzten Samstag! Nikolce Noveski hatte gerufen – und alle waren gekommen. Besonders umschwärmt wurde natürlich Jürgen Klopp, stahl dem Star des Tages dabei aber niemals die Show. Auch Thomas Tuchel durfte sich über einen sehr netten Empfang freuen, mit dem hoffentlich alle Probleme aus dem Hemd der Vergangenheit gebügelt sind. Auf dem Platz offenbarte sich, dass der Zahn der Zeit die Ehemaligen unterschiedlich intensiv benagt hat. Während Spieler wie Miffel Thurk, Benni Auer oder Mo Zidan sich noch relativ wendig über den Platz bewegten, wollte man manchem Kicker permanent Sauerstoff auf den Rasen bringen – und dem einen oder anderen auch ein Teiltoupet. (Auf eine Namensnennung der Angesprochenen wird natürlich höflich verzichtet. Wir möchten Toni da Silva, Florian Heller oder Niclas Weiland ja nicht verletzen...)

Dimo Wache warf sich in die Bälle, als hinge sein Leben davon ab, die Bude sauber zu halten, Elkin Soto wirkte, als wäre er nie weggewesen, Sami Allagui machte den Eindruck, als wolle er noch ein weiteres Mal in Mainz anheuern. Der mit Sprechchören gefeierte Noveski selbst präsentierte sich in einer derart guten Verfassung, dass die Fans auf den Tribünen einander raunend fragten, ob er letzte Saison nicht gar eine Verstärkung der Abwehr gewesen wäre. Oder eine Alternative im Sturm, immerhin schoss die ehemalige Nummer Vier zwei Tore. So kurios wie wunderbar war dabei das zweite, als Noveski, der in der ersten Hälfte im „Team Nikolce“ und in der zweiten im „Team Mainz 05“ auflief, kurzerhand mit Ivan Klasnic Trikots tauschte. Somit traf der Mazedonier im Dress der „Nikolcer“ gegen die 05er, denen er in Halbzeit zwei eigentlich angehörte – also irgendwie doch wieder gegen sein Team. Darauf hatten die Fans auch ein bisschen gehofft.

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Fußballfest zur rechten Zeit

Das Klassentreffen war ein Fußballfest zur rechten Zeit, wie eine emotionale Glücksdusche nach den kalten Schauern der ersten beiden Spieltage im Ligabetrieb. Denn diese Niederlagen mitten in die Euphorie über den Neustart unter Sandro Schwarz lagen schon schwer auf den Fanseelen, gerieten beim Kick an diesem Septembertag aber in Vergessenheit. „Das war wie früher“, der Satz erklang wie ein Mantra von den Rängen, wurde an Bierständen geseufzt und über Toilettenwände geflüstert. Und es steckt ja ein wahrer Kern darin, nicht nur, weil Wache schon vor Anpfiff die Hand am Bierglas hatte. Es war der alte Zusammenhalt, der die zugige Arena an diesem Nachmittag erwärmte. Den sollten wir mitnehmen, denn man muss kein Hellseher sein um zu ahnen, wir werden ihn diese Saison noch brauchen.

Nicht nachgeben sollten wir aber dem Impuls, auf die Vergangenheit einen allzu verklärten Blick zu werfen. Ja, es waren tolle Zeiten – und ohne sie würde es den Erfolg der letzten Jahre nicht geben. Ohne diesen Erfolg würde sich aber auch niemand wehmütig an die alten Zeiten erinnern.

Von Mara Pfeiffer