Geschafft! Eintracht gewinnt das Europa-League-Finale

aus Eintracht Frankfurt

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Die Euro-Helden von Sevilla. Mit dem 5:4-Sieg im Elfmeterschießen machten die Eintracht-Profis den Sieg in der Europa League Klar. Foto: dpa

Spannender ging es nicht mehr. Im Elfmeterschießen bezwingen die Frankfurter die Glasgow Rangers 5:4 und gewinnen damit die Europa League.

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SEVILLA. Eintracht Frankfurt ist Europa-League-Sieger 2022. In einem bis zur letzten Sekunde hochspannenden Match setzten sich die Hessen gegen Glasgow im Elfmeterschießen 5:4 durch. Kevin Trapp hielt einen Elfmeter, Rafael Borré verwandelte den entscheidenden. Der Finalabend begann mit einer stimmungsvollen Eröffnungszeremonie und einer großen Choreografie des Eintracht-Anhangs: Die komplette Frankfurter Kurve war mit weißen Fahnen und Kappen ausgestattet. Zudem wurde eine große kreisrunde Flagge über die Tribüne ausgerollt.

Für Frankfurts Kapitän Sebastian Rode hätte die Partie nicht schlechter starten können. In der fünften Minute erwischte ihn der offene Stollen von John Lundstram an der Stirn. Eine Platzwunde und eine lange Behandlungspause von Rode, der auf dem Feld getackert wurde und mit einem dicken Turban schließlich weiterspielen konnte, waren die Folge. Ein wenig unverständlich blieb jedoch, warum der Unparteiische Slavko Vincic für das harte Einsteigen Lundstrams nicht mal die Gelbe Karte zückte.

Schon früh gute Chancen

Kurz drauf stand erneut Lundstram im Fokus, als er sich bei einem weiten Ball aus der Frankfurter Hälfte ordentlich verschätzte, sodass Daichi Kamada freie Bahn hatte. Der Japaner verzettelte sich jedoch, war zu überhastet, sodass die Schotten die Situation entschärfen konnte. Der zweite Ball landete bei Djibril Sow, der aus gut zwanzig Metern den Ball am rechten Toreck vorbeizwirbelte. Die erste gute Gelegenheit der Hessen, die nun immer besser ins Spiel kamen.

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Nach zwanzig Minuten versuchte es Ansgar Knauff mit einem Schlenzer von rechts. Glasgow-Keeper Allan McGregor klärte zur Ecke und auch diese wurde gefährlich. Filip Kostic brachte den Ball flach an die Strafraumkante, wo Jesper Lindström, der rechtzeitig zum Finale seine Muskelverletzung der vergangenen Wochen auskuriert hatte, freistand, das Leder aber nicht richtig traf. Dennoch kam Evan Ndicka aus kurzer Distanz noch zum Kopfball, setzte diesen jedoch knapp neben den rechten Pfosten.

Es dauerte bis zur 26. Minute, bis die Rangers ihren ersten Torschuss verbuchen konnten. Joe Aribo versuchte es aus der Distanz. Der Auftakt in eine starke Phase der Schotten, denen es gelang, in der letzten Viertelstunde vor der Pause, die Oberhand über die Partie zu gewinnen. Abgesehen von einem schönen Solo von Kostic in der 32. Minute als der Serbe mit Ball am Fuß über den kompletten Platz sprintete, im Abschluss aber leicht verzog, drängte Glasgow die Hessen zusehends in die eigene Hälfte, kam immer wieder zu aus Frankfurter Sicht vermeidbaren Ecken und Freistößen in Strafraumnähe. In der 36. Minute musste Trapp eingreifen, um den Ball noch mit den Fingerspitzen über die Latte zu lenken. Ansonsten hatten die Hessen Glück, dass die Abschlüsse der „Gers“ nicht präziser waren. Aufgrund der langen Behandlungspause von Rode gab es im ersten Durchgang satte sechs Minuten Zuschlag, in denen aber nichts mehr passierte. Es ging torlos in die Pause.

Verkettung unglücklicher Umstände bringt Rangers Führung

Die Eintracht kam mit Druck aus der Kabine. In der 49. Minute sahen nicht nur die rund 10.000 Eintracht-Fans den Ball schon im Tor: Lindström setzte aus 16 Metern einen Drehschuss nur haarscharf neben den Pfosten. Der Ball war noch von einem Schotten gefährlich abgefälscht. Vier Minuten später forderten die Frankfurter einen Elfmeter. Rafael Borré war mit dem Spielgerät auf und davon in den schottischen Strafraum enteilt, wo er zu Fall kam und Connor Goldson vermeintlich daran Schuld trug. Die Szene wurde überprüft – es gab keinen Strafstoß.

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Und es kam kurz drauf ganz dicke für die Hessen. Sie brachten sich selbst unnötigerweise in Schwierigkeiten, weil sie den Ball nicht sauber in den eigenen Reihen hielten. Eine unfreiwillige Verlängerung von Sow landete vor den Füßen Aribos, der Tempo aufnahm. Tuta hastete dem Stürmer hinterher, blieb im Rasen hängen, fiel hin und Aribo war über alle Berge, stürmte alleine auf Kevin Trapp zu, der keine Chance hatte. Glasgow führte 1:0. Tuta verletzt sich bei der Aktion, musste runter. Für ihn kam Routinier Makoto Hasebe.

Borré mit dem verdienten Ausgleich

Ein Schock für die Eintracht, die jedoch am Drücker blieb und beinah durch Lindström nach klasse Vorarbeit von Knauff die Antwort gegeben hätte. Lindströms wuchtiger Schuss wurde jedoch geblockt. In der 67. Minute war es dann Kamada, der den Ausgleich hätte erzielen müssen. Tat es aber nicht, weil er seinen Heber aus freier, kurzer Position über die Latte setzte.

Borré machte es nur wenige Augenblicke deutlich besser. Kostic brachte von der linken Seite den Ball mit viel Effet in den Fünfmeterraum, wo Borré sich geschickt gegen gleich zwei Gegenspieler durchsetzte und das Leder in über die Linie spitzelte. Der verdiente Ausgleich für die Hessen (69.).

Eintracht-Trainer Oliver Glasner wechselte unmittelbar nach dem 1:1. Für Lindström kam Jens Petter Hauge in die Partie und hatte direkt man eine gute Chance. Über Kamada und Rode kam der Ball zum Norweger, der geriet aber in Rücklage und setzte den Ball letztlich deutlich drüber (77.).

Partie geht in die Verlängerung

Die Partie steuerte auf eine heiße Schlussphase zu. Einerseits wollten beide eine Verlängerung möglichst vermeiden. Andererseits waren sowohl die Frankfurter, als auch die Rangers, etwas gelähmt, weil niemand einen entscheidenden Fehler machen wollte. Die SGE bereitete sich für eine mögliche Verlängerung vor. Der tapfer kämpfende, seit der 5. Minute mit Kopfverletzung spielende, Rode hatte Feierabend. Kristjan Jakic kam für ihn.

Fünf Minuten gab’s in der zweiten Halbzeit oben drauf, die Verlängerung war danach beschlossene Sache. Zweimal 15 Minuten, in denen es um alles oder nichts ging. Welches Team hat den längeren Atem? Welches kann nochmal die letzten Körner zusammenkratzen? Die Kontrahenten schenkten sich auf dem Rasen bei immer noch Temperaturen von knapp 30 Grad nichts. Jeder Zweikampf wurde bedingungslos geführt. Für Ndicka war nach 100 Minuten Schluss. Christopher Lenz rückte in die Abwehrreihe. Auf den Rängen gaben die Frankfurter Fans nochmal alles. Trieben ihre Mannschaft lautstark an, in der Hoffnung auf den Lucky Punch.

Nach den ersten 15 Minuten der Verlängerung ersetze Ajdin Hrustic Sow im Mittelfeld. Vieles deutete auf den dramatischsten aller Fälle, ein Elfmeterschießen, hin. Jakic hatte in der 114. Minute die beste Gelegenheit, das Spiel doch noch vorzeitig zu entscheiden. Sein guter Schuss aus zwanzig Meter rauschte haarscharf über den Querbalken. Auf der anderen Seite rettete Trapp zwei Minute vor Ende der Verlängerung bärenstark einen Abschluss von Kent. Das sollte es gewesen sein. Es ging tatsächlich ins Elfmeterschießen.

Die Eintracht-Spieler beim Elfmeterschießen. Foto: dpa/ Arne Dedert
Die Eintracht-Spieler beim Elfmeterschießen. (© dpa/ Arne Dedert)

Spiel muss im Elfmeterschießen entschieden werden

Die Frage aller Fragen war nun: Auf welche Kurve wird geschossen? Die Entscheidung fiel per Münzwurf – es ging auf die Kurve der Rangers.

Glasgow begann und Tavernier legte vor. Für die Eintracht schnappte sich Christopher Lenz die erste Kugel. Er blieb cool und glich aus. Davis brachte die Schotten wieder in Führung, Hrustic verwandelte ebenfalls sicher. Beim wuchtigen Schuss von Arfield hatte Trapp keine Chance. Kamada ließ seinerseits dem schottischen Keeper keine Chance. Dann kam die Stunde von Trapp, der gegen Ramsey hielt. Kostic brachte die SGE danach in Führung. Beim Schuss von Roofe war Trapp mit den Fingerspitzen dran, konnte den Treffer aber nicht verhindern. Borré konnte die Eintracht zum Titel schießen – und tat es! Der Kolumbianer blieb cool vom Punkt und bescherte der SGE damit den ersten internationalen Titel nach 42 Jahren.

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