David Wagner steht als Trainer von Huddersfield Town vor dem...

aus Mainz 05

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Mainzer und Darmstädter Vergangenheit: David Wagner, Trainer beim englischen Zweitligisten Huddersfield Town. Foto: dpa  Foto: dpa

David Wagner ist sich sicher, dass seine Mannschaft dem Druck im Wembley-Stadion gewachsen ist: Mit dem englischen Zweitligisten Huddersfield Town steht der Deutsche vor dem...

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HUDDERSFIELD. David Wagner ist sich sicher, dass seine Mannschaft dem Druck im Wembley-Stadion gewachsen ist: Mit dem englischen Zweitligisten Huddersfield Town steht der Deutsche vor dem größten Spiel seiner Trainerkarriere. Denn mit einem Sieg gegen Reading würden die „Terriers“ nach 45 Jahren in Englands höchste Spielklasse zurückkehren.

Herr Wagner, mit Huddersfield Town stehen Sie sensationell im Finale um den Aufstieg in die Premier League. Hat dieser Erfolg die ganz große Euphorie in der Stadt geweckt? Die Euphorie hat sich sukzessive gesteigert. Zu Saisonbeginn haben wir 15.000 Dauerkarten verkauft – mehr als doppelt so viele wie im Jahr davor. Dann kamen einige gute Spiele, die Stimmung ging immer weiter nach oben. Seit dem Halbfinaleinzug gegen Sheffield ist die ganze Stadt blau-weiß geschmückt. Alle fahren mit unseren Fahnen herum und der Fanshop ist leergekauft. Bisher gingen 38.000 Tickets für das Finale in Wembley weg – unglaublich.

Sie sind seit November 2015 in Huddersfield. Seitdem geht es steil bergauf, und das, obwohl die ganz großen Namen in Ihrem Team fehlen. Was macht den Erfolg Ihrer Mannschaft aus und was machen Sie anders als ihre Vorgänger? Ich bin der erste nicht-britische Trainer auf der Trainerbank von Huddersfield. Das zeigt, wie eingefahren die Strukturen in diesem Verein waren. Wir haben dann nach und nach das ein oder andere verändert. Der Club hat die Veränderungen aber herausragend angenommen. Und so konnten wir viele kleine Schritte in die richtige Richtung machen.

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Wurde Ihre Verpflichtung als „Deutscher“ von den Fans damals skeptisch beäugt? Ja klar. Insbesondere in England, wo Traditionsbewusstsein ganz groß geschrieben wird. Wir waren den meisten ja völlig unbekannt. Dementsprechend war eine gewisse Skepsis da. Auf der anderen Seite ging es dem Verein zu diesem Zeitpunkt sportlich so miserabel, dass man gesagt hat „komm, gib es dem Deutschen, der kann es auch nicht schlechter machen“ (lacht). Aber man war letztlich offen für Neues, und die bisherige Saison gibt uns viel von dem zurück, was wir investiert haben.

Wie würden Sie den Unterschied zwischen dem englischen und dem deutschen Fußball beschreiben – speziell in den zweiten Ligen? Wir machen am Montag unser 54. Pflichtspiel. Die Liga hat 24 Teams, dazu kommen zwei Pokalwettbewerbe. Das Spiel ist viel schneller, weil der Schiedsrichter weniger pfeift. Taktische Unterbrechungen gibt es hier nicht. Das ganze Spiel ist körperbetonter. Gerade in der Zweiten Liga findet man sehr viele verschiedene Spielstile, an die man sich anpassen muss.

Sie haben fünf deutsche Spieler im Kader. Ist es ein Trend, dass man auf der Insel inzwischen vermehrt auf deutsche Spieler setzt? Bisher eigentlich nicht. Die deutschen Spieler, die in die Championship gewechselt sind, haben sich schwer getan. Der deutsche Markt ist für die englische Championship aber trotzdem nicht unattraktiv. Mit meinen Jungs habe ich den Trend vielleicht auch ein bisschen umgedreht.

Wie haben Sie die Entwicklung ihres früheren Vereins Darmstadt 98 erlebt? Als ich Trainer in Dortmund war, hat meine Familie noch in Weinheim gelebt. Dementsprechend war ich häufig in der Region unterwegs. Rüdiger Fritsch, Anne Baumann oder Tom Eilers kenne ich privat recht gut. Ich habe mich wahnsinnig für die „Lilien“ gefreut.

Kommende Saison könnte es ein Wiedersehen mit ihrem Freund Jürgen Klopp in der Premier League geben. Ist das für Sie noch Zukunftsmusik? Für mich zählt nur das Spiel gegen Reading. Wembley ist nach dem Maracana in Rio vielleicht der größte Fußballtempel der Welt. Das Spiel wird nahezu ausverkauft werden. Wir kämpfen dort um den Aufstieg in die Premier League und haben fast elf Monate investiert, um dieses Match zu bekommen. Daher liegen alle meine Gedanken nur auf diesem Spiel.