So sehen Reiseinspirationen heute aus

Eine junge Frau in Staffelstein. Foto: Christine Neder @lilies_diary

Instagram und Pinterest bieten Anregungen für den nächsten Urlaub. Vor allem Pinterest ist eine gute Inspirationsquelle, weil die Fotos hier mit Webseiten verlinkt sind.

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. Ein grüner Bergsee, darauf ein Boot mit einer jungen Frau, die verträumt in die Ferne schaut. So sehen Reiseinspirationen heute aus. Während man früher beim Durchblättern der Kataloge von Reiseveranstaltern in Urlaubsstimmung kam, lassen sich heute vor allem junge Leute von Online-Foto-Diensten wie Instagram und Pinterest inspirieren. So auch Reisebloggerin Christine Neder, die den Blog „Lilies Diary“ betreibt. „Pinterest ist eine meiner wichtigsten Informationsquellen, um meine Reisen zu planen oder schöne Fotomotive zu finden. Ich suche beispielsweise nach einer Stadt, komme auf tolle Pins mit Tipps und lande auf einem Blog mit noch mehr Infos. Das ist grandios.“

Eine junge Frau in Staffelstein. Foto: Christine Neder @lilies_diary
Auf dem Duisitzkarsee genießt die Reisebloggerin die Natur. Foto: Christine Neder @lilies_diary
Reisebloggerin Christine Neder auf der griechischen Insel Ikaria. Foto: Christine Neder @lilies_diary
Blick über den See im österreichischen Schladming. Foto: Christine Neder @lilies_diary

Pinterest funktioniert wie eine digitale Pinnwand: Man sammelt Fotos im Web und kann diese nach Themen ordnen. Da die gesammelten Bilder über einen Link mit der jeweiligen Webseite verbunden sind, auf der sie veröffentlicht wurden, gelangt man über Pinterest zu den entsprechenden Webseiten und Blogs. Instagram ist ebenfalls ein kostenloser Online-Dienst, mit dem Nutzer aber überwiegend ihre eigenen Fotos veröffentlichen. Diese sind – anders als bei Pinterest – meistens nicht mit anderen Webseiten verknüpft. Auf beiden Plattformen findet man eine riesige Auswahl an inspirierenden Fotos zum Thema Reisen – und zwar nicht nur zu aufregenden Zielen.

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So sind auch viele Kleinstädte auf Instagram vertreten. Wie wäre es zum Beispiel mit Füssen? Die Stadt im Allgäu besticht mit ihrem Alpenpanorama und glasklaren Bergseen. Aber vor allem ist das Schloss Neuschwanstein ein beliebtes Fotomotiv bei Reisenden aus aller Welt. Rund 127 400 Beiträge kann die Kleinstadt auf Instagram verzeichnen. Sie ist damit die Nummer eins der beliebtesten deutschen Kleinstädte – das hat die Buchungsplattform Travelcircus anhand der veröffentlichten Fotos für das Jahr 2018 analysiert. Auf Platz zwei liegt Winterberg mit 117 500 Beiträgen. Die Stadt im Sauerland ist als Wintersportort bekannt, bietet aber auch Wandermöglichkeiten und mit dem Bikepark ein Paradies für Mountainbiker.

Auf der Foto-Plattform Pinterest sind Weinreisen einer der beliebtesten Trends dieses Jahres, so der Pinterest Travel Report 2018. Besonders beliebt in Deutschland ist die Deutsche Weinstraße in der Pfalz.

Influencer, also sogenannte Meinungsmacher, die eine enorme Reichweite auf sozialen Netzwerken erzielen, fotografieren allerdings oft immer die gleichen Szenen, um Reiseziele zu vermarkten: „Instagram ist show and shine (etwa: mehr Schein als Sein)“, sagt Bloggerin Christine Neder. „Wenn man sich so intensiv wie ich mit Instagram beschäftigt, merkt man sofort, welche Fotomotive gerade Trend sind: Mal ist es die runde Sonnenbrille auf der Nasenspitze mit der herausgestreckten Zunge, mal der kleine Welpe auf dem Arm irgendwo am Strand unter Palmen.“

Ganz beliebt ist auch der Hashtag #followmeto: Auf den Fotos, die mit diesem Hashtag gekennzeichnet sind, ist eine Frau zu sehen, die den Fotografen an der Hand weiterzieht. Erfunden hat die Szene der russische Fotograf Murad Osman, der von seiner Frau Nataly zur nächsten Sehenswürdigkeit gezogen wird. Das, was bei den beiden anfangs ein zufälliger Schnappschuss war, wird heute von tausenden Reisenden künstlich inszeniert: Junge Frauen ziehen den Fotografen an der Hand durch ein Tulpenfeld, über den Strand, zum schönsten Aussichtspunkt.

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Und auch, wenn die Szene schon oft kopiert wurde – so wird Altbekanntes zur frischen Kulisse und weckt vielleicht eine ganz neue Reise-Sehnsucht. Ein Beispiel ist die Burg Eltz in Rheinland-Pfalz: „Dorthin einen Ausflug zu machen, steht schon auf meiner Liste“ oder „muss da auch mal hin“ liest man in den Kommentaren unter den Bildern von der Burg.

„Prinzipiell ist nichts gegen einen Strohhut und den Blick in die Ferne zu sagen. Ich denke, es kommt viel mehr auf die Message an, welche die Person teilen möchte“, sagt Reisebloggerin Christine Neder. „Manche Influencer setzen sich neben dem Reisen auch für Themen wie Minimalismus, Zero Waste (deutsch: kein Abfall) und Nachhaltigkeit ein. Das ist toll.“

Auf vielen Fotos wird jedoch oft eine Idylle inszeniert, die gar nicht der Realität entspricht. Denn wer steht schon allein vor dem schiefen Turm von Pisa oder eben vor der Burg Eltz? An beliebten Touristenzielen drängen sich meist Hunderte Besucher, die ebenfalls den perfekten Blick posten wollen. So wie im Schweizer Verzasca-Tal. Ein italienischer Blogger hat dort eine ganz neue Art von Massentourismus ausgelöst, nachdem er das Tal auf seinem Blog vorgestellt hatte.

Zum Glück ist das aber noch nicht überall so. „Bei uns gibt es nicht den einen Platz, der auf allen Bildern oder Selfies abgebildet sein muss. Wir haben also kein Verzasca-Tal“, sagt Uta Holz, Geschäftsführerin der Tourismus- und Weinwerbeorganisation Südliche Weinstraße. Dafür gibt es aber die Burg Trifels im südlichen Pfälzerwald und auch die ist sehr beliebt. „Von der werden sicherlich die meisten Bilder auf Bildplattformen gepostet – aber aus so vielen unterschiedlichen Perspektiven, dass sich die Leute nicht auf einen Foto-Punkt konzentrieren“, so Uta Holz. Dass es an der Südlichen Weinstraße zu einer Art Massentourismus kommt, sei nur an sonnigen Tagen im Herbst zu befürchten – vor allem an den Wochenenden, auf Wanderhütten, die an stark frequentierten Wanderwegen liegen, in Restaurants, für die man auf jeden Fall vorher reserviert haben sollte und auf Festen. „Das ist dann aber ein Phänomen, das nicht auf Instagram oder Pinterest zurückzuführen ist, sondern es liegt an der tollen Landschaft, der sehr guten touristischen Infrastruktur an der Südlichen Weinstraße und daran, dass die Pfalz in ist“, sagt Uta Holz.