Nachhaltiger Urlaub

Foto: Adobe.stock - Nataly-Nete

Flug- und Schiffsreisen sind schädlich fürs Klima. Es gibt aber Möglichkeiten, verantwortungsbewusst und umweltschonend zu reisen. So können CO2-Emissionen kompensiert werden.

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. Eine der Herausforderungen der Zukunft ist es, nachfolgenden Generationen eine gute Lebensqualität zu ermöglichen. Energie sparen, Müll vermeiden, Bus fahren, regionale Lebensmittel verwenden: Durch einen nachhaltigen Lebensstil kann jeder einzelne dazu beitragen, dass auch für die Enkel und Urenkel das Leben auf der Erde noch lebenswert ist. Aber gerade, beim Thema Urlaub ist Nachhaltigkeit nicht so einfach umzusetzen.

Eine Flugreise ist eine der klimaschädlichsten Arten der Fortbewegung – da nützt es auch nichts, wenn man nur einmal im Jahr in den Urlaub fliegt. Laut Umweltbundesamt produziert ein Flug von Berlin nach Gran Canaria und zurück pro Passagier anderthalb Tonnen Kohlendioxid – etwa so viel, wie ein Mensch in Indien im ganzen Jahr verursacht. Bei einem Flug von Deutschland auf die Malediven und zurück werden pro Person sogar mehr als fünf Tonnen Kohlendioxid freigesetzt – genauso viel wie von einem Mittelklassewagen, der eine Strecke von 30 000 Kilometern fährt. Und nicht nur das: Bei der Verbrennung von Kerosin entstehen auch Stickoxide, Rußpartikel und Wasserdampf, die zur Erwärmung der Erdatmosphäre beitragen. Sie verändern die natürliche Wolkenbildung, und die hohen Schleierwolken, die vom Flugverkehr erzeugt werden, heizen ebenfalls das Klima auf.

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Wer nachhaltig reisen möchte, kann die Treibhausgase, die bei der Urlaubsreise entstanden sind, kompensieren, indem ein Aufpreis für den Klimaschutz gezahlt wird – an Organisationen wie zum Beispiel Atmosfair oder Arktik. Mit dem Geld finanzieren diese Unternehmen Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern. Da werden dann zum Beispiel Haushalte in Äthiopien und Lesotho mit Solarlampen ausgestattet oder ländliche Regionen in Peru mit effizienten Kochöfen. Damit verschwinden zwar nicht die schädlichen Schleierwolken über Europa und auch nicht das Kohlendioxid sowie das Treibhausgas Ozon, aber es hilft, CO2-Emissionen an anderen Stellen auf der Welt einzusparen.

Auf den Webseiten der Klimaschutz-Unternehmen Atmosfair und Arktik kann man mithilfe eines Emissionsrechners ganz schnell die Menge an Kohlendioxid berechnen lassen, die bei einer geplanten Reise entsteht. Demnach wäre für den anfangs genannten Hin- und Rückflug von Berlin nach Gran Canaria in der Sitzklasse Economy ein Kompensationsbetrag zwischen 27 und 29 Euro pro Person fällig. Eine zehntägige Mittelmeerkreuzfahrt könnte man mit einer Zahlung von 62 Euro ausgleichen – für einen CO2-Ausstoß von 2,6 Tonnen.

Gar nicht zu fliegen wäre allerdings die noch bessere Alternative. „Wer verantwortungsbewusst reisen möchte, sollte den Urlaub vor der eigenen Haustür entdecken: Also auch mal mit dem Fahrrad von zu Hause aus für ein paar Tage losradeln“, rät Frank Herrmann, Autor des Sachbuchs „FAIReisen“. Außerdem empfiehlt der Experte für verantwortungsvollen Tourismus auf Luxushotels und Kreuzfahrten zu verzichten. „Stattdessen vor Ort kleine, inhabergeführte Mittelklassehotels auswählen und auch mal zelten gehen.“ Und wer ungeachtet der miesen Umweltbilanz trotzdem unbedingt eine Schiffsreise unternehmen möchte, sollte segeln gehen, so Herrmann.

Denn neben Flugreisen gehören Kreuzfahrten mit zu den größten Umweltsünden. Fast alle Schiffe nutzen giftiges Schweröl als Treibstoff. Allein die kürzlich in Dienst gestellte Aida Nova wird mit Flüssigerdgas betrieben. Doch auch dieses Schiff ist für Frank Herrmann keine Alternative: „Es erzeugt Klimagase, produziert Müll, beutet Arbeitskräfte aus und steht für einen Lebensstil, der weit davon entfernt ist, nachhaltig zu sein.“ Und nicht nur das Schweröl ist ein Problem der Kreuzfahrtriesen. Auch der Feinstaub, den die Schiffe produzieren, belastet laut Umweltschutzorganisation NABU die Hafenstädte, in denen die Schiffe anlegen, sowie die Passagiere und das Personal.

Und dennoch: Obwohl sich Kreuzfahrten so nachteilig auf die Umwelt auswirken, steigen seit Jahren die Passagierzahlen. Seit 2011 hat sich die Zahl der Kreuzfahrer um mehr als 20 Prozent erhöht, 2018 unternahmen mehr als 27 Millionen Menschen eine Kreuzfahrt, so der Branchenverband Clia. Für Frank Herrmann sind diese Kreuzfahrt-Touristen nicht ehrlich: „Man verdrängt, dass das eigene Verhalten auf Kosten der Umwelt und anderer Menschen geht. Sonst würde man es lassen.“

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Immerhin 31 Prozent der Bevölkerung würden gerne nachhaltig verreisen – so das Ergebnis der Studie „Nachfrage für nachhaltigen Tourismus“, die im Auftrag des Bundesumweltministeriums im Rahmen der Reiseanalyse 2014 erstellt wurde. Tatsächlich besteht zwischen diesem Wunsch und der Umsetzung aber eine gewisse Widersprüchlichkeit. Denn 55 Prozent derjenigen, die gerne nachhaltig verreisen würden, lassen sich von den zusätzlichen Kosten abhalten. 43 Prozent mangelt es an Informationen. Auch das begrenzte Angebot sei ein Grund für die mangelnde Umsetzung des Wunsches.

Nikolaj Koch vom Klimaschutz-Unternehmen Arktik schätzt, dass es weniger als zehn Prozent der Reisenden sind, die ihre Emissionen kompensieren. „Natürlich wäre es am besten, gar nicht zu fliegen, aber davon sind wir weit entfernt. Daher ist die CO2-Kompensation eine gute Möglichkeit, etwas für den Klimaschutz zu tun.“ Inzwischen bieten das auch etliche Reiseveranstalter ihren Kunden an, wobei es viele den Kunden überlassen, sich für oder gegen den Klimaschutz zu entscheiden. Es gibt aber auch Veranstalter wie Ventura Travel, die noch einen Schritt weiter gehen. So kompensiert Ventura Travel die kompletten CO2-Emissionen all seiner durchgeführten Gruppenreisen und unterstützt mit dem Geld Klimaschutzprojekte in Kooperation mit Arktik. Und auch sonst spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle bei dem Veranstalter. So werden bei den Gruppenreisen Inlandsflüge weitestgehend vermieden und die Reisenden übernachten in familiären Mittelklassehotels.

Einen Überblick über alle Veranstalter, die sich dem nachhaltigen Tourismus verpflichtet haben, finden Interessierte beim „Forum Anders Reisen“. Die rund 130 Mitglieder des Verbandes streben eine Tourismusform an, die langfristig ökologisch tragbar und sozial gerecht sein soll.