Mit Udo Lindenberg auf hoher See

Ohne Eierlikör geht auf dem Rockliner gar nichts. Foto: Eva Wodarz-Eichner

Konzerte, Parties, gute Stimmung und jede Menge Eierlikör – wer seinem Idol schon immer ganz nah sein wollte, ist auf dem Rockliner genau richtig.

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. Die Party beginnt schon im Zug: Bestens gelaunte Reisende bugsieren ihre Trolleys mit den verräterischen türkisfarbenen Kofferanhängern der Mein-Schiff-Flotte durch die Gänge. Sie entdecken alte Bekannte in schwarzen T-Shirts mit dem Aufdruck „Rockliner“ und fallen sich in die Arme. Männer mit Sonnenbrille und Schlapphut tigern durch den Zug und werden begeistert begrüßt („das war jetzt aber nicht der Udo, oder?“), und schon wird zum ersten Mal auf eine gute Reise angestoßen: Der Rockliner wartet im Hafen von Kiel, bereit zum 5-Tage-Trip nach Dänemark und Schweden, genauer: in die Städte Aarhus, Kopenhagen und Göteborg. Doch die Häfen sind auf dieser Eventcruise zweitrangig: „We rock the Ocean und gucken hinterm Horizont, was abgeht“, sagt Udo Lindenberg, der Star des Rockliners, um den sich in den fünf Tagen auf der „Mein Schiff 3“ einfach alles dreht.

Ohne Eierlikör geht auf dem Rockliner gar nichts. Foto: Eva Wodarz-Eichner
Udo, Schiff und Ozean – ein Dreamteam auf der Rockliner-Eventreise der Mein-Schiff-Flotte. Foto: Tine Acke

Absolutes Highlight ist ein Konzert von Udo Lindenberg und seinem Panikorchester, das im Reisepreis enthalten ist. Um allen Passagieren einen Sitzplatz im Schiffstheater zu garantieren, steigt an drei Abenden hintereinander das gleiche Konzert – das Los entscheidet, welche Kabine wann dran ist. Es gibt Vorträge über fünf Jahrzehnte Rock’n’Roll-Geschichte und Filme zum „Udoversum“. In der Galerie warten Kunstwerke des Malers Udo Lindenberg auf ihre Fans – und ihre Käufer, die für ein Acryl-Original schon mal 5 500 Euro bezahlen. Ein ganzes Panikuniversum ist auf der „Mein Schiff 3“ eingerichtet, auch wenn manchmal doch der normale Bordalltag mit ayurvedischer Fußmassage, Malkurs, Landausflugs-Präsentation und einer Runde Shuffleboard durchscheint. Der ultimative Kick für alle Fans ist natürlich die Möglichkeit, dem Star mal einfach so auf dem Schiff zu begegnen: Gestandene Mittfünfzigerinnen werden wieder zu Teenies, die schnappatmend „Udo“ hauchen, wenn ihr Idol unversehens um die Ecke biegt. Oder wenn er mit seinen Panikrockern die Bühne entert: Wie bei der Sail-Away-Party auf dem Pooldeck, als Udo beim kollektiven Vorglühen das Schiff schon mal für eine halbe Stunde rockt.

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Während die deutsche Ostseeküste allmählich am Horizont verschwindet, öffnen die Shops an Bord, in denen auf der Eventreise zahlreiche Fanartikel angeboten werden: T-Shirts mit Zeilen aus Udos Songtexten, giftgrüne Socken, Geldbörsen und Jacken mit Udo-Emblem finden in Windeseile ihre Käufer. Ein kleines Mädchen behält das neue Shirt mit dem Schriftzug „Lindenzwerg“ gleich an und stolziert überglücklich davon.

Es sind tatsächlich mehrere Generationen, die auf dem Rockliner unterwegs sind – „eine große Panikfamilie“, nennt Udo Lindenberg sein Publikum. Irma aus Offenbach ist 78 und mit ihrem Sohn da, sie hat die Reise gewonnen und kann ihr Glück kaum fassen. Rund 3000 Passagiere sind beim mittlerweile fünften Rockliner an Bord, darunter viele, die schon früher dabei waren. Kreuzfahrt-Fan Udo Lindenberg selbst hatte 2010 die Idee zur Rock-Reise, mittlerweile bietet Tui Cruises auch eine Full-Metal-Cruise und mit „Schallwellen“ eine Pop-Kreuzfahrt an. „Ich mach mein Ding“, heißt ein Lindenberg-Song, und wenn Udo sein Ding macht, dann richtig – der Rockliner ist ein voller Erfolg. Weil die Synthese von Schiff, Meer, Party und Musik gut funktioniert: „Der Rockliner ist eine neue Form der Seefahrt, ein richtig geiler Familienausflug“, schnarrt Udo dann auch beim Konzert ins Mikrofon, begeistert bestätigt aus vielen hundert Kehlen. Schon Stunden vor dem Konzert haben die ersten Fans vor dem Theater an Bord Stellung bezogen, um sich einen der begehrten Plätze an der Bühne zu sichern. Längst haben große Ereignisse ihre Schatten unter die Augen geworfen, aber egal: Petra aus Delmenhorst hat sich mit hohen Stiefeln über der Jeans, neon-grünen Hosenträgern, dem passenden Halstuch zum Fan-Shirt und grüner Armbanduhr herausgeputzt, ihr absolutes Lieblingslied ist Udos Versprechen „Ich trag dich durch die schweren Zeiten“, das natürlich auch beim Konzert gespielt wird; Mandy aus Leipzig präsentiert stolz ihr T-Shirt, das die Aufschrift „Udos Sachsenmädel“ ziert. Und als Udo dann endlich auf der Bühne steht, bebt der Saal. Die Show ist perfekt mit Panikorchester, mit Videos und Animationen; mit alten und neuen Hits, die das Publikum mitgrölt. Udo wechselt die Sakkos und die Backgroundsängerinnen im Wahnsinnstempo, ölt seine Stimme an der Bühnen-Bar mit Eierlikör und begrüßt zwischendurch noch Co-Star Moses Pelham, der kurz zum Mikro greift und ein, zwei Songs zum Besten gibt, bevor die Bühne wieder Udo gehört.

„Nimm dir das Leben und lass es nie mehr los – denn alles, was du hast, ist dieses eine bloß“, singt er wenig später, und das geht richtig ans Herz. Tatsächlich, der eierlikörselige Panikrocker mit der schnarrenden Stimme vermittelt Wärme und Menschlichkeit und verspricht zum Schluss: „Ich schwöre, wenn es drauf ankommt, bin ich da“. Zieht daraufhin den Raumanzug an und entschwindet mit seiner Rakete ins All. Aber keine Panik – Udo hat auch von dort ein Auge auf seine Fans, die klatschen, trampeln, johlen vor Begeisterung. Und sich dann zur After-Show-Party in eine der vielen Bars aufmachen, wo bis in die Nacht weiter gefeiert wird. Am besten mit Udos Lieblingsdrink Eierlikör: Während die klebrige Spirituose auf normalen Reisen eher ein Schattendasein auf der Barkarte führt, ist sie beim Rockliner alles andere als ein Geheimtipp, und mit 1 500 Litern gibt es auf der „Mein Schiff 3“ einen stattlichen Vorrat. Dennoch: „Bunte Cocktails gehen immer am besten“, verrät Barkeeperin Nicole Adam – wie der eigens kreierte giftgrüne „Rockliner“-Cocktail aus Gin, Passionsfruchtsaft, Blue Curacao, Ananassaft und ebenfalls einem Schuss Eierlikör.

Damit lässt es sich perfekt singen: Zum Beispiel den Udo-Hit „Odyssee“, die Schiffshymne während der Rockliner-Reise, die bei jedem Ablegen durch die Bordlautsprecher dröhnt. „Keiner weiß, wohin die Reise geht“, heißt es da, und glücklicherweise stimmt das nicht ganz: Kapitän Sebastian Naneder, 36 Jahre alt, groß und blond, ist nicht nur Lindenberg-Fan und war natürlich auch in einem Bord-Konzert, sondern fährt auch seit 16 Jahren zur See. Mit seinem Team hat er alles rund um die Nautik fest im Griff und steuert die Häfen von Aarhus, Kopenhagen, Göteborg und zuletzt wieder Kiel sicher an. Und er weiß sogar, wie es weitergeht: Im Mai 2019 darf die neue „Mein Schiff 1“ zum Rockliner werden: „Ne neue Show ist in der Mache“, meint Udo Lindenberg verheißungsvoll dazu. Und auch beim Rockliner 6 wird sich wieder alles um Rock’n’Roll, das Panikuniversum, die Seefahrt und den Eierlikör drehen.