Escape Room, Cocktails und Designhotel – so machen...

Der Pool ist das Zentrum des jungen Hotels „Cooks Club“. Foto: Liudmila Kilian

Pool, Muckibude, Streetfood: chillen und alles bei Instagram posten – eine neue Generation der Pauschalreise soll das möglich machen. Da bleiben keine Wünsche offen. Oder doch?

Anzeige

. Lange Schlangen bilden sich pünktlich um 18 Uhr am Hotelbuffet, es gibt Schnitzel und Pommes, gerne auch in Spanien, Wein aus Plastikbechern am Hotelpool und der Alleinunterhalter schmettert abends Evergreens auf der Hotelbühne. Alles nach dem Zeitplan des Hotels, alles vorgegeben, angefangen beim Abflug. Das sind die Horrorvorstellungen eines Pauschalurlaubs, also einer „Reise, bei der ein Reiseveranstalter mehrere Reiseleistungen – wie zum Beispiel Flug, Hotelaufenthalt und Transfers – bündelt und zu einem Gesamtpreis anbietet“, wie der Deutsche Reiseverband sie definiert.

Der Pool ist das Zentrum des jungen Hotels „Cooks Club“. Foto: Liudmila Kilian
In der Hotelanlage „Cooks Club“ gibt es viele fotogene Bereiche zum „Rumhängen“. Foto: Liudmila Kilian
Das Tor zur Hotelanlage ist ein ehemaliger Schiffscontainer. Foto: Liudmila Kilian

Zugegeben, eine Pauschalreise läuft längst nicht immer so ab. Doch das eingestaubte Image haftet diesem Urlaubsmodell hartnäckig an. Insbesondere bei jüngeren Urlaubern. Die Millennials, also Menschen der Geburtsjahre 1980 bis 2000, reisen anders. Individualität und Flexibilität haben höchste Priorität, denn wie im alltäglichen Leben, so auch beim Reisen ist diese Generation dafür bekannt, sich nicht festlegen zu wollen.

Man will Abenteuer erleben, neue Leute kennenlernen, mit Einheimischen in Kontakt kommen. Das ist im durchgetakteten All-inclusive-Urlaub oft nicht drin. Auch das Essen spielt eine große Rolle, denn die jungen Urlauber wollen die Region auch schmecken und ein Foto ihrer Mahlzeit in den sozialen Netzwerken posten.

Anzeige

Diese Generation hat Onlineportale wie Airbnb und Couchsurfing groß gemacht. Man wohnt an seinem Urlaubsort für kurze Zeit in der Wohnung eines Fremden, umgeben von Einheimischen. So muss niemand lange Schlangen am Buffet in Kauf nehmen und sich auch nicht an die Zeiten eines Hotelrestaurants halten. Das eröffnet viele Möglichkeiten. Denn hippe Restaurants warten nur darauf, erkundet zu werden, und am nächsten Tag kann genüsslich ausgeschlafen werden, schließlich hat man am Vorabend auch die angesagten Bars der Stadt nicht links liegen gelassen. Der flexible Urlaub ist außerdem um einiges mehr „instagramfähig“ – das heißt, man entdeckt fotogene Orte, die sich auf dem eigenen Instagram-Account hübsch posten lassen und beweisen – „Ich war dabei und hatte eine verdammt gute Zeit – da müsst ihr auch mal hin.“

Genau an diesem Punkt will Thomas Cook nun die Millennials abholen und ihnen eine moderne Art der Pauschalreise schmackhaft machen. „Cooks Club“ nennt sich das Konzept und ist derzeit zum Beispiel auf der griechischen Insel Kreta in der Stadt Hersonissos zu finden. Versteckt zwischen flimmernden Souvenir-Shops der Hauptstraße liegt das modern designte Stadthotel für Gäste ab 16 Jahren. Das Handy will man schon beim Betreten der Anlage zücken: Auf das Hotelgelände geht es durch das stählerne Tor eines alten Schiffscontainers – der erste Instagram-Test wäre bestanden.

Geht man hindurch, so vergisst man gleich die Welt draußen. Der Blick fällt auf den Pool in der Mitte der Anlage. Die Szenerie wird mit Loungemusik untermalt, um den Pool herum stehen Sonnenliegen und es gibt reichlich modern designte Sitzmöglichkeiten unter freiem Himmel. Von der Stadt ist nichts mehr zu hören, man ist in einer anderen Welt – und genau das will der Veranstalter auch. Hier soll der Urlauber seine freien Tage verbringen, in den minimalistisch aber stylisch eingerichteten Zimmern Erholung finden, sich im Hotelrestaurant stärken und am Pool Sonne tanken.

Um beim Essen Abwechslung zu gewährleisten, haben die Macher auf das Streetfood-Konzept gesetzt. In die Kantine eingegliedert sind sieben Kochstationen, die in verschiedene Themenbereiche unterteilt sind. Es werden unter anderem Pizza, Burger und Salate zubereitet. Baristas kreieren kunstvolle Kaffeespezialitäten. Die Speisen werden auf Bestellung gekocht, Selbstbedienung ist Teil des Konzepts.

Große Warteschlangen gibt es nicht, denn die „Streetfood-Counter“ haben durchgehend geöffnet. Anschließend geht es an die Bar. „Wir arbeiten ausschließlich mit hochwertigen Spirituosen“, sagt Hotelmanager George Kosmetsas. Und das hat seinen Preis. „In der Stadt bekommen die Touristen günstigere Cocktails, jedoch in viel schlechterer Qualität“, außerdem gewährleisten die Preise ein Stück weit die Garantie, dass die Gäste nicht stark alkoholisiert am Pool hängen, erklärt Kosmetsas die Idee, während die Musik im Hintergrund gegen Abend immer lauter wird.

Anzeige

Das Hotel ist bargeldlos, bezahlt wird ganz modern mit einem programmierten Armband, das der Gast beim Check-in bekommt. Beim Halbpension-Modell sind jeden Tag 16 Euro gespeichert, die nach und nach an den Ständen für Speisen und Getränke abgebucht werden. Der Bezahlvorgang ist unkompliziert, doch man verliert schnell den Überblick.

Wer mehr Action haben will, bucht eine der Aktivitäten in der „Fun Factory“ auf dem Hotelgelände: Es gibt Virtual-Reality-Spiele, einen Escape-Room, in dem die Besucher unterschiedliche Aufgaben lösen müssen, um sich zu befreien oder auch einen Rage-Room. Im Letzteren können die gestressten Urlauber Dampf ablassen und zum Beispiel mit einem Baseball-Schläger Laptops, Vasen und andere Dinge kaputthauen. Wer dann noch Zeit hat, besucht den hoteleigenen Fitnessklub, um am nächsten Tag die frisch aufgepumpten Muckis am Pool zur Schau zu stellen. Das Konzept findet durchaus seine Zielgruppe.

Jedoch jene, die nach wahren Abenteuern, fremden Kulturen, Vielfalt und wirklicher Flexibilität auf der Suche sind, kommen hier schnell an ihre Spaßgrenzen. Schließlich gibt es auch beim Reisen unterschiedliche Typen.

So bleibt die Pauschalreise eine gute Option, für alle, die auf Nummer sicher gehen wollen, denn sie „unterliegt dem Pauschalreiserecht und der Kunde genießt zahlreiche Vorteile wie zum Beispiel eine Absicherung für den Fall einer Insolvenz des Reiseanbieters“, sagt Kerstin Heinen, Pressesprecherin des Deutschen Reiseverbandes. Zudem stehen Reiseveranstalter und Reisebüro den Kunden vor und während der Reise bei Fragen jederzeit zur Verfügung.

Doch es gibt eben auch jene Reisetypen, denen Spontanität vor Sicherheit geht. Diese, ob nun Millennial oder nicht, werden sich wohl auch weiterhin ihre Reise individuell mit Airbnb und Co. zusammenstellen.

Von Liudmila Kilian