Queensland lockt mit Kultur und Regenwald im Hinterland

Markante, moderne Architektur: Die Skyline von Brisbane. Foto: Michael Erfurth  Foto: Michael Erfurth

Kilometerlange, weiße Sandstrände. Die Metropole Brisbane mit ihren glitzernden Hochhausfassaden. Im Hinterland uralte, zum Weltnaturerbe gehörende Regenwälder mit einer...

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. Kilometerlange, weiße Sandstrände. Die Metropole Brisbane mit ihren glitzernden Hochhausfassaden. Im Hinterland uralte, zum Weltnaturerbe gehörende Regenwälder mit einer beeindruckenden Flora und Fauna. Der Süden des australischen Bundesstaates Queensland besticht durch seine Vielfalt.

Der Brisbane-River schlängelt sich durch die drittgrößte Stadt Australiens. CityCats heißen die Schnellboote, die für die Einheimischen, ähnlich einem Stadtbus, mit ihren 16 Anlegestellen als öffentliche Verkehrsmittel dienen und für Touristen herrliche Blicke vom Wasser aus auf die boomende Stadt ermöglichen. Hochhäuser mit markanter, moderner Architektur sind auf der einen Uferseite zu sehen – dazwischen etwas verloren die verhältnismäßig kleinen viktorianischen Gebäude, die von der Aufbruchstimmung der Stadtentwicklung vor über 100 Jahren zeugen. Am anderen Ufer die South Bank: eine ehemalige Industriebrache, die für die Weltausstellung Expo 1988 in ein grünes Areal für Freizeit und Kultur verwandelt wurde.

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Die Kultur, sie spielt eine große Rolle in der jungen, pulsierenden Hauptstadt von Queensland mit ihren über 2,2 Millionen Einwohnern. Das berichtet stolz lächelnd Christopher, einer von über 200 Freiwilligen aus Brisbane, die als „Greeters“ Besuchern ihre Stadt zeigen. Er erzählt mit viel Herzblut von der Geschichte und der entspannten Atmosphäre. Mit der Expo und in den Jahren danach hat Brisbane große Schritte getan hat, um zu Sydney und Melbourne, den bekanntesten Städten Australiens, aufzuschließen. Es gibt sogar Stimmen die behaupten, Brisbane hätte den beiden Metropolen in puncto Lebensqualität den Rang abgelaufen.

Beim Spaziergang durch die Stadt zeigt Christopher Beispiele der mannigfaltigen Street Art. Aus Schrott geformte Känguru-Plastiken kauern auf einer Parkbank. Mannshohe, weiße Figuren erinnern an die ersten Siedler am Brisbane-Fluss und abstrakte Skulpturen spiegeln sich in den Glaspalästen der Versicherungen und Banken. Das 1923 eröffnete Einkaufszentrum „Brisbane Arcade“ versetzt den Besucher mit seiner Jugendstil-Architektur und seinen feinen Läden zurück in die 20er-Jahre. Und wenn vom Glockenturm des 1930 errichteten Rathauses die Melodie des Londoner Big Ben ertönt, wird die historische Verbindung zum britischen Empire deutlich.

Kulturelles Zentrum ist die South Bank mit ihrem Museumsufer. Wie eine Perlenkette reihen sich hier interessante Ausstellungsstätten aneinander, darunter die 2006 eröffnete Gallery of Modern Art, das größte Kunstmuseum des Kontinents. Neben zeitgenössischen australischen und internationalen Werken ist hier moderne Aborigine-Kunst zu sehen. An die Expo erinnern die buddhistische, nepalesische Pagode und das Riesenrad. Ein künstlicher Badesee mit Sandstrand, frei zugänglich für jedermann, dient als Oase in der quirligen Großstadt und macht darauf aufmerksam, dass in der Hauptstadt des „Sunshine-States“ Queensland die Sonne angeblich an mehr als 300 Tagen im Jahr scheint.

Von den vielen Sonnenstunden profitieren auch die Urlaubsregionen Sunshine Coast und Gold Coast, die nördlich und südlich von Brisbane liegen und mit ihren kilometerlangen Sandstränden beliebte Ferienziele der Australier sind. Noch weiter nördlich schließt sich Fraser Island an, die größte Sandinsel der Welt mit bis zu 240 Meter hohen Dünen.

In eine ganz andere Welt taucht der Besucher ein, der sich ins Hinterland – diesen deutschen Begriff haben die Australier als offizielle Bezeichnung übernommen – begibt. Etwa zwei Autostunden östlich von Brisbane liegen Nationalparks wie Tamborine Mountain oder der Lamington Park in Australiens größtem Gebirgszug Great Dividing Range.

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Im Jahr 1911 ließ sich die irische Familie O’Reilly auf etwa 1 000 Metern Höhe in einem Wald nieder, der 1915 zum Lamington Nationalpark wurde. Die Farmer-Familie entdeckte bald den Reiz des Regenwaldes mit seiner vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt und seinen 500 Wasserfällen für Touristen. Sie baute ihre Farm als Gästehaus aus und betreibt seit über 90 Jahren – nunmehr in der dritten Generation unter der Leitung von Shane O’Reilly – eine rustikale Appartementanlage in den Bergen des Weltnaturerbes.

In die Schlagzeilen australischer Zeitungen schafften es die O’Reillys, als im Jahr 1937 ein Flugzeug, das auf dem Weg von Brisbane nach Sydney war, im Regenwald abstürzte. Bernard O’Reilly rettete damals in einer spektakulären Aktion zwei der Flugzeuginsassen. 1987 wurde das Abenteuer sogar in einem Spielfilm gewürdigt. Der Nachbau der Propellermaschine „Stinson“ aus diesem Film steht nun als Erinnerung vor dem Hauptgebäude des Gästehauses.

160 Kilometer Wanderwege laden zum Erkunden des Regenwaldes rund um die Anlage ein. Ein Glanzlicht im wahrsten Sinne des Wortes ist die abendliche Glow Worm-Tour. Nach einer rund einstündigen, geführten Wanderung durch den dunklen Regenwald erreichen die Besucher – ausgerüstet mit Taschenlampen – eine Stelle an einem Bach, an der Insektenlarven über 5 000 kleine Punkte erleuchten lassen. Ein beeindruckendes Erlebnis.

Spektakulär ist auch die kurze Wanderung über die Hängebrücken des Tree-Top-Walks. Über den Baumkronen des subtropischen Regenwaldes eröffnet sich ein fantastischer Blick über den Nationalpark. In den Bäumen sitzen bunte Papageien, Whipbirds und andere farbenfrohe Vogelarten, die mit ihrem lauten Gezwitscher den Spaziergänger begleiten. Auch eine giftige Schlange kann dem Besucher im Regenwald durchaus begegnen. Wer Details über die Fauna der Regenwälder erfahren will, für den bietet O’Reilly Tiervorführungen mit fachkundigen Erklärungen an. Da darf eine Possum-Familie, niedliche kleine Beutelsäuger, mit Honig gefüttert werden. Adler, die nur wenige Zentimeter über den Köpfen der Besucher ihre Runden drehen, sind zu bestaunen.

Und wer das O’Reilly-Erlebnis abrunden möchte, sollte noch den Wein aus dem eigenen Weingut der Familie kosten.

Von Michael Erfurth