Probieren und schlemmen beim Foodfestival in Aarhus

In Dänemark eher unbekannt: Hobbyköche schichten gehobelten Weißkohl in Gläser, um daraus Sauerkraut herzustellen.Foto: Ute Strunk  Foto: Ute Strunk

Nein, die weiße Lady ist keine vornehme Dame. Und sie ist auch kein Cocktail oder gar ein Schiff. „The White Lady“ ist ein sehr cremiger Weichkäse, der angenehm auf der...

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. Nein, die weiße Lady ist keine vornehme Dame. Und sie ist auch kein Cocktail oder gar ein Schiff. „The White Lady“ ist ein sehr cremiger Weichkäse, der angenehm auf der Zunge schmilzt. Mit einem Fettgehalt von 80 Prozent soll er der fetteste Käse der Welt sein – hergestellt von Arla-Unika, einer Tochterfirma der dänischen Molkerei Arla. Die Käsemeister entwickeln mit viel Leidenschaft besondere Käsesorten für die gehobene Gastronomie. Wie eben die „weiße Lady“ oder aber den geräucherten Frischkäse, der tatsächlich ganz leicht nach Rauch schmeckt. Im Supermarkt wird man diesen Käse noch nicht finden. Probieren kann man ihn aber auf dem Food-Festival in Aarhus. Dort ist die Molkerei mit einem Stand vertreten.

In Dänemark eher unbekannt: Hobbyköche schichten gehobelten Weißkohl in Gläser, um daraus Sauerkraut herzustellen.Foto: Ute Strunk  Foto: Ute Strunk
Schlange stehen: Auch wenn man vor den Kassenhäusern anstehen muss, verläuft sich die Menge auf dem großen Festival-Gelände.Foto: Ute Strunk  Foto: Ute Strunk

Seit 2012 lockt das größte nordeuropäische Food-Festival einmal im Jahr Hobbyköche, Feinschmecker und alle, die sich für das Thema Essen interessieren, in die zweitgrößte Stadt Dänemarks. Drei Tage lang kann man sich nach Herzenslust durch die Produkte probieren, die rund 250 Aussteller auf einem riesigen Festivalgelände präsentieren. „Angeboten werden ausschließlich regionale Erzeugnisse und solche, die einen nordischen Bezug haben“, erklärt Zenia Strunck Mikkelsen, von der „Food Organisation of Denmark“, die das Festival initiiert hat. Die Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Entwicklung einer neuen nordischen Gastronomie und Esskultur zu fördern. Eines der angestrebten Ziele ist es, in diesem Jahr die European Region of Gastronomy zu werden – passend zum Kulturhauptstadtjahr 2017.

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Das Besondere am Aarhus-Food-Festival ist, dass man hier nicht nur schlemmen kann. Es gibt an etlichen Ständen auch Kochschulen und Mitmachstationen, an denen die Besucher mit Begeisterung selbst tätig werden. Hier zeigt zum Beispiel die selbst ernannte „Einmachkönigin“ Helena aus Kopenhagen wie man traditionelle Mixed-Pickles mit typisch nordischen Zutaten wie Sanddorn und Blaubeeren dänisch interpretiert ansetzt. Und während eine Mutter mit ihrem Sohn in einer Schüssel die orangefarbenen und blauen Beeren mit einer Gabel zerkleinert, dann mit Zimt und anderen Gewürzen abschmeckt, lässt Helena die übrigen Besucher von ihrem Holunderessig probieren.

Selbermachen ist ein Trend, der auch in Dänemark funktioniert – vor allem in der Küche. Man besinnt sich auf alte Traditionen, wie zum Beispiel das Einmachen. So hobelt in einem anderen Zelt eine Gruppe eifriger Hobbyköche Weißkohl, um ihn – unter Anleitung – in Gläser zu schichten und daraus Sauerkraut herzustellen – ein Gemüse, das in Dänemark bisher eher unbekannt ist. Am Stand der „Urban Gardeners“ werden die Besucher hingegen inspiriert, aus Pflanzen und Kräutern trendige Kokedamas zu basteln. Für die japanischen Hängepflanzen werden die Wurzelballen mit Moos und Kordeln zu Kugeln geformt. „Wir wollen an unserem Stand das Bewusstsein für Grün stärken – vor allem bei Menschen, die in der Stadt leben“, erzählt eine der vielen ehrenamtlichen Helferinnen, die auf dem Festival arbeiten.

Es geht aber auch noch exotischer. So möchte die dänische Firma „Nordisk Tang“ die Besucher davon überzeugen, Algen auf den Tisch zu bringen. „Tang ist eine hochwertige, gesunde und vor allem nachwachsende Nahrungsquelle“, lautet ihre Maxime, und natürlich darf man auch an diesem Stand probieren – zum Beispiel Tang-Pesto oder Tang-Senf.

Zur Erschließung zukünftiger Nahrungsquellen hat auch Lasse Hinrichsen eine Vision: Insekten. Der studierte Betriebswirtschaftler ist überzeugt davon, dass eine rasant wachsende Menschheit neue Proteinquellen erschließen muss, um auch in Zukunft noch für alle genug Nahrung zu haben. In seiner im Februar 2016 gegründeten Firma „enorm“ produziert er geröstete Mehlwürmer in zwei Geschmacksrichtungen – Sour Creme und Chili. „Diesen kleinen Snack kann man gut als Partyspaß bei einem Abend mit Freunden anbieten“, erklärt Hinrichsen, der sich davon erhofft, dass die Menschen mit der Zeit dem bizarren Imbiss mehr Toleranz entgegenbringen.

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Innovative Ideen sind ein zentraler Bestandteil des Food-Festivals – ob es um ungewöhnliche Nahrungsmittel oder neue Getränke geht. So haben sich die Geschäftsführer des Start-up-Unternehmens „Absurt“ mit der Frage beschäftigt, was man trinken kann, wenn man nicht trinkt. Genauer formuliert: Was können Alkoholiker trinken oder solche, die es nicht werden wollen. Entwickelt haben sie ein alkoholfreies Getränk aus Früchten und Gemüsesorten, das so schmeckt wie Wein, das jedoch kein Wein ist. „Anstatt Alkohol enthält unser Softdrink Essig“, lautet die Erklärung, die man irgendwie auch auf der Zunge spürt. Denn so spritzig der hippe Drink aus Rhabarber, Sellerie, Fenchel oder Johannisbeere auch schmeckt – an Wein erinnert er nicht. Erfrischend ist er nach einem anstrengenden Festivalbesuch aber trotzdem.