Seats Top-Modell – ein Spanier aus Wolfsburg

Quasi-Nachfolger des Vans Alhambra: Der Tarraco. Foto: Seat

Wenn drei das Gleiche tun, ist es längst nicht dasselbe. Erstaunlich ist, wie die spanische VW-Tochter ihren eigenen Weg findet auf Wolfsburger Plattformen. Das hat dazu...

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. Wenn drei das Gleiche tun, ist es längst nicht dasselbe. Erstaunlich ist, wie die spanische VW-Tochter ihren eigenen Weg findet auf Wolfsburger Plattformen. Das hat dazu geführt, dass Seat Importeur Nummer zwei hierzulande geworden ist und durch den dynamischen Auftritt vor allem bei Jüngeren punktet. Da ist man sogar die Nummer eins. Ein Beispiel für die Neuinterpretation von Vorgegebenem ist aus der erfolgreichen SUV-Riege der Tarraco, wenngleich die kleineren Modelle irgendwie besser in die Zeit passen. Gebaut werden alle drei – also auch VW Allspace und Skoda Kodiaq – in Wolfsburg.

Quasi-Nachfolger des Vans Alhambra: Der Tarraco.

Karosserie & Innenraum

Das ist der längste der drei, eine stattliche Erscheinung. Und er hat den Familientransporter Alhambra beerbt. Denn SUVs sind längst die neuen Vans trotz schlechtem Image. Die prägnanten Charakterlinien der Flanken lassen wenig Individualisierung zu. Die Front aber wirkt eleganter und das Heck hebt sich ab, weil die LED-Leuchten mit einem stylischen Leuchtenband wie bei Audi verbunden sind. Zugleich besitzt der XL-Spanier innere Werte. Fürstlich geht es auf sehr guten Sitzen vorne zu. Und in Reihe zwei mit der in Längsrichtung verschiebbaren Bank. Dort sind zudem die Lehnen neigungsverstellbar. Die optionale dritte Reihe bietet eher unpraktische Notsitze, scheint entbehrlich. Bei fünf Passagieren ist das Ladeabteil zudem ideal für Familienurlaube und Hobbys. Hinter die automatisch öffnende Klappe passen satte 760 Liter – oder maximal 1920. Nur der Skoda packt 80 Liter mehr. Die Ladekante aber ist ziemlich hoch. Fein geht es im durchdachten Innenraum zu. Nur teilweise kommt Hartplastik zum Einsatz. Die Funktionalität hinter dem Volant überzeugt den Steuermann, Ablagen und Wohlfühlatmosphäre die Mitfahrer. Dass dies freilich kein Kompaktfahrzeug ist, zeigt sich in der Stadt und auf dem Parkplatz. Da wird es rasch eng.

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Fahrleistung & Fahrverhalten

Wenn 1,8 Tonnen Leergewicht bewegt werden sollen, dann ist ein sauberer Diesel noch immer die beste Wahl. Wir wählten die 190-PS-Variante mit serienmäßigem Siebengang-DSG samt Allradantrieb. Der Zweiliter-Selbstzünder mit 400 Nm Drehmoment kann die Kraft aber gut verbergen. Von unten heraus zumindest wirkt alles sogar etwas träge. Wenn es sein muss, ist der Schub jedoch ebenso nachhaltig wie leise verfügbar. Acht Sekunden bis 100 und 210 km/h Spitze beim Spitzenmodell, die braucht es jedoch nicht wirklich. Trotz des ausgewogenen Fahrverhaltens überzeugt der Federungskomfort auf schlechten Straßen freilich nicht immer. Exakt zu dirigieren ist der große Wagen stets. Und er verzögert auch gut.

Serienausstattung & Extras

In der Version Xcellence ist alles an Bord, was man zu brauchen glaubt. Ob Rückfahrkamera, elektrische Heckklappe, Dreizonen-Klimaautomatik, Kollisionsverhinderer und andere Assistenzsysteme. Dafür werden dann 44 690 Euro aufgerufen. Warum kostet aber ein Gepäck-Trennnetz extra (170 Euro)? Mit elektrischem Glas-Panoramadach, Standheizung, Navigationssystem und anderem lassen sich daraus atemberaubende 59 000 Euro machen. Sprengsatz fürs Budget.

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Geldwert & Umwelt

Dieser Tarraco ist jedoch auch beim Spritkonsum kein Sparbrötchen. 8,2 Liter im Schnitt trotz gemächlicher Gangart sind einfach zu viel. Da tröstet es wenig, dass die Abgasnorm Euro 6d-temp durch SCR-Kat und AdBlue erreicht wird.

Urteil & Fazit

Groß, variabel, bequem und souverän in der Fortbewegung, das ist der Tarraco. Leider auch durstig: zu durstig.

Von Achim Preu