Von rosaroten Tüllgardinen und 80-Franken-Zigarren

aus Im Auto Mobil

Thema folgen
ARCHIV - Der Autoterminal in Bremerhaven, aufgenommen am 22.01.2009. Die gestiegene Nachfrage nach Autos hat den Bremer Häfen im ersten Halbjahr 2011 ein deutliches Plus beschert. Der Umschlag von Seegütern stieg im Land in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16,5 Prozent auf mehr als 40 Millionen Tonnen. Dazu trug vor allem der Auto-Umschlag in Bremerhaven bei, der um rund 35 Prozent auf knapp 968 000 Fahrzeuge stieg. Foto: Ingo Wagner dpa/lni (zu lni 0578 vom 02.08.2011)  +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der Ruf von Motorjournalisten ist nicht eben der Beste. Und das nicht ohne Grund, wie unser seit mehr als 25 Jahren der Branche angehöriger Kolumnist Carlos weiß. Auf den...

Anzeige

. Nach dem Charterflug von Frankfurt nach Basel, ging es von dort aus im Salonwagen einer eidgenössischen Privatbahn auf Schienen weiter in Richtung Chur. Wer seine Kleidung nicht vorab der Witterung dort oben in den Bergen angepasst hatte, für den hielt der rührige Veranstalter vorsorglich eine entsprechend warme Winterjacke parat. Ein Kollege war so angetan ("Die sind aber chic"), dass er sich gleich noch eine zweite für seine Frau daheim geben ließ.

In dem Bündner Hauptort angekommen, warteten schließlich - ordentlich nebeneinander auf dem gegenüberliegenden Bahngleis aufgereiht - 80 neue Quattro-Modelle des oberbayrischen Premiumherstellers. Das Ziel der bevorstehenden Testfahrten: der mondäne Wintersportort St. Moritz, wo im altehrwürdigen Grandhotel gleich am Ortseingang Zimmer reserviert waren.

Schon die Queen habe hier logiert, hatte in der Einladung gestanden. Dem etwas muffigen Zimmergeruch nach seitdem aber wohl niemand mehr. Hatte man sich ersteinmal durch die von der Decke herabhängenden rosaroten Tüllvorhänge gekämpft und das Fenster erreicht, sorgte ein wenig Frischluft allerdings für wahre Wunder.

Nach der unumgänglichen Pressekonferenz und einem gemeinsamen Abendessen reichte später beim "Absacker" an der Bar ein livrierter Hoteldiener Zigarren. 80 Schweizer Franken das Stück, da wollte dann auch der eine oder andere Nichtraucher nicht zurückstehen.

Anzeige

Zugegeben, die Geschichte ist mehr als 25 Jahre her und es war mein erster Auslandstermin als Motorjournalist, was die Erinnerung daran schon deshalb bis heute frischgehalten haben mag. Sie erklärt aber auch den der Branche noch immer anhaftenden Ruf. Mittlerweile gehören solcherlei Veranstaltungen allerdings ebenso der Vergangenheit an wie die ergänzende Kleiderordnung.

Dass auch heute nicht in drittklassigen Absteigen übernachtet wird, soll dabei keineswegs verschwiegen werden. Und auch das Essen wird nicht vom örtlichen Pizzaservice geliefert. 80-Franken-Zigarren werden jedoch schon lange nicht mehr gereicht, das Getränkeangebot ist in der Regel auf "alkoholfrei" umgestellt und dort, wo früher noch das obligatorische Gastgeschenk auf dem Zimmer lag, wartet allenfalls eine Pressemappe als geflissentliche Arbeitslektüre.

Wie es auch früher schon ganz ohne opulente Ausschweifungen ging, wenn das entsprechende Budget dafür fehlte, zeigt das Beispiel eines koreanischen Automobilherstellers. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

(Seit 25 Jahren berichtet der Autor über Neuheiten der Autobranche. Über seine Erlebnisse bloggt er hier künftig alle zwei Wochen unter dem Pseudonym Carlos.)