Rasen ohne Reue im 1er BMW

aus Im Auto Mobil

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Unglaublich, aber wahr: Wasser im Motor macht diesen 1er-BMW entweder schneller oder sparsamer. Foto: BMW

Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten zur Verbrauchsreduktion und Leistungssteigerung sind die Ingenieure auf eine zunächst wahnwitzig anmutende Idee gekommen: Sie sprühen...

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. Ein Freund von mir pflegte immer zu sagen, bei Regen oder Schneefall fahre er immer besonders schnell - um so schneller würde er dann ja auch die Gefahrenzone hinter sich lassen. Natürlich machte er nur Spaß (obwohl: Er behauptete schließlich auch, dass es egal sei, ob man mit dem Flugzeug von Frankfurt nach Düsseldorf reise oder nicht, die Jets flögen ja sowieso...) - aber besagter Freund hätte mit seiner Um-Die-Ecke-Logik sicherlich seine helle Freude an einer neuen BMW-Entwicklung. Die spart nämlich um so mehr Kraftstoff ein, je schneller man fährt.

Die Temperatur sinkt

Die bayerischen Tüftler machen etwas, was Otto-Normalfahrer einigermaßen abstrus vorkommen dürfte. Sie setzen dem Benzin-Luftgemisch im Brennraum eines Antriebsaggregats Wasser zu. Wasser im Motor? Natürlich erfolgt das H2O-Einsprühen in Mengen, gegen die homöopathische Dosen wie das Verabreichen eines Flüssigkeit aus dem Fass wirken würde. Der Effekt ist dennoch beeindruckend: Weil das Wasser seiner Umgebung beim Verdampfen Energie entzieht, sinkt die Temperatur im Brennraum um bis zu 25 Grad. An dieser Stelle kommen die Querdenker bei BMW und die klassischen Schulphysiker wieder zusammen. Eine um dieses Ausmaß reduzierte Temperatur sorgt zunächst für weniger Kraftstoffverbrauch, weil die Kühlung effizienter abläuft und nicht, wie sonst üblich (und auch schon einigermaßen exotisch klingend) durch erhöhte Kraftstoffeinspritzung erreicht wird. Außerdem sinkt die Gefahr unkontrollierter Teilverbrennungen (die sich durch das sogenannte Klopfen bemerkbar machen). Die geringere Klopfneigung wiederum ermöglicht eine höhere Verdichtung (im Beispiel des Prototypen-BMW-1er, mit dem das Verfahren auf dem BMW-Testgelände in französischen Miramas demonstriert wurde, von 9,5:1 auf 11:1). Ferner kann der Zündzeitpunkt bei niedrigerer Temperatur früher gesetzt werden, dies sorgt zusammen mit einem höheren Ladedruck für bis zu 10 Prozent mehr Leistung und Drehmoment. Nach den Worten von BMW-Experte Werner Mährle ließe sich mit dem Prinzip der Wassereinspritzung statt Leistung und Kraft zu erhöhen auch der Kraftstoffverbrauch um 3 bis 8 Prozent senken. Die Verbrauchsreduktion fällt dabei um so deutlicher aus, je schneller man unterwegs ist. Lakonischer Kommentar eines Journalistenkollegen, der auch meinem eingangs erwähnten Freund gefallen würde (der Kommentar, nicht der Kollege): "Rasen ohne Reue."

Verfahren in speziellem M4 im Einsatz

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Wer das Verfahren von BMW für exotische Spinnerei hält, kennt BMW schlecht. Die Bayern würden nie ein Verfahren vorstellen, wenn sie dessen Marktreife nicht schon am Hirizont sehen würden. Tatsächlich ist das Kühlverfahren schon im Praxiseinsatz: Der Motor im Führungsfahrzeug der Motorrad-Rennsportserie MotoGP, ein M4 mit 317 kW/431 PS und 550 Nm gönnt sich bei seinen Runden bei jeder Zündung einen ganz, ganz, ganz kleinen Schluck Wasser. Zu diesem Zweck führt das Fahrzeug einen fünf Liter fassenden Wassertank mit, der im harten Rennbetrieb immer dann aufgefüllt wird, wenn auch Benzin in den regulären Tank fließt. Für Otto Normalfahrer ist dieses Verfahren natürlich suboptimal - und hier folgt geniale Lösung Nummer 2: Im 1er-Prototypen wird das Kondenswasser der Klimaanlage, das sonst einfach auf die Straße tropfen würde, in einem Behältnis aufgefangen und bei Bedarf dem Motor zugeführt. Und wenn dieser Wassertank leer ist? Das werde, so Mährle, im typischen Alltagsbetrieb nicht vorkommen. Und falls doch? "Dann hat der Motor eben wieder die normale PS-Zahl und den regulären Verbrauch."