quattro ultra: Weniger ist bei Audi mehr

aus Im Auto Mobil

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Dominic Heinerstorfer aus der Allradantriebentwicklung bei Audi vor dem neuen A4 allroad mit quattro-ultra-Technologie. Foto: Chowanetz

Bislang galt es als Naturgesetz: Der von Audi vor mehr als drei Jahrzehnten entwickelte Allradantrieb quattro ist immer und grundsätzlich aktiv. Das ändert sich jetzt: Bei der...

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. Manchmal muss man zwischen den Zeilen lesen: Die Volkswagen-Tochter Audi, die mit dem Allradantrieb quattro Technikgeschichte geschrieben hat, bietet nun eine neue Variante des Verfahrens an: quattro ultra, den permanent verfügbaren Allradantrieb. „Permanent verfügbar“ heißt, dass die Kraft des Antriebs nicht mehr grundsätzlich sowohl an Vorder- und Hinterachse gleichzeitig weitergeleitet wird. Je nach Fahrsituation kann sich quattro ultra auch in einen reinen Vorderradantrieb verwandeln.

Rollendes Superhirn

Die Frage drängt sich auf: Das soll ein Fortschritt sein? Zur Erinnerung: Bislang handelt es sich bei quattro um einen permanenten Allradantrieb. Ob trockener Straßenbelag oder geschlossene Schneedecke, ob Sonne oder Regen, ob Geradeausfahrt oder Kurvenfresserei – immer und grundsätzlich ging die Motorenkraft an beide Achsen. Dass das die am einfachsten umzusetzende 4x4-Lösung ist, liegt auf der Hand. Allerdings sind seit der Einführung von quattro mehr als drei Jahrzehnte ins Land gegangen, drei Jahrzehnte, in denen die Autos immer mehr zu rollenden Hochleistungsrechnern wurden. 100 Mal pro Sekunde analysiert das Gehirn eines aktuellen Audi die aktuelle Fahrsituation und die zu erwartende der nächsten Sekunden. Dutzende Sensoren dienen dem zentralen Rechner als Augen und Ohren. Insofern kann die Fahrzeugtechnik durchaus einschätzen, wann ein Allradantrieb sinnvoll ist – und wann es reicht, „nur“ die Vorderräder mit Drehmoment zu bedienen. Also lautet das Gebot der Stunde: zuschaltender statt permanenter Allradantrieb. Das erfolgt proaktiv, also bevor die entsprechende Fahrsituation eintritt.

quattro-Anteil liegt bei 43 Prozent

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Der Einsatz ist hoch: Im vergangenen Jahr lag der quattro-Anteil bei den Audi-Fahrzeugverkäufen bei 43 Prozent. Die quattro-Fans sind es gewohnt, dass der Allradantrieb immer und grundsätzlich aktiv ist. Jene Kunden mit einem Wechsel zwischen 4x4 und 4x2 zu verärgern, kann sich Audi nicht erlauben. Oberste Prämisse bei der Entwicklung von quattro ultra sei deshalb nach den Worten von Dominic Heinerstorfer aus der Entwicklungsabteilung für Allradantriebe bei Audi, gewesen, dass Fahrerin oder Fahrer überhaupt nicht merken, ob sie mit einer oder zwei angetriebenen Achsen unterwegs sind. Aus Sicht des Ingenieurs ist dieses Ziel erreicht worden: „quattro ultra fühlt sich in jeder Sekunde an wie ein klassischer quattro-Antrieb“, behauptet Heinerstorfer – und eine Probefahrt mit dem A4 allroad quattro (ultra) bestätigt die Aussage. Der Audi-Techniker hat auf dem Rundkurs ein Notebook an die Fahrzeugelektronik angeschlossen. Auf dem Bildschirm ist zu sehen, wann das Fahrzeug mit reinem Frontantrieb unterwegs ist – und wann die Kraft an beide Achsen geht.

42 Zuschaltungen

Die Auswertung der Probefahrt zeigt, dass vier Fünftel der Strecke im 4x2-Modus zurückgelegt wurden. Tatsächlich kam mir das nicht so vor. Dafür haben wahrscheinlich die 42 Zuschaltungen auf dem etwa 30 Kilometer langen Kurs gesorgt. Auch das proaktive Element lässt sich in der Grafik gut erkennen. Der Wechsel zwischen den Antriebsalternativen erfolgt nicht erst, wenn es die Situation erfordert, sondern schon im Vorfeld. Lieber geht das Drehmoment unnötig an beide Achsen, als dass der Fahrer einen Unterschied zwischen quattro und quattro ultra bemerkt. „Die Vermittlung des typischen quattro-Gefühls ist uns dabei wichtiger als die Effizienz“, sagt Heinerstorfer.

Einsparpotenzial: 0,3 l/100 km

Denn um die geht es bei quattro ultra. Es ist nachvollziehbar, dass ein Allradantrieb den Treibstoffverbrauch erhöht. Ebenso leuchtet ein, dass der Vierringler im ausgeschalteten 4x4-Modus weniger Sprit benötigt. Immerhin 0,3 l/100 km können mit der quattro-ultra-Technologie eingespart werden. Das klingt nicht nach viel, wenn der geringere Durst aber dazu führt, dass, beispielsweise im Flottenmanagement, bestimmte Schwellwerte, die den Einsatz eines Fahrzeugtyps verbieten würden, unterschritten werden, können 0,3 l den Unterschied zwischen „alles“ und „nichts“ ausmachen.

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Ein Bericht zum neuen Audi A4 allroad ist im MotorJournal dieser Zeitung erschienen