Mit dem neuen Audi TT auf dem Race Track Ascari

aus Im Auto Mobil

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Dem Pacecar muss man natürlich nur folgen, wenn man dahinter fährt. Insofern hat der Fahrer des gelben Audi-TTS gute Chancen, später der Einbremsung zu entgehen. Foto: Keldenich

Dass es sich bei dem neuen Audi TT - wie schon bei den Vorgängergenerationen - um ein rundherum alltagstaugliches Auto handelt, heißt im Umkehrschluss natürlich nicht, dass...

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. Von Axel Keldenich

Kurze Frage, schnelle Antwort: In welchem Land vermutet der Motorsportkundige den Race Track "Alberto Ascari"? Italien. Klar, sagt jeder. Stimmt aber nicht, auch wenn der Namensgeber geradezu ein Prototyp des Italieners war. Gehen Sie Richtung Westen, übers Mittelmeer auf die iberische Halbinsel, da ziemlich weit "runter" bis nach Marbella und dann rechts hoch in die Berge. Wer schon einmal in Ronda war, weiß, dass man sich auf den Serpentinen dorthin schon einmal in die richtige Stimmung für die Fahrt auf einer Rennstrecke bringen kann. Aber Achtung: Auch hier stehen inzwischen die Herren von der Policia Municipal, die wissen, dass Tourismus nicht nur den Hotels und Restaurants die Kassen füllt. Mit ihren Radarpistolen sorgen sie dafür, dass auch die Gemeindesäckel in den weißen Dörfern aus den roten Zahlen kommen. Also immer fein im erlaubten Temporahmen bleiben. Die Belohnung gibt es dann zwölf Kilometer hinter der berühmten Bergstadt, die schon die Beach Boys besungen haben. Sie entsinnen sich: "Help me Rhonda". - Kleiner Scherz des deutsch sprechenden Stadtführers.

Understatement bei den Wegweisern

Als die Dame im Navi sagt: "Jetzt rechts abbiegen", bin ich schon an der schmalen Einfahrt vorbei und muss zurücksetzen, ehe ich das unauffällige Schild mit dem Hinweis sehe und dann tatsächlich einbiege. Später erfahre ich, dass dieses Understatement in Sachen Information nicht ohne Hintergedanken geübt wird. Laufkundschaft von der Landstraße zählt nicht zur Klientel der Betreiber, und das Touristenpaar - er mit Hawaiihemd, Bermudas, braunen Socken und Sandalen, sie im knappen Top, kurzen Leggins und auf Flip-Flops - ist den Kunden hier ein Graus.

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Was in diesen Kreisen getragen wird, zeigt ein Blick in den Merchandising-Shop, wo hochwertige "Sportswear" zu ebenso so hohen Preisen die Auslagen dominiert. Kurzum: Es gilt die festgeschriebene Philosophie, dass nur Mitglieder des Ascari-Klubs das Gelände betreten dürfen, sowie Kunden und gegebenenfalls deren Gäste. Ich zähle heute übrigens zu letzterer Kategorie, denn Audi stellt hier den neuen TT vor.

Marke mit dem cavallino rampante

Und weil die meisten aus den Reihen der aktuellen Motor-Journalisten erst nach Alberto Ascaris Tod im Jahre 1955 geboren wurden, erfahren sie zunächst von unserem Gastgeber, dass der Name des Clubs von dem "berühmten und legendären italienischen Formel-1- Rennfahrer" stammt, der "als Einziger zweifacher Champion mit einem Auto des cavallino rampante war und bis heute als absolutes Beispiel an Sportlichkeit, Ehrlichkeit und Wagemut auf einer Rennstrecke" gilt. Okay, der Text ist nicht mehr ganz aktuell, denn zwei WM-Titel für Ferrari - das ist die Marke mit dem "cavallino rampante, dem sich aufbäumenden Pferdchen - hat auch Niki Lauda gewonnen und Michael Schumacher holte deren gleich fünf nach Maranello.

Mit Haube und Sturzhelm

Dann dürfen wir endlich in die Boxengasse und hinters Steuer der gelben Audi TTS. Zwei rote Brüder unserer Gelben gibt’s auch und die tragen tatsächlich die Aufschrift "Pacecar". Auch wenn ich die fünf roten Ampeln vergeblich suche, fühle ich mich schon jetzt wie ein echter Racer. Dabei bin ich im richtigen Leben eher ein defensiver Fahrer. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich inzwischen schon eine Haube und einen Sturzhelm trage.

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Und ab geht die Post. Auf die längste Rennstrecke Spaniens und (noch einmal die Betreiber): "eine der spektakulärsten Rennstrecken der Welt”. Bei Letzterem kommt es darauf an, wie weit man diesen Kreis zieht, während Ersteres in Zahlen belegbar ist. Die Gesamtlänge der Strecke beträgt 5.425 Meter. Sie lässt sich in drei Unterstrecken aufteilen, die dann wieder beliebig zu kombinieren sind. Überall sorgen 12,2 Meter Breite und reichlich Auslaufzonen dafür, dass auch solche wie ich ohne Blech- und Körperschäden zurück kommen.

Kein Aberglaube in Andalusien

Abergläubisch scheint man nicht zu sein in Andalusien, denn es gibt 13 Links- und 13 Rechtskurven. Oder hat das vielleicht etwas damit zu tun, dass Signore Ascari exakt 13 Formel-1-Rennen gewonnen hat? Egal, jedenfalls muss ich mich schon ganz schön konzentrieren, denn vor mir liegen Kurven mit minimalen Radien und Kurven mit sehr weiten Radien, Kurven mit Überhöhungen von 18 Prozent, Anstiege und Gefälle bis zu zwölf Prozent und zwei, drei echt trickige Schikanen. Was mir irgendwann während meiner fünften und letzten Runde in den Sinn kommt: Hier steht keine einzige Werbetafel.

Genau das macht den Unterschied zu den Strecken, die wir im TV bei Formel 1 und DTM zu sehen kriegen. Aber nicht nur das. Dies hier ist geschaffen als Spielplatz für Freaks, die auch das nötige Bare haben. Es ist für genussorientierte Motorsportliebhaber konzipiert. Einmieten kann man sich aber auch für private Feiern oder Promotion-Events. Mitgliedern und Mietern offeriert der Club denn auch zahlreiche Einrichtungen wie eine Werkstatt mit Tankstelle und Waschstraße, 300 Parkplätze, das Klubhaus mit Restaurant, Terrasse und Swimmingpool und einen Hubschrauber-Landeplatz. Zum Serviceangebot gehören eine Rund-um-die-Uhr-Sicherheitsüberwachung, Zeitmessung, Streckenkommissare, ein Krankenwagen mit Intensivbehandlungsausstattung und sogar ein komplettes Ärzteteam.

Mitgliedschaft für 16.000 Euro im Jahr

Gut, den Gedanken daran, dass man diese Herrschaften einmal brauchen könnte, schiebe ich schnell weg, aber sonst lässt sich‘s hier leben., "Wenn Sie ein wirklicher Fan des Motorsports sind, dann werden Sie Mitglied bei uns im Ascari Klub", wirbt die ausliegende Hochglanz-Broschüre, denn "bei uns Mitglied zu sein verändert Ihr Leben" und verspricht gleichzeitig Neumitgliedern eine kostenlose Erstausstattung mit kompletter feuersicherer Unterwäsche, Rennanzug, Socken und Haube, Handschuhen und Rennschuhen. Klingt verlockend, bis die Beiträge zur Sprache kommen Die einfachste Form der Vollmitgliedschaft schlägt mit 16.000 Euro pro Jahr zu Buche, wohlgemerkt, nachdem die Aufnahmegebühr von 60.000 Euro entrichtet wurde. In der Kategorie "Superior" erhöht sich der zweite Punkt mal eben auf 200.000 Euro. Da müsste ich denn doch erstmal mit meinem Kundenberater bei der Sparkasse sprechen. Wobei - ich bräuchte ja auch noch ein entsprechendes Gefährt. Ich glaube, ich lasse das und hoffe mal, dass mich irgendwann noch einmal jemand dorthin einlädt.

Einen Text zur neuen Generation des Audi TT finden Sie am Samstag im MotorJournal der Rhein Main Presse

(Axel Keldenich, der Autor dieses Blogeintrags, arbeitet als freier Journalist für Tageszeitungen und Magazine)