Mein erstes Mal...bei der Rallye Deutschland

aus Im Auto Mobil

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Daniel Sordo bei der Fahrt durch die nebelverhangenen Weinberge. Foto: Hyundai

Nichts gegen die Formel 1, nichts gegen die DTM, nichts gegen ein zünftiges 24-Stunden-Rennen - aber auf mich hat der Rallye-Sport schon immer eine ganz besondere Faszination...

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. Möglicherweise verstehe ich die World Rally Championship (WRC) auch als legitimen Nachfolger der berühmten Rallye Monte Carlo - denn wessen Puls sich bei Nennung dieser Traditionsveranstaltung nicht beschleunigt, der kann kein richtiger Autofan sein.Ich muss allerdings zugeben: Mein Interesse, einmal als Zaungast bei einem WRC-Lauf dabei zu sein, war zwar vorhanden, aber nicht so ausgeprägt, dass ich das Vorhaben, mir Tickets zu besorgen, in die Tat umgesetzt hätte. Als nun aber Hyundai im Rahmen der Präsentation ihres Flaggschiffs Genesis (mehr dazu am Samstag im MotorJournal) auch der Rallye Deutschland rund um Trier einen Besuch abstattete, war aber die Gelegenheit unverhofft da.

Seit 18 Monaten wieder dabei

Hyundai und Rallyesport? Selbst Motorsportfans wundern sich bei dieser Kombination vielleicht. Tatsächlich kündigte das koreanische Unternehmen erst vor knapp zwei Jahren bei der Paris Motor Show an, wieder an der Rallye-WM teilzunehmen. Nur drei Monate stand in Alzenau das Motorsport-Hauptquartier der Koreaner, seit 18 Monaten fährt man im erlauchten Kreis der WRC-Teilnehmer (Volkswagen, Citroën, Ford) mit. Das fahrerische Aushängeschild, der Belgier Thierry Neuville, gilt als eines der größten Rallye-Talente, nach seiner 2013er-Saison in einem Ford Fiesta RS WRC konnte er zwischen drei Teams wählen - und entschied sich für Hyundai.

Keine halben Sachen

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Dass die Südkoreaner in Bezug auf den Einstieg beim Rallye-Sport keine halben Sachen machen, zeigt sich schon bei der Kombination aus Hospitality-Bereich und Service-Station für die drei i20, die Hyundai auf die Rallye-Strecken schickt. Während im Erdgeschoss am Ende eines Rallye-Tages an den Autos und gegen die Uhr geschraubt wird, sitzen eine Etage höher die Gäste und schauen dem angesichts der Zeitvorgaben erstaunlich unhektischen Treiben von einer Empore aus zu. Gerne lassen sich dann auch die Fahrer im Obergeschoss blicken, um den Rallye-Tag aus ihrer Sicht Revue passieren zu lassen, bevor sie den vor dem 900 Quadratmeter großen Hyundai-Center (das von Rallye-Austragungsort zu Rallye-Austragungsort weitertransportiert wird) wartenden Fans geduldig Autogramme geben. Eine Plauderei mit den WRC-Stars - etwas Ähnliches hat die Formel 1 nicht zu bieten.

Hut ab vor dem Engagement der Zuschauer

Die eigentlichen Stars der Rallye Deutschland - wie wahrscheinlich auch jedes anderen Laufs - sind aber die Zuschauer. Anders als bei einem typischen Autorennen, bei dem alles in einem abgegrenzten Areal passiert, erstreckt sich das Geschehen bei einer Rallye auf einen schier unüberschaubar großen Bereich. Am ersten der drei Rallye-Deutschland-Tage geht es in die Weinberge, am zweiten Tag ist der Schwerpunkt das Gebiet um den ehemaligen Truppenübungsplatz Baumholder, während Tempoprüfungen rund um St. Wendel den kurzen dritten Tag bestimmen. Das Problem: Die Gebiete, von denen aus man die insgesamt 18 Prüfungen der Rallye Deutschland beobachten kann, liegen, um es vorsichtig zu formulieren, nicht unbedingt in fußläufig zu bewältigender Entfernung voneinander. Wer es sich leisten kann, lässt sich mit dem Hubschrauber von Attraktion zu Attraktion shuttlen - aber wer kann das schon? Otto Normalbesucher hingegen, der ohnehin schon mehr als 60 Euro für das Mehrtagesticket ausgegeben hat (zum Vergleich: In Frankreich zahlen Zuschauer nichts), schnappt sich, wenn alle Fahrer eine Wertungsprüfung absolviert haben, ihre Siebensachen und machen sich auf zum nächsten, wahrscheinlich aber zum übernächsten Aussichtspunkt. Denn so schnell wie die Rallyefahrer sind die Zuschauer dann doch nicht unterwegs.

Überstunden für die Mechaniker

Innerhalb der hektischen Schauplatzjagd gibt es zwei zentrale Punkte (Ruhepunkte wäre jetzt vielleicht das falsche Wort): Die "Panzerplatte" ist eine Art Arena, von der aus mehrere Wertungsprüfungen zu beobachten sind - und im Parc Fermé trifft man sich abends, um, siehe oben, einen Blick auf die Autos zu erhaschen, die für den nächsten Tag wieder aufbereitet werden.Im Falle von Hyundai-Spitzenfahrer Thierry Neuville reichte ein solches Aufbereiten am Vorabend des ersten Wertungstages nicht. Der Belgier hatte sich im Rahmen des Vorprogramms mit seinem i20 (nebenbei bemerkt: der hat natürlich mit Ausnahme des Namens nicht allzu viel mit einem Serienfahrzeug gemeinsam, ist beispielsweise mit 300 PS motorisiert, bringt es auf 400 Nm Drehmoment und hat Allradantrieb) veritabel mehrfach überschlagen - es bedurfte eines nächtlichen Einsatzes aller verfügbaren Mechaniker, um bis zum Start am Morgen den i20 wieder herzurichten - üblicherweise hätten die Arbeiten dreieinhalb Tage gedauert.

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Erster Sieg für das junge Team

Der Aufwand hat sich mehr als gelohnt. Am Ende der Rallye Deutschland steht das Team Thierry Neuville und Nicolas Gilsoul ganz oben auf dem Siegertreppchen. Es ist der erste Sieg, den Hyundai in der WRC einfahren kann - nach bislang zwei dritten Plätzen in Mexiko und Polen. Damit nicht genug: Auch der zweite Platz wird bei der Rallye Deutschland von Hyundai-Fahrern erobert, Dani Sordo/Marc Martí aus Spanien. Das Hyundai Shell World Rally Team verbessert sich damit in der Gesamtwertung auf Platz 3.