Lange vor dem Marktstart: Probefahrt mit dem VW T-Cross

aus Im Auto Mobil

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Noch ist das Detaildesign des T-Cross verborgen. Die Tarnbemalung würde sich aber wahrscheinlich auch als Sonderlackierung vermarkten lassen. Foto: Volkswagen

Im Frühjahr 2019, also in gut einem halben Jahr, geht es weiter mit der SUV-Offensive bei VW. Die Wolfsburger bringen dann mit dem T-Cross einen kleinen Bruder für T-Roc,...

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. Irgendwie hätte ich mir das Gefühl, in einem millionenteuren Auto zu sitzen, anders vorgestellt. Der Wagen ist nicht sonderlich lang – 4,11 Meter –, er ist nicht außergewöhnlich luxuriös und mit 70 kW/95 PS auch nicht so leistungsstark, dass er den Puls eines Autofans in gefährliche Höhen befördern würde. Der Grund, warum der VW T-Cross so unglaublich teuer ist: Es gibt bislang nur ein paar Exemplare, allesamt sozusagen handgedrechselt.

Sowohl das mit dem Preis wie auch das mit der Stückzahl wird sich zum Marktstart des dann kleinsten SUV im Volkswagen-Sortiment drastisch ändern. Obwohl VW natürlich noch keine Preise nennt (selbst die Weltpremiere steht ja noch aus…), werden die sich deutlich unter 20.000 Euro für das Basismodell bewegen. Schließlich muss es ja eine erkennbare Abgrenzung zum großen Bruder, dem T-Roc, geben.

Mein persönlicher Cross-Trainer

Was die Stückzahlen angeht, wird der T-Cross dem „Roc-ker“, aber vor allem Polo und vielleicht auch Golf das Leben schwer machen. Dem T-Roc, weil der eben doch eine Preisklasse höher angesiedelt ist, dem Polo, weil der T-Cross fast alles besser kann als Dauerbrenner in der A0-Fahrzeugklasse. Das sage nicht ich, das sagt Felix Kaschützke, bei VW Projektleiter Vertrieb und Marketing und an diesem sonnigen Tag sozusagen mein persönlicher Cross-Trainer (woraus zu folgern ist, dass VW an einem T-Cross mehr verdienen wird als an einem Polo). Denn mehr als ein halbes Jahr vor der Markteinführung im Frühjahr 2019 erhalte ich die Gelegenheit, bei schon einmal erste Fahreindrücke mit dem T-Cross zu sammeln. Dazu steigen wir in das millionenteure Vorserienmodell. Das ist, wie es sich für einen ordentlichen Erlkönig gehört, getarnt – aber in ziemlich unkonventioneller Art und Weise. Statt der üblichen Beklebung mit das Auge in die Irre führenden Linienführung regiert beim T-Cross die Farbe. Einen so bunten Erlkönig hat die Welt noch nicht gesehen. Auch bei Markteinführung wird Individualisierung Trumpf sein. Zwölf Farben stehen dann zur Wahl, die es auch in Bicolor, also in Kombination mit Schwarz, geben wird.

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Ich steige in einen T-Cross ein, der in Makena Türkis lackiert ist, einer der beiden Trendfarben für das Fahrzeug. Schon beim Einsteigen merke ich: Ja, dem Polo erwächst hier sehr, sehr ernsthafte Konkurrenz. Zwar übertrifft der T-Cross mit 4,11 Metern Länge den Polo, mit dem er sich die Plattform teilt, um „nur“ 6 Zentimeter, er ist aber 11,2 Zentimeter höher – und diesen Zuwachs hat man fast ausschließlich der Sitzposition zukommen lassen. Im T-Cross sitzt, nein: thront man satte 10 cm höher als im Polo. Auch beim Kofferraum lässt der T-Cross seinen älteren Bruder Polo alt aussehen. 385 bis 455 Liter passen beim Neuling ins Heck, 355 Liter sind es beim A0-„Klassiker“. Die Variabilität beim Laderaumvolumen des T-Cross kommt von der in Längsrichtung verstellbaren Rückbank.

Praktikabilität als einer der Trümpfe

Praktikabilität ist ohnehin der vier Trümpfe, mit dem VW den T-Cross bewerben will („I am practical“, „I am intuitive“, „I am cool“, „I am safe“). Und in diesem Bereich könnte das kleinste SUV im VW-Sortiment sogar dem T-Roc zu schaffen machen. Kaschützke sieht darin allerdings kein Problem. Die beiden Modelle richteten sich an unterschiedliche Zielgruppen. „Der T-Roc ist das Model im SUV-Bereich, der T-Cross der Alleskönner.“

Nun aber auf die Straße mit dem Alleskönner! „Mein“ Million-Dollar-Car ist dem bewährten 1.0 TSI-Motor ausgestattet, der 70 kW/95 PS leistet. Das ist heutzutage zwar nicht überragend viel, aber hey: Wir sind in der A0-Klasse, die man früher als Kleinwagensegment bezeichnete, unterwegs. Für Interessenten mit ausgeprägteren PS-Wünschen wird es schließlich auch Benzinermotorisierungen mit 85 kW/115 PS und 110 kW/150 PS geben, der zunächst einzige geplante Diesel bringt es auf 70 kW/95 PS. Bei meiner 60-Kilometer-Fahrt über Landstraßen und durch zahlreiche Orte enttäuscht mich der T-Cross jedenfalls nicht: sprintstark genug, um ohne Zittern Lastwagen zu überholen, anzugsstark genug, um an der auf Grün schaltenden Ampel nicht wie ein Depp dazustehen und kultiviert genug, um im Reisetempo nicht das Gefühl zu haben, das Aggregat würde sich über Gebühr verausgaben. Über den Kraftstoffverbrauch zu reden, verbietet sich bei einem Vorserienfahrzeug – wenn das, was im Display steht (eine 6 vor dem Komma, keine allzu hohe Ziffer dahinter…), als Vorbote für den ab 2019 verkauften Wagen steht, kann man damit sehr zufrieden sein.

Zufällig im A0-Segment gelandet?

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Der T-Cross vermittelt beim ersten Kennenlernen und der zugehörigen Pressekonferenz zudem den Eindruck, dass es sich um ein höherklassiges SUV handelt, dass irgendwie nur zufällig im A0-Segment gelandet ist. Das betrifft nicht nur die angesprochene Variabilität (die verschiebbare Rücksitzbank bedeutet nach VW-Angaben eine Premiere bei den A-Nullern), sondern auch die Sicherheitssysteme. Das Umfeldbeobachtungssystem „Front Assist“ und der Spurverlassenswarner „Lane Assist“ sind serienmäßig, andere oft höheren Fahrzeugklassen vorbehaltene Assis wie Totwinkelwarner, Ausparkassistent oder Fernlichtassistent gibt es ebenso optional zuzukaufen wie ein digitales Cockpit oder drahtloses Smartphoneladen. Weil der T-Cross als Fahrzeug (auch) für die junge Familie konzipiert ist, finden sich im Inneren nicht weniger als vier USB-Anschlüsse.

Pressesprecher macht drei Kreuze

Nach gut einer Stunde stelle ich den T-Cross wieder auf dem Hof des Veranstaltungsgeländes ab. Wahrscheinlich macht der für die Veranstaltung verantwortliche Pressesprecher jetzt – hihihi – drei Kreuze, dass er seinen millionenteuren T-Cross unbeschadet wieder hat. Und ich freue mich schon jetzt darauf, im Frühjahr 2019 den kleinsten SUV von VW näher kennenlernen zu dürfen.