Kommentar: Regeln gelten immer nur für die Anderen...

aus Im Auto Mobil

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So hätten Autofahrer Verkehrsschilder wahrscheinlich am liebsten: abmontiert und bereit zur Verschrottung. Solange die Ge- und Verbote allerdings am Straßenrand stehen, sollte man sich an sie halten - oder bereit sein, die Konsequenzen zu tragen. Foto: dpa

Verkehrsregeln gelten offensichtlich immer nur für die Anderen. Diesen Eindruck muss man auf den deutschen Straßen gewinnen. Da wird gerast, am Steuer telefoniert und trotz...

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. Dieser Auftritt wird mir noch lange in Erinnerung bleiben: Bei der Präsentation eines neuen Fahrzeugs in München poltert ein Kollege plötzlich in den Raum, brüllt so, dass sich 25 Augenpaare sofort auf ihn richten: "Was für eine Sch….veranstaltung!!!" (mit theatralischer Betonung auf "Sch…"). Der Autotester war erwischt worden, wie er mit 41 km/h zu schnell über die Autobahn sauste. Mir taten in diesem Moment die Einlader leid, die nun einmal nicht das aussprechen durften, was jeder dachte: Selbst schuld! Wie sich später herausstellte, hätte eine Warnung im Roadbook ohnehin nichts gebracht, denn der Kollege wurde von einer Zivilstreife verfolgt. Wie hätte Audi (ups, jetzt ist es raus) das vorhersehen sollen?

Blick in andere Länder

Es ist erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit ganz allgemein davon ausgegangen wird, dass Tempolimits, Überholverbote und Verkehrsregeln ganz allgemein eher Vorschläge als verpflichtende Ansagen sind. Dabei befinden wir uns in Deutschland, verglichen mit anderen Ländern, geradezu im Paradies, wenn wir uns dann beispielsweise partout nicht an Tempo 100 halten wollen. Wer in der Schweiz auf Autobahnen 21 km/h zu schnell fährt, zahlt 260 Franken, wer mit 70 durch eine Tempo-30-Zone rauscht (das sollte man, zugegeben, auch in Deutschland wirklich nicht machen), riskiert eine Freiheitsstrafe und eine Beschlagnahmung des Fahrzeugs. In Griechenland werden für ein Überholen trotz Verbots bei Sofortzahlung 350, bei späterer Zahlung 700 Euro fällig, in Norwegen kostet das Missachten einer roten Ampel 670 Euro, in den Niederlanden das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung 180 Euro (Quelle: ADAC). Man täte hierzulande also eigentlich gut daran, eine Strafe zähneknirschend zu akzeptieren. Tatsächlich aber wird gegen die Bußgelder mit den kuriosesten Begründungen angegangen. Aus 2014 in Erinnerung bleiben wird beispielsweise der Fall des Mannes, der wegen eines Überholverbots zur Kasse gebeten wurde. Er weigerte sich - erfolgreich! - zu zahlen, denn er argumentierte, er sei justamente nach dem Verbotsschild vom Beifahrer- auf den Fahrersitz gewechselt und sei deshalb nicht informiert gewesen, was gerade Trumpf war. Aaaaaahja! (Oberlandesgerichts (OLG) Hamm (Az.: 1 RBs 89/14).)

Richter lassen sich nicht einlullen

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Kurz vor Jahresschluss wurde dann noch dieses Urteil bekannt: Ein Autofahrer klagte gegen das Bußgeld, das ihm wegen der Handynutzung während der Fahrt auferlegt worden war. Der Mann behauptete allen Ernstes, er habe das Handy nur in die Hand genommen, um die Uhrzeit abzulesen. Ja, klar. Wahrscheinlich war er mit einem jener höchst seltenen Fahrzeuge unterwegs, bei denen durch einen Verkabelungsfehler die Uhrzeitanzeige des Wagens nicht funktionierte (*Ironiemodus aus*) Die Richter ließen sich jedenfalls nicht einlullen und sagten dem Herrn deutlich, was die Stunde geschlagen hat. Zack (Oberlandesgericht Zweibrücken, Az: Az.: 1 Ss 1/14).

Omudsstelle gegen Schikane-Verbote

Um nicht falsch verstanden zu werden: Auch mir geht es gegen den Strich, wenn Tempolimits ganz offensichtlich dafür eingeführt werden, um anschließend einen Blitzer zu installieren und abzukassieren. Es müsste deshalb eine Art Ombudsstelle geben, die neutral überprüft, ob ein Überholverbot oder ein 50-km/h-Schild tatsächlich der Verbesserung der Verkehrssicherheit dient. Und ja, auch ich spreche mich nicht frei davon, mitunter ein Verbot auf den Straßen zu missachten. Ich bin aber, wenn ich erwischt werde, auch bereit, die Konsequenzen zu tragen und konstruiere nicht irgendwelche Ausreden (im Auto aufs Handy schauen, um die Uhrzeit abzulesen - *kopfschüttel*).