Im Onlinekontakt mit dem Auto - "connect me" von Mercedes

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Das neue T-Modell der Mercedes C-Klasse - hier vor Schloss Johannisberg im Rheingau - kann als erstes Fahrzeug aus der Palette der Sternenflotte mit dem "connect-me"-System ausgerüstet werden. Foto: Mercedes/Tillmann

Es soll ja Menschen geben, die begeistert bei reinen Elektro-Autos wie dem i3 von BMW gar nicht so sehr, dass man mit den Stromern ganz ordentliche Distanzen zurücklegen kann,...

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. Der Onlinekontakt mit dem Auto wird jetzt auch bei Wagen mit herkömmlicher Antriebstechnik salonfähig. Unter der Bezeichnung "Mercedes connect me" (klingt ein bisschen wie bei E.T.: "Nach Hause telefonieren…!" - und dabei bitte eine tiefe, heisere Stimme vorstellen) führen die Stuttgarter ein neues Paket von Service-Dienstleistungen ein.

Premiere nicht in der S-Klasse

Erstaunlicherweise geschieht die Premiere, deren Auswirkungen uns über Jahre, was sag ich: Jahrzehnte begleiten dürften, nicht etwa im Flaggschiff der Sternenflotte, der S-Klasse. Nein, dem im mittleren Segment angesiedelten Kombi (auf Stuttgarterisch: T-Modell) der C-Klasse gebührt die Ehre, den Vorreiter zu spielen. Basis der Mensch-Maschine-Kommunikation ist die Webseite www.mercedes.me. Dort loggen sich Besitzer des C-Klassen-T-Modells (und später natürlich auch der anderen Baureihen) ein, um sich mit dem Fahrzeug zu verbinden. Auf der anderen Seite der unsichtbaren, weil so nicht vorhandenen Leitung ist ein KOM-Modul in das Auto integriert. Das soll nach High-Tech der höchsten Evolutionsstufe, nach Science Fiction im Allgemeinen und "Raumschiff Enterprise" im Besonderen klingen. Im Kern handelt es sich bei dem KOM-Modul aber lediglich um eine fest verbaute Sim-Karte, die halt KOMmunikationen ermöglicht.

Türen aus der Ferne abschließen

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Wer die zuvor erwähnten Elektroautos und deren Connectivity kennt, wird sich im "Mercedes-connect-me"-System sofort wie zu Hause fühlen. Möglich ist es dann zum Beispiel, aus der Ferne die Türen abzuschließen, wenn man selbiges am Auto vergessen hat. Ebenso kann die Standheizung programmiert werden (während ich dies schreibe, läuft grad eine Komödie in meinem Kopf er. Er und sie sitzen im Auto, parken ein. Er: Ich geh mal kurz Zigaretten holen. Sie: Ich warte im Auto. Er geht um die Ecke, verschließt per App das Fahrzeug, schaltet die Standheizung auf eine hohe - nicht die höchste, dies ist schließlich eine Komödie! - Stufe, wartet einige Minuten, schaltet die Heizung wieder aus, öffnet die Fahrzeugverriegelung, schlendert zum Auto, steigt ein und schaut ganz unschuldig). Während diese Funktionen zwar nice-to-have sind, aber sicherlich nicht dafür sorgen werden, dass man ihretwegen ein T-Modell der C-Klasse kauft, wird es bei den Hilfssystemen wirklich interessant - und vielleicht sogar lebensrettend. "Mercedes connect me" verbindet die Insassen nach einem Unfall automatisch mit der Mercedes-Notrufzentrale und sendet Position und Zustand des Wagens an die Rettungsleitstelle. Bei einer Panne nimmt das Auto mit dem Customer Assistance Center Verbindung auf. Und wenn das Fahrzeug Wartungsbedarf erkennt, übermittelt es die Einzelheiten an die nächste Werkstatt, von wo aus dann ein Service-Angebot erstellt werden kann. Auch der Austausch von diagnosefähigen Verschleißteilen lässt sich so ankündigen.

Wo hab ich bloß das Auto geparkt?

Und dann ist da noch die Funktion "Fahrzeugstandort ermitteln". Die hätte gute Chancen, mein Favorit zu werden. Im Umkreis von 1,5 Kilometern lässt sich so herausfinden, wo um Himmels willen man das Auto abgestellt hat. Wer jetzt lacht, hat noch nie in einer fremden Stadt sein geparktes Auto gesucht. Allerdings ist gerade eine Erweiterung dieser Möglichkeit geeignet, für Kopfschmerzen zu sorgen. Die Fahrzeugortung erlaubt es, mittels GPS festzustellen, wo sich das Auto gerade befindet. Das mag als Momentaufnahme ganz nett sein, aber Hunderte dieser Momentaufnahmen aneinandergereiht ergeben dann doch ein sehr aussagekräftiges Bewegungsprofil (Und wieder unser Paar. Er kommt nach Hause. Sie: Wo warst Du so lange? Er: Habe einen Freund nach Hause gefahren. Sie: Und dabei stand das Auto die ganze Zeit vor Deiner Stammkneipe?!?). Mercedes ist sich der Brisanz dieser Funktion durchaus bewusst: Dem Fahrer wird angezeigt, wenn die Ortung eingeschaltet ist - und ein Anruf im Consumer Assistance Center (wer denkt sich eigentlich diese Begriffe aus?) reicht, um sie zu deaktivieren.

Mein Wagen stellt den Wecker vor

Mir ist, ehrlich gesagt, die Art der Kommunikation noch ein wenig einseitig. Was ich mir wünschen würde, wäre ein Auto, dass weiß, welche Route ich morgens zur Arbeit nehme. Vor der geplanten Abfahrt, in die ich natürlich immer einen Staupuffer einrechne, überprüft das Auto die Verkehrslage, stellt fest, dass der Weg wider Erwarten frei ist - und programmiert von selbst meinen Wecker um ein Viertelstündchen nach vorne. DAS wäre echter Fortschritt.