Im Auto mobil...mit dem AMG GT S auf der Laguna-Seca-Rennstrecke

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DTM-Rekordmeister Bernd Schneider fährt bei den ersten Rennrunden vorneweg. Foto: Keldenich

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. Von Axel Keldenich

Eher Steve McQueen statt Scott MacKenzie? Oh nein, der 510-PS-Sportwagen AMG GT S zeigt, dass man im Hause Benz auch den Muskelprotzen Manieren beibringt. Auf dem Weg im Comfort-Modus entlang der Piers, einmal über die Golden Gate Bridge und zurück, durch die kalifornischen Hügel und den Highway 1 hinab bis nach Carmel am Pazifik ist der Neue ganz der Kavalier der Landstraße.

Brüder in giftigem Grün

Aber dann! Dann geht es auf eine der berühmtesten Rennstrecken der Welt: Laguna Seca. Hier wartet auf uns Journalisten eine Bande von GT S im Renntrimm. Die meisten sehen so aus wie ihre Brüder, die wir bis hier hin gefahren haben. Zwei jedoch sind in einem giftigen Grün und mit schwarzen Camouflage-Flecken lackiert. Sie gehören den beiden Instruktoren, die jeweils drei von uns Normalos über die Piste führen. Ich reihe mich ehrfurchtsvoll hinter Bernd Schneider ein, den DTM-Rekordmeister. Der erinnert mich daran, dass es auch noch andere Fahrmodi gibt, in denen unter anderem die Dämpfer, die Lenkung, das Ansprechverhalten beim Gasgeben, die Schaltstrategie sowie das ESP modifiziert werden. Ihre Namen Sport, Sport Plus und Race lassen keinen Zweifel daran, dass jetzt ihre Zeit gekommen ist. Wie auch die des komplett neu entwickelten Motors, der unter der ellenlangen Haube darauf wartet, alles herzugeben. "Handcraftet by Racers" nennt AMG den GT S und hier bekommt man einen Eindruck davon, was gemeint ist. Mit vier Liter Hubraum, in V8-Anordnung und mit zwei Turboladern zwischen den Zylinderbänken stellt er ab 1.750 Umdrehungen ein Drehmoment von 650 Newtonmeter bereit. "Gentlemen start your engines" signalisiert der Altmeister und mein GT S quittiert den Druck auf den rot umrandeten Startknopf mit einem Donnergrollen, das gleich mehrere Reaktionen bewirkt: Erschrecken, Respekt, anfangs sogar ein wenig Furcht, aber dann nur noch Vorfreude auf die Rennrunden. Aus der Boxengosse geht es auf eine Gerade und nach 3,8 Sekunden steht die Tachonadel schon auf 100. Hab ich natürlich nicht selbst gemessen - wie auch? - glaub ich aber, genauso wie die weiteren Daten: Von 100 auf 200 Sachen in 8,2 Sekunden und elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit 310 km/h.

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Der Frühstückskaffee meldet sich

Okay, so weit sind wir aber noch nicht, denn über Funk kommen Hinweise auf die "Straßenmarkierungen". Die fürsorglichen AMG-Leute haben uns unterschiedliche Pylone bei Anbrems- und Scheitelpunkten aufgestellt. In der ersten Runde ist das alles auch noch unproblematisch, denn das Führungsfahrzeug bleibt in Sicht, Herr Schneider hat in seinen persönlichen "Kaffefahrt-Modus" geschaltet. Gilt übrigens auch für mich, nur anders: In meinem Magen meldet sich der Frühstückskaffee zur Rückkehr an.

Derweil leistet das Doppelkupplungsgetriebe im Race-Modus Akordarbeit mit permanentem Zwischengas beim Beschleunigen. Wird’s langsamer, brüllt der Auspuff aus den beiden flachen Endrohren seine Wut heraus. Mein Hemdrücken ist längst feucht von den ersten der elf Kurven, die Laguna Seca auf 3.601 Metern bei einer Höhendifferenz von 55 Meter zu bieten hat.

Endlich: die "Corkscrew"

Und dann endlich das, wovon wir alle schon beim Abflug in Frankfurt geredet haben: die "Corkscrew" oder Korkenzieher-Kurve. Es geht bergauf, man weiß, dass sie kommt, aber man sieht sie nicht. Blindes Anbremsen vor der Kuppe, dann oben nach links und ziemlich heftig runter und gleich zurück in die nächste Rechtskurve. Ja! Wer das geschafft hat, glaubt sich stark genug für den lachhaften Rest. Was natürlich nicht stimmt, vor allem weil das tapfere Schneiderlein da vorne ab sofort die Pace erhöht. Zwei Runden lang macht das noch Spaß, dann lasse ich den Routinier und seine tapfereren Jünger ziehen und vollende die letzten beiden Runden in einem Tempo, das mir noch Spaß macht, auch wenn einige Kollegen schon leicht die Nase rümpfen. Was ich nur hie und da gewagt habe, praktizieren sie seit der Einführungsrunde: das Schalten von Hand per Lenkradpaddles. Und wo ich trotz der hervorragenden Traktion des Anderthalbtonners permanent auf das ESP baue, schalten sie es ab und halten den AMG GT S dennoch in der Spur. Und während die Freaks sich an weiteren 14 oder 21 Runden Laguna Seca ergötzen, begebe ich mich auf einen anderen Rundkurs. Am legendären "17 Mile Drive" gleich um die Ecke haben sich die Steinreichen ihre Villen gebaut und Parks angelegt. Hier cruise ich in aller Ruhe mit meinem AMG GT S, der mir im Comfort-Modus genau so viel Spaß macht wie in der Race-Position.

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Axel Keldenich, der Autor dieses Blogeintrags, arbeitet als freier Journalist für Tageszeitungen und Magazine)