Hyundai in Bluewater: Ein Autohaus wie ein Apple Store

aus Im Auto Mobil

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Fast wie bei einer großen Automesse präsentierte Hyundai in seiner Europazentrale einige der wichtigsten Neuheiten des kommenden Jahres, allen voran i30 und i40. Foto: Chowanetz

Ein Unternehmen der leisen Töne ist Hyundai nicht - zumindest nicht, wenn es darum geht, Journalisten aus ganz Europa auf ein spannendes Jahr 2015 vorzubereiten. In der an sich...

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. Um der Chronistenpflicht Genüge zu tun: Die Automarke, die sich vorgenommen hat, als Europas sympathischste wahrgenommen zu werden, wird im kommenden Jahr nicht nur den bereits präsentierten i20 in seiner neuen Version in den Handel bringen, sondern auch beim Golf-Konkurrenten i30 und dem Mittelklasseschreck i40 jeweils neue Generationen starten (Chief Design Officer Thomas Bürkle sprach sogar davon, dass man eine komplette Evolutionsstufe überspringe). Hinzu kommt der i20 als Coupé, der i30 als Turbo und das Nutzfahrzeug H350. So ganz nebenbei will Hyundai Marktanteile erhöhen (wer will das nicht?) und hält am Ziel fest, den CO2-Ausstoß über alle Modelle hinweg bis 2020 um ein Viertel senken.

Mehr Computer als Autos

In dieser durchaus beeindruckenden Produktpräsentation bleibt wenig Zeit für ein Detail, das sich im Nachhinein betrachtet als mindestens ebenso revolutionär erweisen könnte wie drastisch reduzierte Spritverbräuche oder die Implementierung von Assistenzsystemen höherer Klassen in einem Kleinwagen wie dem i20. In Kent hat Hyundai in Bluewater, einer der größten und frequentiertesten Einkaufszentren Europas, eine Ladenfläche angemietet. Deren Ausstattung erinnert eher an einen Apple-Store als an ein Autohaus - und das ist gut so (wie der Nicht-Mehr-Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, vielleicht kommentierend sagen würde). In den Showroom sind deutlich mehr Computer, Farbpaneele und Zubehörteile zu sehen als Autos. Potenzielle Hyundai-Kunden sollen sich hier im Internet ihr Traumauto zurechtkonfigurieren - und wenn sie dabei nicht weiterkommen, stehen ihnen Berater, mit einem Hauch von Hybris (oder kommt mir das nur so vor) Angels, Engel, genannt zur Seite.

Und was ist mit den Flagship Stores?

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Nanu?!? Gerade erst hat Hyundai in Frankfurt den ersten europäischen sogenannten Flagship-Store eröffnet, gewissermaßen das Autohaus der Zukunft. Und gleichzeitig sollen die künftigen Kunden dazu ermuntert werden, sich ihr neues Fahrzeug im Internet zusammenzustellen. Wie passt denn das zusammen?

Der vermeintliche Widerspruch ist für Christian Loeer, Head of Product and Pricing Europe bei Hyundai, letztendlich gar keiner. 95 Prozent der Kunden bereiten sich im Internet auf den Besuch eines Autohauses vor, ändern an ihrer Wunschkonfiguration zwar nach der Beratung noch Details, bleiben aber im Großen und Ganzen ihrer Linie treu. Das Experiment in Kent nimmt diese Entwicklung Loeer zufolge auf. Das Geschäft kann beim samstäglichen Einkauf einen Impuls geben, sich beinahe spielerisch am Computer den Wunsch-Hyundai zu konfigurieren. Die Engel sind dabei nicht, wie mancher Autohändler, auf Provisionen bei Verkaufsabschlüssen aus - entsprechend entspannt würden die Beratungsgespräche verlaufen.

Händlern geht kein Umsatz verloren

Den Händlern, die gerade mit Millioneneinsatz ihre Verkaufsräume auf die neue, edlere Hyundai-Linie trimmen, geht durch die vermeintliche Online-Konkurrenz kein Umsatz verloren. Denn in Bluewater können die Neufahrzeuge zwar konfiguriert, nicht aber bestellt werden. Für diesen letzten Schritt in der Entscheidungsfindung ist dann doch der "klassische" Händler zuständig.