Funktioniert die Benzinpreis-App?

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Trotz Benzinpreis-App gibt es beim Tanken noch erhebliche Preisunterschiede. Foto: dpa

Seit einem Jahr soll nun die Benzinpreis-App für mehr Transparenz auf dem Tankstellenmarkt sorgen und die Multis davon abhalten, die Tarife nach Belieben zu erhöhen. Zeit für...

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. Benzinpreis-Apps gibt es schon lange. Während die Preisvergleichs-Progrämmchen bis zum Herbst des vergangenen Jahres allerdings weitgehend auf Angaben von Kunden basierten, begann vor einem Jahr, am 12. September 2013, der Probebetrieb einer Datenerhebung durch die "Markttransparenzstelle für Kraftstoffe" innerhalb des Bundeskartellamts. Die Tankstellen in Deutschland sind verpflichtet, ihre Tarife für Benzin und Diesel in Echtzeit an die Transparenzstelle zu melden. Diese gibt die Datensammlung dann an Verbraucherinformationsdienste weiter, die auf ihren Webseiten und in Apps die Preisen veröffentlichen.

Transparenz alleine hilft nicht

Die spannende Frage ist nun natürlich: Hat die Arbeit der Wortungetüms-Stelle (hier noch einmal in ihrer herrlichen Gänze: "Markttransparenzstelle für Kraftstoffe") dem Autofahrer etwas gebracht? Ernüchternde Erkenntnis: eher nicht. Transparenz bedeutet nun einmal nicht, dass die Preise zurückgehen. Was nützt es mir, wenn ich erfahre, dass der Sprit in, sagen wir: Hamburg, neun Cent günstiger ist als in Wiesbaden, wenn ich mich nun einmal gerade in der hessischen Landeshauptstadt aufhalte? Im Umkreis bewegen sich die Tarife der Multis im Großen und Ganzen auf einem Niveau. Die zwei Cent, die ich vielleicht bei der Tanke in zwölf Kilometer Entfernung spare, machen die Kosten für den Umweg dorthin in aller Regel nicht wett.

Preisrutsch am Mittag

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Doch es gibt Ausnahmen. Jeder Autofahrer weiß ein Lied davon zu singen: Zu gewissen Uhrzeiten bewegen sich die Preise bei allen Spritanbietern nicht nur, sie hüpfen geradezu. Das ist zum einen gegen Spätmittag, wenn es plötzlich mit den Tarifen um acht, zehn oder gar zwölf Cent abwärts geht, zum anderen am Abend (meiner Erfahrung nach so gegen 21, 22 Uhr), wenn die Preise um die gleichen Beträge nach oben schnellen. Diese "Anpassungen" wiederum passieren nicht bei allen Tankstellen zur exakt gleichen Zeit. Es kann sich dann also lohnen, die Preise zu vergleichen und vielleicht eine Station in der Nähe auszumachen, wo der Tarif noch nicht "für die Nacht" angehoben wurden. Allerdings gibt es natürlich keine Garantie dafür, dass bei Ankunft an dieser Tankstelle längst eine Preisanpassung vorgenommen wurde, bis man dann da ist.

Politik ist gefragt

In Deutschland ist es schon lange nicht mehr einzige Problem, dass sich die verschiedenen Spritanbieter über das Preisniveau absprechen - auch wenn sie es immer wieder vehement bestreiten. Was inzwischen mehr zu schaffen macht, sind die unerklärbaren Preissprünge. Wie kann es sein, dass Diesel um 20.45 Uhr 1,349 Euro pro Liter kostet, um 21.15 Uhr an derselben Tankstelle 1,479 Euro (ich denke mir diese Zahlen nicht aus, sondern beobachte den Effekt wie wohl jeder Pendler Tag für Tag)? Hier wäre die Politik gefragt. Vorbilder gibt es genug. So etwa Österreich, wo die Benzinpreise nur einmal am Tag, nämlich um exakt 12 Uhr mittags, erhöht werden dürfen. Gerne wird auch das Beispiel aus Westaustralien erwähnt, wo die Preise für den Folgetag bereits um 14 Uhr an eine Regulierungsbehörde gemeldet werden müssen.

Nicht mehr als Absichtserklärungen

Und in Deutschland? Außer vollmundigen Absichtserklärungen der Politiker passiert hier seit Jahrzehnten nichts, um den Multis das Ausnutzen ihrer Marktmacht zumindest zu erschweren. Aber halt: Könnte das vielleicht auch daran liegen, dass der Staat nicht nur über die (fixe) Energiesteuer (früher Mineralölsteuer), sondern auch über die preisabhängige Mehrwertsteuer an jedem verkauften Liter Sprit mitkassiert?

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19 Prozent Mehrwertsteuer bei einem Preis von 1,30 sind nun einmal weniger als 19 Prozent Mehrwertsteuer bei einem Preis von 1,60…