Frontantrieb bei BMW: Die heimliche Revolution

aus Im Auto Mobil

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Dem 2er Active Tourer sieht man nicht an, dass er ein Revoluzzer im BMW-Sortiment ist: Erstmals verlässt sich die Marke auf einen Front- statt auf einen Heckantrieb. Foto: BMW

Natürlich ist bei der Einführung jedes neuen Automodells die Spannung beim Hersteller groß: Kommt das Fahrzeug beim Kunden an? Oder erweist es sich als Flop? Bei BMW wird man...

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. Die Entscheidung, künftig nicht mehr nur Hecktriebler anzubieten und damit einen Unique Selling Point der Marke aufzugeben (wenn man mal von der Tochter Mini absieht, bei der die Kraft an den Vorderrädern nichts Außergewöhnliches ist) , ist in den Vorstandsetagen der im Volksmund "Vierzylinder" genannten Zentrale von BMW sicherlich nicht leicht gefallen. Aber das Dilemma war nicht aus der Welt zu diskutieren: Das Portfolio des Unternehmens wuchs zwar in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich (Stichwort X-Reihe, Stichwort GT-Varianten), doch einen bestimmten Markt bedienten die Münchener nicht: Einen Mini-Van suchte man im BMW-Sortiment vergebens. Die Konzernspitze wiederum konnte dieses Segment nicht dauerhaft ignorieren, zu groß sind die Marktchancen für solche Fahrzeuge. Dummerweise verhindert ein Heckantrieb mit der daraus resultierenden Architektur das üppige Raumangebot, mit dem der Kunde eines Mini-Vans verständlicherweise rechnet.

Der Heckantrieb stört

Logische Konsequenz: Der Heckantrieb stört. Denn der Aufbau eines Fronttrieblers ermöglicht ein vergrößertes Greenhouse (was für ein schönes Wort, für das wir alternativ im Deutschen nur eine schnöde "Fahrgastzelle" zu bieten haben). In dem Diskussionsprozess bildete sich Jochen Schmalholz, Leiter Marketing Innovations bei BMW, eine schlichte Erkenntnis heraus: "Für neue Kunden braucht man neue Konzepte." Man kann sich auch als Außenstehender vorstellen, dass der Austausch der Pro-und-Contra-Argumente im "Vierzylinder" nicht nur in Zimmerlautstärke vor sich gegangen sein dürfte. Die Entscheidung, sich von reinen Heckantrieb-Konzepten (sieht man mal vom hauseigenen Allradsystem xDrive ab, bei dem natürlich auch Kraft an die Vorderräder kommt, aber eben nicht nur) zu entfernen, ist schon ähnlich revolutionär wie die Idee der BMW-Tochter Rolls Royce, vielleicht in naher Zukunft einen SUV anzubieten. Die Aussage am Rande der Fahrvorstellung zum 2er Active Tourer, dass es "intensive Diskussionen" um den Frontantrieb gab, dürfte noch einigermaßen untertrieben sein.

Bis zu zwölf Fahrzeugkonzepte möglich

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Denn machen wir uns nichts vor. Wenn der 2er Active Tourer nicht komplett floppt (und danach sieht es nun wirklich nicht aus), wird es nicht bei einem Fronttriebler bei BMW bleiben. Die Entwicklung der UKL-Architektur (wobei UKL für Untere Klasse steht), auf der der 2er Active Tourer basiert, rentiert sich um so mehr, je mehr Fahrzeuge später auf sie aufbauen. Bis zu zwölf Fahrzeugkonzepte sind nach den Worten von Christian Scheinost, "Funktionsverantwortlicher Fahrdynamik BMW 2er Active Tourer", für die UKL-Architektur möglich. Gesellen sich zum 2er Active Tourer also bald ein frontgetriebener X1 oder ein ebensolcher 1er? Irgendwie überrascht die Antwort nicht: "Alle entsprechenden Konzepte werden derzeit geprüft", hieß es bei der Fahrzeugpräsentation.

Rest der BMW-DNA bleibt

Für Menschen, die sich etwas intensiver mit Autos und der Autoindustrie auseinandersetzen, ist die Hinwendung zum Frontantrieb tatsächlich eine Revolution. Für den typischen Käufer eines BMW aber dürfte es weniger wichtig sein, ob die Kraft des Motors an die Vorder- oder an die Hinterräder geleitet wird. Ohnehin ging ja der Rest der BMW-DNA nicht verloren. Auch der 2er Active Tourer hat das, was einen Wagen der Nierengrill-Fraktion seit Jahrzehnten ausmacht: kurze Überhänge, eine direkte Lenkung, möglichst gleichmäßige Schwerpunktverteilung. Entscheidend für jeden BMW-Kunden ist das: Die "Freude am Fahren", mit der das Unternehmen wirbt, muss fühlbar bleiben. Diese Mission ist zweifellos gelungen. Die Diskussionen um den Strategiewechsel mögen engagiert geführt worden sein - am Ende aber stand eine Entscheidung, die auch deren ursprüngliche Gegner anschließend engagiert mittrugen. Soll heißen: Bei der Abstimmung des 2er Active Tourer wurde darauf geachtet, dass das Fahrzeug sich so fährt, wie sich ein BMW immer fährt. Deshalb war das Lob, das Christian Scheinost am Rande der Fahrerprobung von Kollegen ausgesprochen bekam, immens wichtig: "Der 2er Active Tourer ist wirklich ein echter BMW geworden", hieß es da.