Eingebaute Vorfahrt

aus Im Auto Mobil

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Städte und Gemeinden dürfen Busspuren künftig auch für E-Fahrzeuge freigeben. Foto: Wikimedia/Martin Hawlisch

Auch in Deutschland soll es nun, dem Vorbild anderer Länder folgen, Anreize für die Fahrer von Elektroautos geben. Eine der Möglichkeiten, über die allerdings jede Stadt und...

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. Damals, in den 70ern: Wieder einmal hatte der Nachbar, von dem alle munkelten, er habe bestimmt im Lotto gewonnen, mit seinem Mercedes Papas Opel beim Überholen ziemlich unsanft geschnitten. Und wieder einmal brach es aus dem zornigen Vater am Volant heraus: "Der glaubt wohl, der hat eingebaute Vorfahrt in seinem Benz, der …" Der weitere Verlauf der Szene glitt in den nicht zitierfähigen Bereich ab. Lassen wir also den milden Vorhang der Geschichte fallen? Nein, so einfach geht das nicht. Den Satz mit der "eingebauten Vorfahrt" gibt es im Autofahrer-Latein nämlich immer noch. Vornehmlich wird er natürlich Nobelkarossen hinterher geworfen, deren Fahrer sich vermeintlich oder tatsächlich auf Kosten des automobilen Fußvolks rabiat den einen oder anderen Vorteil verschaffen.

Elektromobiltätsgesetz macht den Weg frei

Und jetzt, im aufziehenden Herbst des Jahres 2014, bekommt der Satz sogar ein juristisches Fundament. Jedenfalls wenn es nach Verkehrsminister Alexander Dobrindt geht (Sie wissen, das ist der bajuwarische Themen-Turbo, der schon mit der Pkw-Maut bewiesen hat, dass er gerne auch mehfach gegen Wände fährt): Um den nach wie vor flauen Absatz von Elektromobilen anzukurbeln, will das Kabinett der Initiative des Ministers folgend mit dem "Elektromobilitätsgesetz" Busspuren für private Stromer öffnen. Und damit nicht genug: Als E-Mobil im Dobrindtschen Sinne gelten auch Hybride wie der i8, der Porsche Panamera oder die S-Klasse. Diese dürften dann theoretisch an im Stau stehenden sparsamen Kleinwagen vorbei ziehen. Die (eingebaute!), meist nur für 30 oder 40 Kilometer elektrischen Betrieb ausreichende Batterie würde Vorfahrt garantieren.

Kommunen winken ab

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Theoretisch. Es wird wohl so nicht kommen. Viele Kommunen, die bei der Freigabe der Busspuren das letzte Wort haben, winken bereits ab, die Busspuren sollen auch weiterhin den Bussen gehören. Das allerdings stellt uns vor die Frage, was man denn sonst zur Absatzsteigerung der Stromer unternehmen könnte. Sie ist wichtig, denn machen wir uns nichts vor: Mit Wasserstoff werden wir noch lange nicht fahren, und mit Benzin und Diesel werden wir irgendwann unweigerlich die Umwelt in Schieflage fracken. Und vorher weiterhin Potentaten reich machen, bei denen man nicht wirklich weiß, ob man nicht IS und andere Wirrköpfe volltankt. Hat Dobrindt am Ende also doch recht, auch wenn es am Ende tatsächlich zu wenige Busspuren geben wird, damit sein Vorschlag die beabsichtigte Wirkung entfaltet?

Ohne Anreize nur ein Nischendasein

Ohne gezielte Anreize werden die Elektro-Autos weiterhin ein Nischendasein führen. Länder wie Norwegen oder die Niederlande beweisen, dass es auch anders geht. Und in den USA macht Tesla nicht nur mit Absatzzahlen, sondern vor allem mit den Plänen zur Gigafactory Furore, die den Durchbruch zum Massengeschäft bedeuten könnte. Dann hätten wir ein nicht mehr mit einem politischen, sondern mit einem technologischen Problem zu tun. Die Audis, BMWs und Co. wären abgehängt, nicht nur auf der Busspur. Die Vorfahrt würde dann in der Wüste von Nevada eingebaut.