Ein Tag in der Porsche Sportfahrschule

aus Im Auto Mobil

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Wenn es bei Fahrpräsentationen auf die Rennstrecke geht, bestehen die Hersteller nicht auf Fahrgemeinschaften. Eine Tour auf öffentlichen Straßen mit denselben Autos kann in diesen aber zur schweißtreibenden Angelegenheit werden. Foto: Keldenich

Den Satz: "Wenn ich den Jackpot im Lotto knacke…." setzen Männer zwischen 18 und 80 nicht selten so fort: "Dann kaufe ich mir einen Porsche 911." Und das seit fünf ...

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. Von Axel Keldenich Aus einer ersten Veranstaltung 1974 auf dem Hockenheimring ist eine weltweite Präsenz erwachsen, auf rund einem Dutzend der bekanntesten Rennstrecken rund um den Globus, aber auch abseits befestigter Straßen und auf Eis und Schnee und das mit einem Team von 120 Porsche-Instrukteuren. Noch nicht auf dieser Landkarte ist das neue Aldenhoven Testing Center in der Nähe von Aachen, auf dem Porsche jetzt einmalig auch Nicht-911-Fahrern einen Einblick in das gab, was den 911er-Neuling in dieser Fahrschule der anderen Art erwartet. Beispielsweise zwei Steilwandkurven, die eine mit 100 km/h zu nehmen, die andere gar mit 120.

Bitte die mittlere Spur wählen

Damit die Normalfahrer keinen Schaden an den wertvollen Sportgeräten anrichten, fährt ein Guide vorneweg. Er gibt die Pace vor und hat vorher noch darum gebeten, doch bitte die Mittlere der Spuren zu wählen und nicht die ganz oben, die doch sehr dicht an der Bande vorbeiführt. Macht nichts, was ihm vorsichtig erscheint, ist für seine Schützlinge flott genug und das Adrenalin kommt auch bei dieser "gebremsten" Fahrweise. Und schließlich ist auf der langen Geraden des Ovals kein Tempolimit angesagt. Also Vollgas bis zum nächsten Anbremspunkt. Und siehe da, was so ein Porsche an Bremskraft zu bieten hat, steht dem Vortrieb in nichts nach. "Den Fuß bitte fest auf die Bremse und nicht loslassen, bis der Wagen stillsteht" lautet die Anweisung. Dem folgend staunt der Laie über den kurzen Bremsweg mindestens genauso wie über die rasante Beschleunigung.

Keine Anregung für die Landstraße

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Okay, das alles ist jetzt nicht das, was man auf deutschen Landstraßen tun sollte, aber schön zu wissen, was geht und vor allem, was man selbst auch kann. Als "Spielzeuge" hatten die Zuffenhausener Gastgeber in Aldenhoven unter anderem die erst jüngst vorgestellten GTS-Varianten von Cayman und Boxster mitgebracht, beide mit einem 3,4-Liter-Sechszylinder-Boxermotor, der den Cayman mit 250 kW/340 PS flott macht und den Boxster mit 243 kW/330 PS. Mit ihnen gibt es nun je drei Varianten des Boxsters und der Coupé-Version sowie 15 verschiedene 911er. Fachleute erkennen sie übrigens allein an der Form ihrer Heckspoiler oder -flügel. Jedes dieser Autos verführt zu Dingen, die man mit dem eigenen Mittelklasse-Kombi gar nicht lustig findet. Wenn es beispielsweise mit 80 Sachen zum doppelten Spurwechsel und auf den Slalomparcours geht, denkt man bei der ersten Runde noch, das sei ja eigentlich viel zu schnell. Ab Runde zwei kommt einem das Tempo immer gemächlicher vor und nach der vierten fragt man den Instruktor ganz unschuldig, ob er nicht noch ein wenig mehr Speed erlaubt. Tut er nicht, denn er kennt die Grenzen, sowohl die des Porsches als auch die der Fahrer.

"Luft" für die Vorsichtigeren

Deren Fähigkeiten sind natürlich durchaus unterschiedlich. Deshalb bittet der Instruktor auf dem Handlingkurs die Erfahrenen, sich direkt hinter ihm einzuordnen, um den Vorsichtigeren hinten etwas Luft zu lassen. Gute Entscheidung, sich unter diese Gruppe zu mischen. Was in den gemeinen Kurven auf diesem so harmlosen Straßenstück abgeht, ist nämlich heftig. Die Porsches wussten schon, warum dieser Part der Tour vor dem Mittagessen gefahren wird.

Mitfahrt mit dem Profi

Aber nicht, als wenn danach Beschaulichkeit einkehrte. Zwar geht es nun auf den Beifahrersitz, derweil ein Profi das Volant übernimmt, aber entspannte Ruhe ist weiß Gott nicht angesagt. Die beiden Plätze liegen nämlich im Porsche 918 Spyder. Los geht’s mit einer Übung die beim eigenen Ausprobieren in den anderen Modellen schon atemberaubend war, dem Launch-Controll-Start. Was nichts anderes heißt als linken Fuß auf die Bremse, mit dem rechten das Gaspedal voll durchtreten und dann den linken Fuß lüften. So gewinnt man jedes Ampelrennen und ist in weniger als vier Sekunden auf 100. Man sollte aber darauf achten, dass hinter der Kreuzung wenigstens 300 Meter gerade Strecke verfügbar ist und keine Fußgänger, Radfahrer und vor allem Radarmessgeräte vorhanden sind. Oder anders gesagt: Lieber seinlassen!

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Und das nun im Spyder! Hier sind die 100 schon nach knapp drei Sekunden geschafft, nach 7,3 Sekunden auch die 200, selbst bis 300 dauert es keine 20 Sekunden (19,9) und Schluss ist erst bei 345 km/h. Lässt man den Verbrennungsmotor des Hybrid-Modells im Ruhestand, beschleunigen allein die beiden Elektromoren schon in 6,2 Sekunden auf 100 km/h. Alle drei Aggregate zusammen erreichen übrigens eine Systemleistung von 887 PS Und das bei einem angegebenen Durchschnittsverbrauch von 3,1 l auf 100 km. Wer jetzt eines der geplanten 918 Exemplare des Spyder kaufen möchte, sollte entweder mindestens768.026 Euro flüssig haben oder sich mit dem Lottogewinn beeilen, denn 800 Stück sind bereits vergeben.

(Axel Keldenich, der Autor dieses Blogeintrags, arbeitet als freier Journalist für Tageszeitungen und Magazine)