Ein Navi-Diebstahl und seine Folgen

aus Im Auto Mobil

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Objekt der Begierde vieler Diebe: fest eingebaute Navigationsgeräte. Foto: BMW

Der bandenmäßige Aufbruch von Autos und anschließende Diebstahl fest eingebauter Navigationsgeräte hat längst erschreckende Ausmaße angenommen. Allein in Berlin wurden in...

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. Besagter Freund, der sein Geld jahrelang selbst in der Autobranche verdiente und deshalb über ein gewisses Hintergrundwissen verfügt, stellt nun unangenehme Fragen. Ich will mich, wohlgemerkt, nicht in jedem Punkt der Meinung des Bestohlenen anschließen. Aber einmal laut über einige Dinge nachzudenken, die mit den Navi-Diebstählen zusammenhängen, kann sicherlich kein Fehler sein.

1. Der Schaden

Die oft zu Diebesbanden organisierten Täter suchen sich - was leider nur zu verständlich ist - bevorzugt Navigationsgeräte aus, die fest in Premium-Fahrzeuge eingebaut sind. Die können immer noch einen Neuwert von 1000 bis 2000 Euro haben. Im Fall meines Freundes lag das eingebaute Gerät eher in der oberen Preisregion. Also 2000 Euro Schaden? Weit gefehlt. Teurer als der Ersatz des Fährtensuchers wird die Reparatur des Autos. Weil die Täter ein ziemliches Chaos in der Verkabelung anrichten (und das ist naturgemäß jedes Mal der Fall, wenn sie ein Navi aus seiner Verankerung reißen), kommen auf meinen Freund Reparaturkosten von 8000 Euro zu.

2. Die Werkstatt

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Da es mit ein bisschen Lack ausbessern und Kabelneuverlegung nicht getan ist, können die Arbeiten am beschädigten Auto nicht bei einer beliebigen Werkstatt ausgeführt werden. Es muss eine Vertragswerkstatt des Autoherstellers sein. Nur hier kann man ein derart heftig in Mitleidenschaft gezogenes Fahrzeug - und vor allem die Elektronik - fachgemäß wieder in einen 1A-Zustand versetzen. Von Vertragswerkstätten wiederum hört man, dass die goldenen Zeiten immer voller Auftragsbücher lange vorbei seien. Ob man also über die Großreparaturaufträge (egal, was die Ursache für sie ist) extrem unfroh sei, darf bezweifelt werden, meint mein Freund.

3. Die Versicherung

Meinem Freund zufolge sind die Versicherungen den Ärger mit den gestohlenen Navigationsgeräten leid. Angeblich zahlen sie zwar natürlich den Schaden am Auto, leisten aber nicht mehr automatisch vollen Ersatz für das entwendete Gerät. Sollte das stimmen, könnte das zu einer skurrilen Konsequenz führen. Das Ersatz-Navi kauft sich der Geschädigte dort, wo es am günstigsten ist: gebraucht auf dem Flohmarkt, bei Online-Auktionen oder über ähnliche Kanäle. Gut möglich, dass er - wenn auch wahrscheinlich unbewusst - Hehlerware aus einem Autoeinbruch erwirbt.

4. Die Hersteller

Den Herstellern sollte der Diebstahl-Trend eigentlich zu denken geben. Natürlich kann man entsprechende Einbrüche in Autos und das brachiale Herausreißen der Geräte nicht verhindern, man könnte den Tätern ihr Handwerk aber erschweren. Einem Artikel der Berliner Morgenpost zufolge bedienten sich die Täter in der Hauptstadt bevorzugt bei Navis der Automarken VW, Skoda, Seat und Audi. "Diese Fahrzeuge haben alle den gleichen Schacht, in denen die Geräte eingelassen und nicht wie bei anderen Fabrikaten in das Armaturenbrett integriert sind", zitiert die Morgenpost Kriminaloberrat Karsten Gillert. Nur vier Schrauben müssten gelöst werden - und man habe das Gerät in der Hand. Erstaunlicherweise fehlt in der "Hitliste" eine weitere Marke aus dem VW-Konzern. In Porsche-Modellen scheinen die Navigationsgeräte besser gesichert zu sein.