Ein Kuss für den Skoda Octavia RS 245?

aus Im Auto Mobil

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Bei der Präsentation des Skoda Octavia RS in Vallelunga gibt es auch ein Wiedersehen mit Hans Joachim Stuck, der auf dieser Rennstrecke schon früher oft "beruflich unterwegs" war. Foto: Keldenich

Der Skoda Octavia RS 245 - ein Auto zum Verlieben? Das jedenfalls signalisierte der Startplatz zur ersten Ausfahrt mit dem Tschechen vom Flughafen in Rom. Klar und deutlich...

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. Der Octavia RS, der Sportler der Baureihe, der seit knapp 17 Jahren deren Angebotsspitze markiert, ist noch einmal stärker geworden, mobilisiert nun 180 kW/245 PS und offeriert ein maximales Drehmoment von 370 Newtonmeter. Obwohl er damit das stärkste Serienmodell in Skodas 122-jähriger Geschichte ist, liegt ihm optisches Protzen nicht. Außen gibt es nur das RS-Logo, den schwarzen Grillbereich und zweifarbige 19-Zoll-Räder. Genau so dezent geht es Innen zu, wo das Sinnvollste auch das Attraktivste ist: In die Sportsitze setzt man sich rein und ist zu Hause.

Auch weiter hinten sieht´s gut aus, wo der 4,69 Meter lange RS 245 Kombi mit 610 Liter Kofferraumvolumen (ausbaubar auf bis zu 1.470 Liter) seine Alltagstauglichkeit unterstreicht. Überhaupt ist auch er ein Beispiel dafür, dass Skodas Claim „Simply clever“ mehr als nur ein Slogan ist. Da gibt es zum Beispiel den kleinen Müllsammler in der Türablage, die Taschenlampe, die wendbare Matte und nicht zuletzt den Regenschirm in der Tür, auf den Rolls Royce so gerne voller Stolz verweist. Wer hat’s erfunden? Richtig: Die Tschechen. An der Rennstrecke angekommen, gibt es erst einmal ein großes Hallo, das nur am Rande mit dem Auto zu tun hat. Skoda hat als Instruktor für die Runden auf dem Rundkurs Motorsport-Altmeister Hans Joachim „Strietzel“ Stuck verpflichtet und der entdeckt in der Journalistengruppe seinen alten Rivalen aus dem Tourenwagensport Klaus Niedzwiedz.

Motorsport macht "Strietzel" nicht mehr

Da geht es denn auch prompt kurz in die Vergangenheit. Stuck erinnert sich an seinen ersten Vallelunga-Besuch 1974 zum EM-Lauf der Formel 2 auf einem March-BMW. „Abenteuerlich ging’s da zu, vor allem, was den Zustand der Strecke anging.“ Zehn Jahre später war es dann schon zivilisierter, als er einen Porsche 962 der Gruppe C pilotierte. Später war er mit Audi öfter zum Testen hier. Motorsport macht er nicht mehr. Das hat er Ferdinand Piech vor drei Jahren versprochen, daran hält er sich. Und das obwohl seine Söhne ihn kürzlich drängten noch einmal ein 24-Stunden-Rennen mit ihnen zu fahren.

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Aber zurück in die Gegenwart. Da gibt es Fabian Kreim, den amtierenden Deutschen Rallye-Meister auf seinem Skoda Fabia R 5. Ihn nahmen die beiden „Alten Herren“ für ein Foto in ihre Mitte, ehe der Strietzel seines Amtes waltete. Mit ihm im Führungsfahrzeug ging es auf die Runde, wo der Skoda Octavia RS 245 seine Stärken zeigen durfte. Da hatten dann die sonst hochwillkommenen Dinge wie mobile Online-Dienste zwecks Navi, Info und Unterhaltung Pause, während alle gängigen Assistenten an Bord und das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe sich einsatzbereit meldeten. Aber natürlich kann man dieses auch „überstimmen“ und per Lenkradwippen selber schalten.

Die Limousine ist im Sprint noch schneller

So oder so braucht der RS 245 auf seinen Niederquerschnittreifen der Dimension 225/35-R19 genau 6,7 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h (als Limousine noch 0,1 Sekunde weniger). Schluss mit Vorwärtsdrang ist bei 250 km/h, wobei Skoda einen Verbrauch von 6,6 Liter auf 100 Kilometer angibt. In der Praxis tendierte der Wert allerdings gegen zehn. Straßenlage und Lenkung verdienen Bestnoten, die sie auch abseits der Rennstrecke auf der Landstraße bestätigen. Das hat natürlich seine Gründe, als da unter anderem wären: das um 15 Millimeter abgesenkte Fahrwerk, die Spurverbreiterung um 30 Millimeter an der Hinterachse oder die hinteren 350- Millimeter Bremsscheiben und schließlich das Vorderachsdifferenzial, das in Kurven die Antriebskraft im Maximalfall komplett an das äußere Antriebsrad leitet. All das hat natürlich seinen Preis. Die Liste für den Skoda RS 245 beginnt bei 34.000 Euro.

Am Ende des Tages bot Skoda dann noch das Kontrastprogramm zum ebenso wohlerzogenen wie kraftvollen RS 245. Auf dem Beifahrersitz eines Rallye-Fabia-R5 ging es offroad rund. Quatsch, da war nix rund! Das Ding steht vor jeder Kurve quer und überfliegt Kuppen, dass der Rücken bei der Kontaktaufnahme mit Mutter Erde ständig Alarm gibt. Ein Erlebnis der ganz anderen Art, das nicht nur Spaß machte, sondern auch die Qualitäten des RS 24e5 noch einmal in Erinnerung rief. Also was nun, Kiss zum Abschied? Nee lieber doch nicht. Aber einen liebevollen Klaps auf die Motorhaube habe ich ihm schon gegeben.

(Axel Keldenich, der Autor dieses Blogeintrags, arbeitet als freier Journalist für Tageszeitungen und Magazine.)