Der geneigte Fahrer staunt: Das S-Klasse Coupé legt sich in...

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Dass die Kurvenneigungstechnik im Simulator funktioniert, ist keine große Überraschung. Tatsächlich bewährt sich die Technik aber auch im "Echtbetrieb". Foto: Chowanetz

Motorrad- und Skifahrer machen es vor: Sie legen sich in die Kurven, um die Querbeschleunigungskräfte zu reduzieren. Autofahrer können das jetzt auch - wenn sie sich das neue...

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. Als die neue S-Klasse im vergangenen Jahr debütierte, sorgte eine Funktion besonders für Furore: Die Active Body Control (ABC), oder wie sie fortan hieß Magic Body Control, analysierte die vorausliegende Wegstrecke und passte die Dämpfer so an, dass Erschütterungen durch Unebenheiten, kleine Schlaglöcher und - Kollegen probierten es natürlich sofort aus - sogar von Bremsschwellen (für Niederländer: Drempels, für Anglophile: sleeping policemen) in verkehrsberuhigten Zonen komplett geschluckt wurden. Der Fahreindruck war so sensationell, dass die Tester der mit dem System ausgestatteten S-Klasse den Spitznamen "Magic Carpet" verpassten.

Neigung bis zu 2,65 Grad

Doch den Ingenieuren war diese Meisterleistung (man kann sie so nennen, ohne rot zu werden) noch nicht genug. Wenn jetzt das S-Klasse Coupé an den Start geht, wird die Magic Body Control noch ergänzt um eine Technik, wie es sie laut Mercedes bei Serienfahrzeugen bisher so noch nicht gegeben hat: Wie ein Motorrad- oder Skifahrer legt sich die tonnenschwere Karosse in die Kurve. Das zwar "nur" um bis zu 2,65 Grad, der Effekt ist aber weitaus größer, als es die bloße Zahl vermuten ließe. Eigentlich nämlich würde sich das Fahrzeug in der Kurve leicht nach außen neigen. Stattdessen verringert sich die auf Fahrer und Mitfahrer wirkende Querbeschleunigung, in etwa so, als würde man eine Steilkurve durchfahren. Die Pressemappe beschreibt den Effekt so: "Die Passagiere sitzen satter im Sitz." Satter, so, so. Klingt fast so, als würde die Technik auch gegen ein Hungergefühl auf Reisen helfen…

Keine zusätzliche Hardware nötig

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Aber Scherz beiseite: Das Kurvenneigungssystem ist tatsächlich beeindruckend, besonders, wenn man einen Blick hinter die Kulissen wirft. Denn die Technik kommt, das dürfte ein weiteres Novum in der Jagd nach immer neuen Funktionen der Assistenzsysteme sein, ohne zusätzliche Hardware aus. Alles, was das Coupé braucht, um sich in die Kurve zu legen, ist dank Active (oder Magic) Body Control ohnehin an Bord: Die Stereokamera hinter der Frontscheibe analysiert die Straße sozusagen in 3D auf 15 Meter im Voraus, der Querbeschleunigungssensor des ABC-Systems steuert seine Daten bei - und schon ist eine Kurve erkannt. Die Pressemappe erklärt en detail, wie es dann weitergeht: Es müssen die Fußpunkte der in die ABC-Federbeine integrierten Stahlfedern durch Plungerzylinder auf der einen Fahrzeugseite angehoben, auf der anderen abgesenkt werden, um sich in die Kurve zu legen.

Komfortgewinn als Ziel

Ich als, Achtung: Wortspiel, geneigter Leser mag nach der Theoriestunde gar nicht glauben, dass dieses Prinzip tatsächlich funktionieren kann. Auch die Simulatorfahrt hinterlässt mich skeptisch. Simulieren lässt sich viel. Bei einer kurvenreichen Fahrt mit einem S-Klasse Coupé bestätigt sich aber das Prinzip auch in der Praxis. Doch, Achtung: noch ein Wortspiel, der Dämpfer folgt sofort. Die Kurvenneigung sei, so Mercedes Fahrwerkentwickler Magnus Rau, nicht etwa dazu da, um für höhere Kurvengeschwindigkeiten und damit sportlichere Fahreigenschaften des Coupés zu sorgen. Ziel sei vielmehr ein Komfortgewinn für Fahrer und Passagiere.