Continental: Verkehrssicherheit statt Fussball

aus Im Auto Mobil

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Auch von Continental veranstaltete Fahrertrainings sollen das Bewusstsein für den richtigen Reifendruck und ausreichendes Profil beim Pneu schärfen. Foto: Continental

Continental und Fußball-Sponsoring, das gehört seit Jahren zusammen wie Autoreifen und Kautschuk. Nun aber möchte der Hannoveraner Hersteller in der Öffentlichkeit nicht...

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. „Wettbewerb investiert massiv in Fußball-Sponsoring – Alleinstellung kann mittel- bis langfristig nicht mehr aufrechterhalten werden“ - fast klingt die Aussage, die der Reifenhersteller Continental auf einer Präsentationsfolie formuliert, ein wenig empört. Überlässt man also der Konkurrenz das (Fußball-)Feld? Ja und nein. Tatsächlich ändern die Hannoveraner die Art, wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden wollen. Das sei aber ohnehin ein logischer Schritt in der Langfrist-Strategie. Die sei zunächst darauf angelegt gewesen, heißt es aus Hannover, für einen hohen weltweiten Bekanntheitsgrad der Marke zu sorgen. Der liege jetzt weltweit bei mehr als 80 Prozent – Mission also erfüllt. Nun wolle der Hersteller an einer Welt ohne Verkehrsunfälle mitarbeiten – Vision Zero nennt er das Projekt.

Zuletzt gar keine Unfalltoten mehr

„Die Reifen sind die einzigen Bestandteile des Autos, die mit der Straße in Verbindung kommen“, sagt Continental-Pressesprecher Alexander Bahlmann. Eine Binsenweisheit, zugegeben, aus der der Hersteller aber die Verpflichtung ableitet, seinen Teil zu mehr Verkehrssicherheit beizutragen. Die Kampagne „Vision Zero“ sagt bereits mit dem Namen aus, wohin die Reise geht. Zunächst soll es auf den Straßen keine Verkehrstoten, später keine Verletzten und schlussendlich überhaupt keine Unfälle mehr geben. Continental ist mit der „Vision Zero“ beileibe kein Einzelkämpfer. Auch die EU peilt für das Jahr 2020 eine Halbierung der Opferzahlen im Straßenverkehr gegenüber 2010 an – und parallel dazu haben die Vereinten Nationen ein gleichlautendes Ziel formuliert.

Wann überprüft man schon den Reifendruck?

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Der Hannoveraner Hersteller spricht, was die Reifensparte angeht, von einer weltweiten Aufklärungsaktion. Denn während die hauseigene Automotive-Sparte ebenso wie die Konkurrenz mit Entwicklungen wie Antiblockiersystem (ABS), Stabilitätsprogramm ESP und Airbag sowie Assistenzsystemen wie Abstandshalter/ACC oder Spurhaltehilfe zu mehr Sicherheit im Fahrzeugverkehr beitragen, wollen die Pneu-Macher vor allem das Verständnis dafür wecken, dass in Bezug auf Reifen der Fahrer alle Trümpfe in der Hand hält – oder sich, um im Bild zu bleiben, lebensgefährlich verzocken kann. Auf der Hand liegt, dass, wer mit abgefahrenen Reifen unterwegs ist, sein Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden, deutlich erhöht. Weniger im Bewusstsein sei allerdings, so Continental-Pressesprecher Alexander Bahlmann, dass auch ein falscher Reifendruck gefährliche Konsequenzen haben kann – etwa durch eine deutliche Verlängerung des Bremsweges. Bahnmann nennt zwei Beispiele: „Ein Auto mit Sommerreifen, die die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm haben, braucht bei einer Bremsung auf nassem Asphalt bei Tempo 80 fast 61 Meter, bis er steht. Bei einer Profiltiefe von 3 mm ist der Bremsweg neun Meter kürzer. Ist ein Mittelklassewagen mit einem Reifendruck von 1,6 statt der vom Hersteller empfohlenen 2,1 bar Reifendruck unterwegs, erhöht sich der Bremsweg aus Tempo 100 km/h bei Nässe um mehr als zehn Prozent von 51 auf 57 Meter.“ (Wer an dieser Stelle entnervt abwinkt, weil diese Information ja wieder und wieder verbreitet wird, sollte sich übrigens fragen, wann er zuletzt den Luftdruck in den Autopuschen überprüft hat).

Sicherheitsaspekte sind nachrangig

Warum man von „Vision Zero“ hierzulande noch längst nicht so viel hört wie vom eingangs erwähnten Fußball-Sponsoring der Hannoveraner? Erste Schwerpunkte der Aktion hätten auf den bevölkerungsreichen Schwellenländern gelegen, sagt Bahlmann. Hier sei der Einsatz von möglicherweise lebensrettenden Fahrzeugtechniken längst nicht so weit verbreitet wie in Europa: „In vielen Ländern wird erst jetzt über den verpflichtenden Einsatz von ESC diskutiert.“ Die meisten Menschen in diesen Ländern seien froh, sich überhaupt ein Auto leisten und damit an der allgemeinen Mobilität teilnehmen zu können. Sicherheitsaspekte seien da nachrangig.

In jedem dritten Fahrzeug hierzulande kein ESP

Für uns im Assistenzsystem-Schlaraffenland Deutschland gibt es allerdings keinen Grund, abfällig in jene Schwellenländer zu schauen. Continental sieht auch hierzulande nennenswerte Sicherheitsrisiken durch fehlende Unfallvermeidungstechnik. In Deutschland seien, sagt Bahlmann, auch heute noch mehr als zehn Prozent aller Pkw ohne Antiblockiersystem (ABS) unterwegs und damit im Falle einer Vollbremsung nicht lenkbar. Das Stabilitätsprogramm ESP fehle gar noch in jedem dritten Auto, obwohl es seit 2015 in jedem Neuwagen Pflichtausstattung sei. Automatische Notbremsassistenten oder Abstandsregeltempomaten, seit zehn Jahren verfügbar, gebe es nur in jedem zehnten Pkw.