Auch Lkw sollen immer sicherer werden

aus Im Auto Mobil

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Trotz eines heftigen Ausweichmanövers bricht bei diesem Sprinter der Hänger nicht aus - hierfür sorgt der Stabilitätsassistent. Foto: Daimler

Ein wenig erinnert es an einen alten Werbespot aus den Frühzeiten des Airbags, als ein Autofahrer, am Lenkrad sitzend, alle Vorzüge des Lebensretters aufzählt, während seine...

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. Wir haben uns daran gewöhnt, dass sich Autohersteller darum bemühen, für Pkw-Fahrer das Leben auf den Straßen immer sicherer zu machen. Die jetzt schon endlos erscheinende Liste der aktiven und passiven Sicherheitssysteme in einem modernen Wagen wächst mit jedem Facelift, jedem Generationswechsel um weitere Punkte. Was aber ist mit dem kommerziellen Verkehr auf unseren Straßen, was ist mit mit dem Handwerker-Nutzfahrzeug, dem Lkw, dem Bus?

Verkannte Gefahr

Wer an dieser Stelle - wie in dem Werbespot von anno dazumal - abwinkend fragt "Was soll schon mit Brummi & Co. sein?", verkennt die Gefahr: Ein 40-Tonnen-Truck mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h hat die kinetische Energie eines Pkw mit 400 km/h. Wenn ein solches Geschoss auf ein Stauende zufährt, wünschen sich wohl nicht nur die Insassen in den Pkw ganz hinten in der Warteschlange, dass der Lkw noch rechtzeitig zum Stehen kommt.

Vision vom unfallfreien Fahren

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Um zu zeigen, welche Bedeutung das Unternehmen der aktiven und passiven Sicherheit in kommerziellen Fahrzeugen beimisst, veranstaltete Daimler ("Der Erfinderdes Autos und des Lkw", wie Daimler-Vorstand Trucks und Busse bei seiner Eröffnungsrede anmerkte) in Berlin einen "Campus Safety". Laut Bernhard gebe es ebenso wie im Pkw-Bereich bei den Nutzfahrzeugen die Vision vom unfallfreien Fahren - und Schritt für Schritt nähere man sich diesem Ziel an. Zwischen 2000 und 2011 habe in der EU die Transportleistung von Lkw um 15 Prozent zugenommen, die Zahl der Unfälle mit Todesfolge sei aber im gleichen Zeitraum um 60 Prozent gesunken.

Notbremsassistent auch für Trucks

Um bei dem 40-Tonnen-Truck zu bleiben, der sich einem stehenden Hindernis nähert: Hier bietet Mercedes für Nutzfahrzeuge - analog zu Pkw - einen Notbremsassistenten an. Der erkenne, so Bernhard, wenn der Abstand zum nächsten Fahrzeug zu gering wird und bremst den Lkw falls notwendig bis zum Stillstand ab. Da das Szenario des Auffahrunfalls mit Lkw-Beteiligung bei schweren Nutzfahrzeugen die häufigste Unfallursache ist, kann man sich leicht ausmalen, wie sicherheitsfördernd ein solcher Notbremsassistent ist.

Spektakuläres Ausweichmanöver

Der Campus Safety zeigte allerdings auch, dass der Fahrer sich auf diese Systeme einlassen muss. In einer Live-Präsentation rast also der Bus auf eine stehende S-Klasse zu - und macht im letzten Moment ein spektakuläres Ausweichmanöver (bei dem man kein Passagier in dem Gefährt hätte sein wollen...), statt automatisch zu bremsen. Experten werden später erklären, dass der Fahrer davon ausgegangen sei, der Notbremsassistent würde den Bus nicht mehr rechtzeitig zum Halten bringen und sich deshalb zum Ausweichmanöver entschlossen habe. Damit aber sei der elektronische Helfer übersteuert worden, der daraufhin seine Funktion eingestellt habe. Fahrmanöver der Person hätten immer, IMMER, Vorrang vor computergesteuerten Eingriffen.

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Seitenwindassistent serienmäßig

Bleiben wir bei den Ausweichmanövern. Wer in ein kleines Nutzfahrzeug, beispielsweise einen Sprinter, einsteigt und angesichts der möglicherweise tonnenschweren Nutzlast hinter sich kein mulmiges Gefühl hat, hat vermutlich im Physikunterricht nicht aufgepasst. Was passiert bei einem Ausweichmanöver, wenn ein wegen der Nutzlast veränderter Schwerpunkt auf das Fahrverhalten einwirkt? Die beruhigende Antwort ist inzwischen allerdings: nichts. Bei Vorführungen mit unterschiedlich beladenen Transportern simuliert der Fahrer ein abruptes Ausweichmanöver - so heftig, dass der Gurt des Beifahrers schmerzhaft in die Schulter schneidet. Der Wagen allerdings bleibt treu in der Spur - sogar dann, wenn er einen Anhänger zieht. Spektakulär ist auch der Seitenwindassistent, der seit 2013 in der V-Klasse serienmäßig verbaut ist. Während ein nicht so ausgestatteter Van von einer plötzlichen Seitenbrise auf die Nachbarspur gedrückt wird, fährt der Mercedes-Van unbeirrt weiter. Da sich die Vans an der Schnittstelle zum Pkw befinden, kommen hier auch viele Sicherheitssysteme der kleineren "Kollegen" zum Einsatz: Spurhalte- und Totwinkelassistenten sind hier ebenso Serie oder optional zu haben wie Abstandswarnassistenten oder Müdigkeitswarner.

Rückspiegel groß wie Elefantenohren

Vom Van zum Riesen-Truck: Hier arbeitet Daimler an der Mirror-Cam-Technologie. Die heutigen Rückspiegel, die, so Bernhard, groß seien wie Elefantenohren, würden durch Monitore ersetzt, auf die Kameras den Blick nach hinten einspielen. "Wir leiten aus dem ganz normalen Verkehrsalltag ab, was wirklich hilft", sagt Bernhard. Diesen Satz hätte auch ein Kollege aus der Pkw-Sparte von sich geben können.