Acht Euro Spritkosten für 363 Kilometer

aus Im Auto Mobil

Thema folgen
Mit diesem Fahrzeug ging es auf die Strecke von Berlin nach Prag.  Foto: Skoda

Seltsame Szenen neulich auf der Autobahn von Berlin nach Prag. Fast ein Dutzend Octavias von Skoda fährt kilometerlang geduldig hinter Lastwagen her, anstatt auf die linke Spur...

Anzeige

. Von Axel Keldenich

"Kannsse mir ma jrade acht Euro zum Tanken pumpen? Ick muss neemlich nach Prag." Die spinnen, die Berliner? Hab‘ ich auch geglaubt, bevor wir zu acht Motorjournalisten genau diese Tour angetreten haben. Startpunkt war eine CNG-Tankstelle in Berlin-Mitte, wo die Erdgastanks unserer absolut identischen Skoda Octavia G-TEC randvoll getankt wurden. Gestrenge Beobachterin der Aktion war eine Dame von der "International Police Motor Corporation". Sie kontrollierte das Ganze mit Argusaugen und versiegelte dann die Tankdeckel. Jetzt ging es auf eine Waage, wo Fahrer und Auto gewogen wurden. Der Schwerste wurde zum Maß der Dinge, alle anderen per Sandsäcken und Wasserballast auf dessen Gewicht gebracht.

Wer unterbietet den Sparweltmeister?

Und schon ging es los zur Sparfahrt unter dem Motto "Schlag den Plattner". Den österreichischen "Sparweltmeister" hatten die Skoda-Leute als neunten Mann im Team engagiert. Ziel, siehe oben, war das exakt 363 Kilometer entfernte Prag. Gefahren wurde die gesamte Strecke nur mit dem Gasvorrat, der Zugang zum 60-Liter-Benzintank blieb den Probanden verwehrt. Die Schlauen hatten deshalb schon vorher ganz unauffällig ein wenig Smalltalk mit Gerhard Plattner gehalten, in der Hoffnung, den ein oder anderen Tipp zur günstigsten Fahrweise aus ihm herauszuholen.

Anzeige

Windschatten eines Lkw suchen

Der alte Fuchs hatte den Braten natürlich gerochen und zwar dies und das preisgegeben, dabei aber die "Geheimtipps" gleichmäßig gestreut. Früh hochschalten, lieber langsam ausrollen als bremsen und - das hatte er jedem hinter vorgehaltener Hand verraten - am besten den Windschatten eines Lkw suchen. Was dazu führte, dass auf den Straßen Richtung Südosten in den nächsten viereinhalb Stunden mehr als ein Brummi-Kapitän an seinem Verstand zweifelte. Im CB-Funk gab es in der Region an diesem Nachmittag nur ein Thema: die weißen Skodas, die sich hinter die Lkw klemmten und zig Kilometer lang keine Anstalten machten, zu überholen. "Fahren Polizei oder Zoll jetzt Skoda?" "Da klaut doch nicht etwa jemand Ladung während der Fahrt?"

Geballte Faust aus dem Führerhaus

Nein, war alles ganz harmlos, wirkte aber wohl echt unheimlich, weil wir alle natürlich auch etwas näher auffuhren als man das eigentlich sollte. Dadurch sahen unsere Vorderleute uns mitunter nicht mal in ihren Spiegeln. Mein Schattenspender, ein holländischer Viehtransporter, war es kurz vor der tschechischen Grenze Leid. Er bremste erst auf Schritttempo runter und dann zum kompletten Stillstand. Als ich daraufhin notgedrungen überholte, drohte mir aus dem Führerhaus eine geballte Faust. Ich glaube, der gestreckte Mittelfinger blieb mir nur deshalb erspart, weil der Fahrer eben doch noch rätselte, ob ich vielleicht ein Polizist sein könnte.

Nur Augen für den Bordcomputer

Anzeige

Ich selbst hatte derweil nur Augen für den Bordcomputer meines Octavia, der mir laufend den aktuellen und den Durchschnittsverbrauch zeigte. Bis zum ersten Zwischenstopp war ich damit sehr zufrieden, denn ich lag mit 3,1 Kilogramm CNG pro 100 Kilometer tatsächlich unter dem von Skoda angegebenen Normwert von 3,5 Kilo. Aber dann die Ernüchterung beim Erfahrungsaustausch: Die meisten Kollegen meldeten 3,0 oder 2,9, einer sogar 2,6. Also noch einmal ran an die Aufgabe. Ah ja, was hatte der Plattner Gerhard mir noch verraten? Zu langsam fahren, erhöht den Verbrauch sogar wieder. Also suchte ich mir jetzt statt eines Lastwagens einen Bus, weil die meistens so mit rund 100 Sachen unterwegs sind. Und siehe da, bis zum nächsten Stopp war ich immerhin runter auf 3,0. Und so blieb das auch bis zum Ende.

Gewinn: Ein Citigo für den guten Zweck

A propos Ende: Beim finalen Tanken, nachdem fünfeinhalb Stunden nach dem Start die Siegel feierlich erbrochen worden waren, fand ich mich auf Platz acht von acht wieder, obwohl die Zapfsäule die 3,0 des Bordcomputers sogar auf 2,82 korrigierte, Leider war sie aber zu allen Konkurrenten genauso nett, so dass der Sieger bei 2,37 landete. Bei den günstigen Preisen in Tschechien kostete sein Nachtanken umgerechnet exakt 8,02 Euro. Genau das hätte er aber auf einer Privatfahrt gar nicht nötig gehabt, denn unsere Gastanks waren noch lange nicht leer und mit dem ja auch noch vorhandenen Benzinvorrat an Bord wären wir noch runde 1.300 Kilometer weiter gekommen. Jetzt hatte er aber Dringenderes zu tun, denn er war der Gewinner des ausgelobten Skoda Citigo G-TEC, der nun einer von ihm ausgewählten karitativen Organisation zukommt. Mir bleibt die verblüffende Erkenntnis, wie günstig man fahren kann und ich verspreche, nie wieder Brummi-Fahrer zu verwirren.

(Axel Keldenich, der Autor dieses Blogeintrags, arbeitet als freier Journalist für Tageszeitungen und Magazine)