SPD setzt auf mobiles Quartiersbüro

Die Wähler der AfD seien oft unzufrieden mit dem politischen System – darauf will die SPD reagieren. „Die Ansprache an die Menschen verändert sich“, sagt Generalsekretär Lars Klingbeil. Archivfoto: dpa

Die rheinland-pfälzische SPD möchte keine Wähler mehr an die AfD verlieren. Mit einem Bus geht die Partei nun auf Reisen, Ziel sind dabei die Gemeinden mit hoher AfD-Quote.

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MAINZ. Rund eine halbe Million Wähler sind bei der Bundestagswahl 2017 von der SPD zur AfD abgewandert – weder an Linke noch an Grüne verloren die Sozialdemokraten im Saldo so viele Stimmen. Besonders viel Zustimmung zieht die Rechtspartei immer wieder aus den Reihen der Nichtwähler. Bei der Landtagswahl 2016 in Rheinland-Pfalz zeigte sich dieses Muster ebenfalls, neben früheren CDU-Wählern waren Nicht- und SPD-Wähler die stabilste Wachstumsbasis der „Alternative“. Darauf will die SPD nun mit einem mobilen Quartierbüro reagieren.

Zehn Standorte sollen angefahren werden

In Ludwigshafen-Gartenstadt gibt es bereits ein sogenanntes Nachbarschaftszentrum, mit dem die SPD gegen Politikverdrossenheit und Wähler-Flucht angehen will. Vertrauen zurückgewinnen, als Kümmerer vor Ort auftreten, in Alltagsfragen behilflich sein, positive Identifikation aufbauen, darum geht es. Offenbar machte man damit gute Erfahrungen, denn nun hat die rheinland-pfälzische SPD einen Bus auf Reisen geschickt, der zunächst zehn Standorte im Land anfahren soll – jeweils zweimal im Monat, für ein bis drei Tage. Dort, wo die AfD besonders viele Stimmen holt, weniger Menschen wählen gehen, die SPD früher stark war und die soziale Lage diffizil ist.

„Wir wollen bei den täglichen Herausforderungen helfen und präsent sein“, sagt Klaus Beißel, der das Quartierbüro in Ludwigshafen geleitet hat und nun mit dem Bus durchs Land fahren wird. In Mainz-Mombach ging es los, Donnerstag und Freitag steht Kaiserslautern im Plan, kommende Woche folgen Frankenthal, Worms-Neuhausen und Alzey, später dann Kusel, Lahnstein, Trier-West, Neuwied-Heddesdorf und Germersheim-Sondernheim – dort, wo die AfD bei der Bundestagswahl mit 22,1 Prozent ihr landesweit bestes Ergebnis geholt hatte. Präsent und ansprechbar sein will die SPD jeweils mit ihren Ortsvereinen und lokalen Kandidaten, und sie will aufsuchen, von Tür zu Tür gehen. Das Projekt ist einstweilen bis zur Landtagswahl geplant.

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„In Ludwigshafen haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Menschen mit den unterschiedlichsten Anliegen zu uns kommen“, sagt Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Nun soll das Konzept ausgeweitet werden. Die Landeschefin erhofft sich dabei auch ein kritisches Feedback. Denn dass sich die SPD schwer tut, ihre verloren gegangenen Wähler zurückzugewinnen, zeigen die Umfrage- und Wahlergebnisse seit Jahren. Rechtsextreme Parteien treten gern als Kümmerer vor Ort auf. Und die Wähler der als rechtspopulistisch eingeschätzten AfD sind häufig unzufrieden mit dem politischen System, fühlen sich von den etablierten Parteien allein gelassen. Darauf will die SPD reagieren. „Wir müssen als Politik realisieren, dass sich die Ansprache an die Menschen verändert“, sagt Generalsekretär Lars Klingbeil.