Missstände in Frankenthaler Seniorenheim: Pflegekasse hat...

Das Altera Senioren-Domizil in Frankenthal arbeitet an der Beseitung der Mängel, sagt die Geschäftsführung.Fotos: Screenshot/vrm  Foto:

Das Seniorenheim „Altera“ in Frankenthal steht nach schweren Vorwürfen unter verschärfter Beobachtung. Wie Detlef Placzek, Präsident des Landessozialamtes, unserer...

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FRANKENTHAL. Das Seniorenheim „Altera“ in Frankenthal steht nach schweren Vorwürfen unter verschärfter Beobachtung. Wie Detlef Placzek, Präsident des Landessozialamtes, unserer Zeitung sagte, habe es mittlerweile auch eine Anhörung der Pflegekassen im Seniorenheim gegeben. Schlimmstenfalls könnten diese die Versorgungsverträge kündigen. Das hätte zur Folge, dass „Altera“ kein Mitglied einer gesetzlichen Pflegekasse mehr aufnehmen dürfe – was faktisch das Aus des Seniorenheims wäre.

Diese Zeitung hatte vor wenigen Tagen exklusiv über Missstände in dem Heim berichtet. So hatte eine Angehörige, deren 92-jährige Mutter mehrere Tage mit unbehandeltem Armbruch im Heim war, im Januar Strafanzeige erstattet. Der Bruch war eher zufällig von einer Ärztin entdeckt worden, die einen Routinebesuch machte.

Es geht um den Vorwurf der Misshandlung Schutzbefohlener. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal will sich voraussichtlich in der kommenden Woche dazu äußern. Die Angehörige hatte erklärt, die Zustände in dem Heim seien „unerträglich und nicht tragbar“. Wie berichtet, hatte es in den vergangenen Jahren mehrfach Beschwerden von Angehörigen und Heimbewohnern gegeben. Im Januar hatte das Landessozialamt bei einer Prüfung „gravierende Mängel in der Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner“ festgestellt.

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Landesamt war mehrfach vorstellig geworden

Konkret seien Mängel in der Behandlungspflege, der Wundversorgung und im Medikamentenmanagement festgestellt worden. Altera-Geschäftsführer Christian Schaffhauser hatte auf Anfrage dieser Zeitung erklärt: „Wir haben aufgrund von Personalengpässen immer wieder Probleme im pflegerischen Bereich.“

Medizinischer Dienst (MDK) und Landessozialamt waren mehrfach im Seniorenheim vorstellig geworden. Aktuell gilt erneut ein Aufnahmestopp für neue Bewohner bis Ende Juni. Vorgaben aus Mainz, von der Behörde Placzeks: Die vakanten Posten des stellvertretenden Leiters sowie des Pflegechefs müssen unverzüglich besetzt werden. Bei den Mitarbeitern muss eine Fachkräftequote von 55 Prozent eingehalten werden. Dienstpläne müssen monatlich vorgelegt werden, Personal muss fortgebildet werden, ein Qualitätsmanagement aufgebaut werden – mit externer Unterstützung. Das Ganze werde, wie eine Sprecherin sagte, „engmaschig“ überwacht. Das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung will damit wohl auch signalisieren: Wir haben unseren Job gemacht, nun müssen andere ihn auch machen.

Wie diese Zeitung berichtet hatte, lebt die 92-Jährige mittlerweile in einem anderen Heim. Vor dem Wechsel war die Dame noch knapp an einer Lungenentzündung vorbeigeschrammt.

Von Markus Lachmann