Das Philosophicum II ist fertig, doch an der Uni Mainz gibt es...

In Rekordzeit geplant und errichtet, Kostenrahmen eingehalten: Das Philosophicum II ist das erste größere Bauprojekt, das die Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität ohne fremde Hilfe selbst verwirklicht hat. Die Beteiligten sind rundum zufrieden.    Foto: Harald Kaster  Foto: Harald Kaster

Die Einweihung eines frisch errichteten Neubaus ist gewöhnlich ein rundum erfreulicher Anlass, zu dem man einen Vertreter der Landesregierung nicht lange bitten muss. Während...

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MAINZ. Die Einweihung eines frisch errichteten Neubaus ist gewöhnlich ein rundum erfreulicher Anlass, zu dem man einen Vertreter der Landesregierung nicht lange bitten muss. Während der kleinen Feierstunde anlässlich der Fertigstellung des Philosohicums II am Montag vernahm Wissenschaftsminister Konrad Wolf allerdings auch kritische Töne.

Zwar lindert der in Rekordzeit geplante und errichtete Neubau fürs Erste die anhaltende Raumnot bei den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Dennoch ist gerade aus Sicht dieser Disziplinen noch einiges abzuarbeiten auf dem Campus der Johannes-Gutenberg-Universität. Darunter der überfällige Neubau der hoffungslos maroden zentralen Universitätsbibliothek sowie die nicht minder dringliche Generalsanierung des ebenfalls arg in die Jahre gekommenen Philosophicums. Den Dekan des Fachbereichs Philosophie und Philologie, Germanistik-Professor Stephan Jolie, inspirierte das neue Philosophicum II zu dem Satz: „Es ist nur ein Tropfen. Und der Stein, auf den er fällt, ist groß.“

Dass der Tropfen überhaupt fiel, ist vor allem dem pragmatischen Denken der Universitätsleitung sowie der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Immobilienabteilung der Universitätsverwaltung zu verdanken. Denn das Philosophicum II ist das erste bauliche Großprojekt, das die Uni vollständig alleine geplant und verwirklicht hat, ohne dafür die Dienste des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) in Anspruch zu nehmen, der solche Aufgaben gewöhnlich übernimmt. Als die Uni vor etwa zwei Jahren mit dem Vorhaben an den LBB herangetreten sei, habe es geheißen, es sei nicht genug Personal da, um die Maßnahme in der erforderlichen Schnelligkeit anzugehen und umzusetzen, berichtet Universitätspräsident Georg Krausch. Daraufhin sei eben der Beschluss gefallen, es selbst zu machen.

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Bauen ohne Landesbetrieb – ein Modell für die Zukunft?

Schon vor dem Philosophicum II hatte die Uni im vorigen Jahr ein kleineres Projekt ohne den LBB realisiert: den unterirdischen Erweiterungsbau der Kernchemie für das Zyklotron, einen 50 Tonnen schweren Teilchenbeschleuniger. Ebenfalls in Eigenregie stemmt die Uni einen Neubau, dessen Dimension das Philosophicum II weit übertrifft: den rund 40 Millionen Euro teuren ersten Bauabschnitt des BioZentrums, das künftig alle auf dem Campus verteilten Bereiche der Biologie aufnehmen soll. Noch im März wird Richtfest gefeiert.

Das Vorgehen der Uni sei „aus der Not geboren“, sagt Krausch. Ein Modell, das auch für andere Institutionen taugt, sieht er im Bauen ohne LBB nicht. Noch nicht: „Wenn es weiter gut funktioniert, dann vielleicht.“ Allerdings sieht er auch die Gefahr, dass bei anhaltendem Erfolg die Uni zunehmendem Druck ausgesetzt sein könnte, weiter und immer häufiger als Bauherr tätig zu werden und dass dies dann schnell die eigenen Möglichkeiten überreizen könnte.

Minister Wolf zog es vor, die Thematik „Bauen ohne LBB“ im offiziellen Teil von sich aus nicht anzusprechen, lobte stattdessen das Philosophicum II als „wichtiges Signal für die Anerkennung der Geistes- und Sozialwissenschaften“ sowie als „hervorragende Investition in die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft“.

„Teile des Campus sehen aus wie die hintere Bronx“

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Von einer solchen Investition ist das alte Philosophicum gleich nebenan offenbar noch weit entfernt. Das Gebäude befinde sich „in einem „beklagenswerten Zustand“, sagte Jolie. Der Ethnologe und Soziologe Thomas Bierschenk, Dekan des Fachbereichs Geschichts- und Kulturwissenschaften, sieht den Bau aus den 60er Jahren sogar „in einer Reihe von Schrottimmobilien, die längst hätten abgerissen werden können, und die die neuen Gebäude auch ästhetisch runterziehen“, wie er dieser Zeitung sagte. „Teile des Campus sehen ja mittlerweile aus wie die hintere Bronx – die Bronx der Filme aus den 1980er Jahren, wohlgemerkt.“ Der Präsident und die Kanzlerin sähen das im Prinzip genauso, seien aber nun mal zu einer diplomatischeren Ausdrucksweise gezwungen.