Neue Bewohner im Souterrain

Feldhamster sind wahre Baumeister.Foto: dpa  Foto: dpa

Schlafzimmer, Vorratskammer, Tunnel. Feldhamster sind wahre Baumeister. Im unterirdischen Bau fühlen sie sich wohl. Dort spielt sich der Großteil ihres Lebens ab. Wie genau...

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KRONBERG. Schlafzimmer, Vorratskammer, Tunnel. Feldhamster sind wahre Baumeister. Im unterirdischen Bau fühlen sie sich wohl. Dort spielt sich der Großteil ihres Lebens ab. Wie genau das aussieht, können Besucher im Opel-Zoo von Mitte August an in der neuen Anlage für Feldhamster und Ziesel erleben. Vor Kurzem sind dort bereits die ersten Bewohner ins Souterrain eingezogen: ein Feldhamster-Zuchtpaar mit acht Jungtieren.

Vom Schädling zum Sorgenkind

Sobald der Nachwuchs alt genug ist, werden die Jungtiere ausgewildert. „Hier sind wir lokal gefragt“, betont Zoo-Direktor Thomas Kauffels den Artenschutz als zentrale Aufgabe der Tiergartenbiologie. Denn in Deutschland steht der Feldhamster auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten und ist vom Aussterben bedroht. Die Zeiten, in denen das „Tier des Jahres 2016“ als Erntevernichter oder wegen seines Fells gejagt wurde, sind lange vorbei. Intensive Landwirtschaft und der fortschreitende Städtebau haben ihn aus seinem Lebensraum vertrieben und die Nahrungsgrundlage genommen.

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In vielen Regionen Deutschlands ist der Feldhamster deshalb bereits ausgestorben. In Hessen beläuft sich die Restpopulation auch im Hochtaunus auf eine „absolut geringe Zahl“, wie die Kreisverwaltung Bad Homburg berichtet. Und das obwohl seit 2012 Behörden, Landwirte und Naturschützer zusammenarbeiten, um den Feldhamster zu retten und „hamstergerechte“ Flächen zu schaffen. Wie zum Beispiel kleinteiligere Felder, Blühflächen oder Ackerrandstreifen.

Trotzdem gehen die Populationen zurück. Deshalb werden die Tiere nun gezüchtet, mit dem Ziel, sie in die freie Wildbahn zu entlassen. „Das ist ein Gemeinschaftsprojekt, das nur mit allen Kooperationspartnern gelingen kann“, sagt Wildbiologe Dieter Selzer, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Hochtaunuskreises. Denn damit die geplante Auswilderung der Tiere gelingt, müssen die Lebensräume weiter optimiert werden. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch die Universität Gießen.

Bis die Jungtiere das Licht der Freiheit erblicken, genießen sie im Opel-Zoo die Rundumbetreuung. Dazu gehört auch die Versorgung durch einen Tierarzt. Neben Feldhamstern werden in der Auffang- und Aufzuchtstation auch Europäische Ziesel gehalten, für die ebenfalls ein Auswilderungsprojekt besteht. Mit 200 000 Euro Gesamtkosten ist der Neubau zwar ein vergleichsweise kleines, für 2018 aber das größte Bauprojekt im Opel-Zoo, wie Direktor Kauffels berichtet. Zum Vergleich: Das 2013 fertiggestellte Elefantenhaus hat rund 14 Millionen Euro gekostet, die Pinguinanlage immerhin noch 1,3 Millionen Euro.

Vor Kurzem wurde übrigens auch in der Wiesbadener Fasanerie eine solche Feldhamsterstation eröffnet, in die bereits die ersten Vertreter des gut 20 bis 30 Zentimeter großen Nagers eingezogen sind.