Mehr Netto für die „Helden des Alltags“

aus Bundestagswahl 2021

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Dietmar Bartsch ist Spitzenkandidat der Linken. Foto: dpa

Dietmar Bartsch hat noch einmal nachgerechnet. Den Reichen nehmen, den Armen geben – nach diesem Prinzip will die Linke das Steuersystem nach der Wahl verändern. Bartsch,...

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BERLIN. Dietmar Bartsch hat noch einmal nachgerechnet. Den Reichen nehmen, den Armen geben – nach diesem Prinzip will die Linke das Steuersystem nach der Wahl verändern. Bartsch, der mit Janine Wissler das Spitzenkandidatenduo seiner Partei bei dieser Bundestagswahl bildet, hat die Krankenschwester im Blick oder den Busfahrer – „die wahren Leistungsträger“ dieser Gesellschaft, wie er bei der Vorstellung des Konzeptes im Karl-Liebknecht-Haus sagt. Es helfe nicht und sei auch nicht ehrlich, wenn diese Menschen für ihre Leistungen „im Bundestag beklatscht“ würden, aber am Ende nicht mehr Geld im Portemonnaie hätten. Die Linke will das ändern und diese „Leistungsträger“ mit einem neuen Steuersystem entlasten. Am Beispiel der Krankenschwester mit einem Monatsbruttogehalt von etwa 3300 Euro rechnet der Linke-Bundestagsfraktionschef vor, dass diese nach dem Steuerkonzept seiner Partei rund 1200 netto mehr im Jahr verdienen würde.

Dietmar Bartsch ist Spitzenkandidat der Linken. Foto: dpa

Noch sind es 48 Tage bis zur Bundestagswahl. Noch darf getrommelt werden. Für Bartsch steht außer Frage, dass die insgesamt 450 Milliarden Euro, die der Staat in der Corona-Pandemie an neuen Schulden aufgenommen habe, von jemandem bezahlt werden müssten. Die Lage sei derzeit insgesamt „prekär“, die Inflation verschärfe die Situation noch einmal. Bartsch: „Die Mehrheit verdient zu wenig und sie zahlt zu viel.“ Nach dem Steuermodell der Linken, das tatsächlich „nachrechenbar“ sei, sollen alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einem Monatsbruttoeinkommen bis zu 6500 Euro oder einem Jahreseinkommen von bis zu 80 000 Euro entlastet werden, also mehr Geld in der Tasche haben. Denn für Bartsch ist ausgemacht: Deutschland habe „nicht nur ein Brutto-, sondern auch ein Nettoproblem“. Die Linke wolle jene „Helden des Alltags“ besser stellen. Der Spitzensteuersatz solle später einsetzen, dann aber wieder auf 53 Prozent steigen – wie zu Zeiten von Helmut Kohl, „und der war kein Linksradikaler“. Bezahlen sollen den Steuerplan von Bartsch und Genossen die Super-Reichen und Reichen.

Von Holger Möhle