63.924 Corona-Neuinfektionen - RKI hält 5. Welle für möglich

aus Coronavirus-Pandemie

Thema folgen
Ein über einen Luftröhrenschnitt beatmeter Corona-Patient liegt in einem Intensivbett-Zimmer in der Asklepios Klinik in Gauting in Bayern.  Foto: Matthias Balk/dpa

Das RKI meldet mit 63.924 Corona-Neuinfektionen und eine Inzidenz von 362,2 neue Rekordwerte. RKI-Chef Wieler hält auch eine 5. Welle für möglich, wenn zu wenig geimpft wird.

Anzeige

BERLIN. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist erneut auf einen Höchststand gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Samstagmorgen mit 362,2 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 340,7 gelegen, vor einer Woche bei 277,4 (Vormonat: 80,4). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 63.924 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 4.02 Uhr wiedergeben. Vor genau einer Woche waren es 45.081 Ansteckungen.

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 248 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 228 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 5.312.215 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Anzeige

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter - gab das RKI am Freitag mit 5,34 an (Donnerstag: 5,30). Bei dem Indikator muss berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit des Vorjahres bei rund 15,5.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 4.610.300 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 98.987.

RKI-Chef: Auch fünfte Corona-Welle bei zu wenig Impfungen möglich

Nach der zweiten Corona-Welle im vergangenen Herbst und Winter folgte recht kurz darauf eine dritte im Frühjahr. Auch nach Nummer vier muss nicht Schluss sein, warnt der Chef des Robert Koch-Instituts. Denn: Bei unzureichender Impfquote könnte die wellenartige Corona-Ausbreitung laut dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI) nach der vierten Welle weitergehen. undefinedWenn das Verringern der Kontakte und das Impfen nicht intensiv gelingt, werden wir nach den jetzigen Modellierungen auch noch eine fünfte Welle bekommenundefined, sagte Lothar Wieler der Deutschen Presse-Agentur.

Es sei bitter, dass sich bisher nicht mehr Menschen für diesen eigentlich leichten Schritt entschieden hätten. undefinedDer weitere Verlauf des Winters hängt stark davon ab, was jetzt geschiehtundefined, sagte Wieler.

Anzeige

Es gelte, an zwei Stellschrauben zu drehen, machte der Mikrobiologe und Tiermediziner deutlich. undefinedEs muss jetzt rasch dafür gesorgt werden, dass flächendeckend in Deutschland die Kontakte der Menschen eingeschränkt werden.undefined Er betont schon seit Tagen, dass große Feiern, Großveranstaltungen und große Menschenansammlungen in Innenräumen vermieden werden sollten. undefinedDie Auswirkungen davon würde man nach zwei Wochen an den Infektionszahlen sehen.undefined

Wieler sprach sich für vorbeugendes Handeln aus, auch in vergleichsweise bisher nicht ganz so stark betroffenen Bundesländern: undefinedIn den Bundesländern, in denen die Zahlen jetzt noch niedrig sind, haben wir mit Kontaktbeschränkungen die Chance, die Zahlen auch niedrig zu halten. Dort, wo die Zahlen hoch sind, ist es eigentlich sehr spät, wenn nicht zu spätundefined, sagte er. Den undefinedfulminanten Verlaufundefined zu brechen, sei bei niedrigen Zahlen einfacher.

undefinedDas Zweite, was wir jetzt machen müssen, ist: die Impfaktivitäten massiv steigernundefined, sagte Wieler. Dies wirke sich jedoch nicht so schnell auf die Fallzahlen aus wie das Verringern von Kontakten: undefinedDie Auswirkungen davon würde man in drei bis fünf Wochen sehen, das Impfen wirkt mittelfristig.undefined Auch die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte deutlich gemacht, dass für Effekte auf die Ausbreitungsdynamik hohe Booster-Impfquoten erreicht sein müssten.

undefinedDer Impfstoff ist der Weg aus der Pandemieundefined, sagte Wieler. undefinedAber es ist deshalb nicht so, dass andere Maßnahmen völlig vernachlässigt werden können.undefined Das sei nicht einfach zu kommunizieren. Die Impfung vermittele einen sehr, sehr hohen Schutz. undefinedWas von manchen Menschen vielleicht nicht so ganz verstanden wird, ist, dass es keinen hundertprozentigen Schutz gibt und dass der Schutz vor Infektion nicht so hoch ist wie der vor schwerer Erkrankung.undefined

Das RKI strebt seit Berechnungen vom Sommer hohe Impfziele an: mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren sollten demnach vollständig geimpft sein.

Österreich hat am Freitag angekündigt, angesichts der massiven vierten Corona-Welle ab Montag erneut in einen Lockdown zu gehen. Als erstes Land in der EU will Österreich obendrein eine Corona-Impfpflicht ab Februar 2022 einführen. undefinedWir wollen keine fünfte Welle, wir wollen keine sechste und siebte Welleundefined, hatte Kanzler Alexander Schallenberg erklärt.

Allerdings hält auch der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens eine fünfte Welle für möglich. undefinedEs ist damit zu rechnen, dass es auch im Winter 2022 eine fünfte Welle geben wirdundefined, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag). undefinedWie stark diese ausfällt, hängt maßgeblich davon ab, wie viele Menschen sich impfen und boostern lassen.undefined

Wie Vorreiter Israel die vierte Corona-Welle überwunden hat

Während Deutschland immer neue Spitzenwerte bei den Infektionszahlen erlebt, hat Israel diese Phase gerade hinter sich gebracht. Kann Deutschland sich daran ein Beispiel nehmen?

Im September war Israel noch auf dem Höhepunkt der vierten Corona-Welle. Die Lage war sogar dramatischer als jetzt in Deutschland: Die Infektionszahlen kletterten auf nie dagewesene Spitzenwerte und die Intensivstationen füllten sich bedrohlich. Inzwischen ist es dem Mittelmeerland jedoch gelungen, die Welle zu brechen und weitgehend zur Normalität zurückzukehren. Und das ohne Lockdown. Auch die Schulen blieben geöffnet. Wie hat Israel das geschafft?

undefinedDie Antwort ist sehr einfach: Mithilfe der Booster-Impfungenundefined, sagt Professor Arnon Afek, Vize-Direktor des Schiba-Krankenhauses bei Tel Aviv. Im Sommer hatte sich die deutlich ansteckendere Delta-Variante trotz guter Impfquoten rasant in Israel ausgebreitet. Studien zeigten außerdem eine nachlassende Wirksamkeit der in Israel verwendeten Biontech/Pfizer-Impfung. Daraufhin hatte Israel Ende Juli als erstes Land weltweit damit begonnen, seinen Bürgern eine dritte Impfdosis zu geben. Obwohl es zu dem Zeitpunkt dafür keine Empfehlung der US-Gesundheitsbehörde gab.

Im Sommer habe es in Israel einen deutlichen Anstieg von Durchbruchsinfektionen vor allem bei älteren, zweifach geimpften Menschen gegeben, sagt Afek. Auf Expertenrat hin habe Israels Regierungschef Naftali Bennett daraufhin die undefinedmutige Entscheidungundefined für die Booster-Impfung getroffen. Während der neuen Impfkampagne stiegen die Infektionszahlen zunächst weiter.

undefinedDann änderte die vierte Welle ihren Charakterundefined, erklärt Afek. Anfangs habe man auf den Corona-Intensivstationen undefinedvor allem geimpfte, ältere Menschen mit Durchbruchsinfektionenundefined gesehen. Diese seien als Ergebnis der Impfkampagne undefinedverschwunden, stattdessen kamen dann ganz überwiegend ungeimpfte, jüngere Patientenundefined.

Von dpa