Zweierlei Maß, böses Blut

Der verletzte Christoph Moritz geht mit blauem Kopfverband vom Feld. Luiz Gustavo von Wolfsburg hatte den Mainzer Defensivspieler unglücklich mit dem Schuh am Kopf getroffen. Foto: dpa

Wenn für zwei so ähnliche Vergehen wie jene von Luis Gustavo und Shawn Parker so unterschiedliche Strafen verhängt werden könne, dann ist etwas faul im Staate Bundesliga.

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. Man kann Luiz Gustavo für sein rüdes Foul gegen Christoph Moritz die Rote Karte zeigen. Man kann, man muss es aber nicht. Schiedsrichter Tobias Stieler beließ es am Samstag trotz der blutenden Kopfwunde beim Mittelfeldspieler des FSV Mainz 05 bei einer Verwarnung gegen den Mittelfeldmann des VfL Wolfsburg. Und dafür ließen sich durchaus Argumente finden.

Keine Argumente gibt es allerdings für jene himmelschreiende Unverhältnismäßigkeit im Strafmaß, auf die das Führungspersonal von Moritz’ Arbeitgeber sofort und zurecht hinwies. Vor einem Jahr hatte der 05er Shawn Parker in einer ähnlichen Szene den Augsburger Michael Parkhurst knapp verfehlt, sah dennoch Rot und musste zwei Spiele aussetzen. Der Schiedsrichter damals: ebenfalls Tobias Stieler.

Nun kann man davon ausgehen, dass der Referee aus Hamburg sich nicht mehr an Parker erinnert hat, als er an diesem Samstag bei Luiz Gustavos hohem Bein Milde walten ließen. Die Gelbe Karte für den Wolfsburger wird auch durch den Vergleich mit der Parker-Szene nicht grundsätzlich zur Fehlentscheidung. Der Vorgang unterstreicht allerdings nachträglich noch einmal, wie völlig daneben Stieler einst in Augsburg lag.

Das Problem mit dem Ermessensspielraum

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Das Problem mit dem Ermessensspielraum für Schiedsrichter nimmt mit Blick auf diese beiden Szenen langsam dramatische Ausmaße an. Wenn für zwei so ähnliche Vergehen wie jene von Parker und Gustavo zwei so völlig unterschiedliche Sanktionen verhängt werden können, und gleichzeitig Schiri und Schiri-Beobachter unter Zurateziehen der Fernsehbilder immer eine wortreiche Rechtfertigung finden - dann ist etwas faul im Staate Bundesliga. Entweder ist der Ermessenspielraum für die Unparteiischen zu groß - oder er ist es nicht, aber die Referees halten sich nicht an ihre Vorgaben. Nachvollziehbar ist beides nicht.

Vor allem aber wird die Binsenweisheit "ImLaufe einer Saison gleicht sich alles" in diesem Fall ad absurdum geführt. Nichts gleicht sich hier für Mainz 05 aus. Moritz, Parker & Co. waren beide Male die Dummen. Das sorgt im wahrsten Sinn des Wortes für böses Blut.

Ulrich Gerecke