Wulff, ein Wintermärchen

"Na, altes Haus!" Auf diese freundlich gemeinte Begrüßungsfloskel wird unser aller Bundespräsident derzeit gewiss eher unfroh reagieren. Wir Normalbürger lernen aus der...

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. Sind ja alle völlig aus dem Häuschen, wegen dieser Wulff-Haus-Darlehenssache. "Ein unbestelltes Haus" lesen wir in der FAZ - und sind dann richtig erleichtert, dass es nur um Nordkorea geht. Obwohl, was heißt da "nur". Super-Typen, die da regieren. Der Sohnemann, der da jetzt herumdilettieren wird, erinnert optisch unglaublich an gute alte Harald Schmidt-Zeiten: "die dicken Kinder von Landau".

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Aber wir schweifen ab. Es fing ja alles ganz harmlos damit an, dass der gute Wulff im Flugzeug abgegrätet wurde....langsam, falsche Schreibweise, hat nichts mit Fischgräten zu tun. Also, Wulff wurde upgegraded, sozusagen hochgejubelt, wobei böse Zungen behaupten, genau das habe unser aller Kanzlerin ja auch bei der Bundespräsidentenvorauswahl mit ihm gemacht. Quasi der gegrätete Präsident, oder so. Unsere Freunde von der Racheagentur Ständige Armut (Standard & Poor‘s) würden ihn jetzt aber wohl eher herunterstufen, und zwar auf "oh, oh, oh".

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Glücklicherweise hat sich der gute Wulff in der Haus-Sache jetzt entschuldigt und vorläufig ein Hintertürchen gefunden, quasi sein spezielles Adventskalendertürchen für den Festfrieden. Gut so. Lieber Heilige Nacht als heiliger Bimbam.

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Wenn wir der Sache auf den Grund gehen, sehen wir, dass mal wieder alles mit allem zusammenhängt. Seit dieser wunderbaren Melodie aus dem legendären Film "Die Drei von Tankstelle", 1930, wir Älteren erinnern uns, wissen wir: "Ein Frooiind, ein guter Frooiind, das ist das Schöönste, was es gibt auf der Welt." Und Christian Wulff hat - oder hatte - offenbar mehr als einen. Freundschaft ist bekanntlich eine absolute Erfolgsgarantie. Denken wir doch nur mal an die wunderbare Fußball-WM 2006, genannt "Deutschland, ein Sommermärchen". Und die Philosophie hieß: Die Welt zu Gast bei Freunden. Von so was lernt ein cleverer Politiker. Resultat: Die Wulffs zu Gast bei Freunden.

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Wir sehen vorläufig mal fünf Hauptgruppen von Wulff-Märchen, äähh, Wulff-Freunden. Da ist Manfred Schmidt, Eventmanager, und als solcher kann er notfalls sicher auch Abschiedspartys organisieren. Dann, ganz wichtig: das Ehepaar Edith und Egon Geerkens. Von denen stammt die halbe Million, also von ihr, wahrscheinlich, oder so. Aber mal im Ernst: Es gibt schon komplizierte Finanzgeschäfte, das ist nix Schlimmes. Wir, mein Kater Bébé und ich, wir kennen das. Ich gebe Bébé einen Kredit in Form von Futterkörnern. Er zahlt mir den Kredit zurück, indem er die Körner mit Appetit auffrisst, also vertilgt. Deshalb ja auch der Ausdruck: einen Kredit tilgen. So läuft das halt unter Profis.

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Egon Geerkens hat einer berühmten Sonntagszeitung erzählt, wie er reich wurde. Indem er nämlich mit 13 die Volksschule beendete und berufstätig wurde. Super. Wir nennen das künftig "Volksschule plus". Dann habe ihn ein Niederländer auf die Geschäftsidee gebracht, Unfallwagen aus Deutschland in die Niederlande zu bringen. Gut, viele Polizei-Sonderkommissariate und Wirtschaftsstrafkammern kennen so was. Kleine Rostlauben-Goudas. Oder: Bei Frau Antje klemmt mal wieder der Schaltknüppel.

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Später, so berichtet Geerkens, habe er Antiquitäten gekauft....Wie meinen? Nein, nicht bei den Wulffs im Schloss Bellevue! Leute! Schließlich sei zu seiner eigenen Überraschung (!) jemand zu ihm gekommen und habe ihm das Osnabrücker Juweliergeschäft Gudemann angeboten. Ei Gude, wie? Wie praktisch! Passiert uns allen ja ständig! Kommt einer daher und bietet uns ein Juweliergeschäft an: "Was geht, Alder, willst du krass konkret Juweliergeschäft?" Dazu sagt Geerkens noch: "Die Verkäuferin musste mich anlernen." Mein lieber Scholli, hoffentlich weiß Edith nix davon.

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Auch befreundet mit Wulff ist das Ehepaar Solaro-Meyer. Frau Solaro-Meyer heißt mit Vornamen Angela und trat laut Spiegel online mit 16 in die Junge Union ein. Unter diesen Umständen muss man natürlich einen wie Christian Wulff beherbergen und bekäme in jedem Korruptionsverfahren mildernde Umstände. Ferner: Wolf-Dieter Baumgartl, er begann seine Karriere als Vorstandschef des Haftpflichtverbands der Deutschen Industrie, HDI - "Hilft Dir Immer".

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Achtung, super Übergang: Haus, Hütte, Holz davor. Kommen wir also zu den, nun, sollen wir sagen: dicksten Freunden? Beim Paar Carsten Maschmeyer / Veronica Ferres fällt unser Blick wie von selbst eher auf letztere, wobei sie mittlerweile schlank geworden ist, überwiegend. Maschmeyer ist steinreich und Gründer des Finanzdienstleisters AWD, wobei es sehr unschöne Vorwürfe gegeben hat. Aber Maschmeyer sagt, es ist alles in Ordnung. Trotzdem heißt "AWD" in Zukunft vielleicht doch "Auch Wulff Dämmert‘s".

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Schon, dass Frau Ferres als Tochter eines Kohlenhändlers geboren wurde, deutet an, was im Leben zählt. Kohle. Das zeigt sich auch in einer Paraderolle der Schauspielerin Ferres: die Buhlschaft in Hugo von Hofmannsthals (1874 - 1929) Theaterstück "Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes" in der weltberühmten Aufführung der Salzburger Festspiele. Es ist ein Mysterienspiel, und das ist der Fall Wulff ja irgendwie auch. Der reiche Jedermann wird durch göttliche Gnade dann doch gerettet. Na also. Geht doch.

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Unter dem Gesichtspunkt von Emanzipation und Frauenquote fiel uns ein Zitat aus dem "Jedermann" besonders ins Auge; Hofmannsthal lässt den Teufel sagen: "Ah! Weiber! // Fastensupp und Schläg // Das ist, wie ich sie halten tät." Da sagen wir: Ein Mann (Wulff), der einen Freund wie Maschmeyer hat, dessen Lebensgefährtin (Ferres) herausragend in Stücken spielt, die solche Weisheiten enthalten, ein solcher Mann kennt sich aus.