WM in Brasilien: Kroatien oder die Leiden des Christian W.

Im WM-Viertelfinale 1998 bekommt Christian Wörns den kroatischen Stürmer Davor Suker nicht in den Griff. In der 40. Minute geht Wörns schließlich mit Rot vom Platz. Archivfoto: dpa

Wissen Sie noch, gegen wen Deutschland bei der WM 1998 in Frankreich im Viertelfinale ausgeschieden ist? Richtig, das war Kroatien. Das Land, das seitdem bei keiner...

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. Von Peter Becker

An den ersten Gegner der Brasilianer bei diesem WM-Turnier hat Deutschland keine guten Erinnerungen. Denn die DFB-Elf Deutschland schied beim einzigen Aufeinandertreffen bei einer Weltmeisterschaft, also vor 16 Jahren, trotz der wohl stärksten Leistung im Turnier 1998 gegen Kroatien aus. Als Favorit ins Spiel gegangen provozierte ein gravierender Fehlpass von Lothar Matthäus seinen Mitspieler Christian Wörns zu einer Notbremse. Der resultierende Platzverweis in der 40. Minute brachte Deutschland auf die Verliererstraße. Kroatien nutzte die Überzahl in der Folgezeit clever aus und kam so zu einem 3:0-Erfolg, einer erfolgreichen Revanche für das Aus im Viertelfinale bei der EM 1996. Einer der Torschützen in diesem Spiel war Davor Suker, welcher auch Torschützenkönig bei dieser Weltmeisterschaft wurde. Heute ist er Präsident des Kroatischen Fußball Verbandes.

Bundesliga bringt Kroatiens Spieler groß raus

Mit Beginn der Jahrtausendwende tauchten immer wieder kroatische Spieler in den verschiedenen Ligen in Europa auf. Die Kovac-Brüder, Mladen Petric und Josip Simunic machten sich in der Bundesliga einen Namen. Die Nationalmannschaft konnte sich bis auf 2000 und 2010 stets für große Turniere qualifizieren, man kam aber meist über die Vorrunde nicht hinaus. Heute sorgen Spieler wie Mario Mandzukic, Ivica Olic und Ivan Perisic in unserer Elite-Liga für Furore. In der Primera Division zählen Luka Modric und Ivan Rakitic in ihren Vereinen zu den Besten.

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Gelingt Überraschungscoup?

Man darf gespannt sein, wie sich die Nationalmannschaft in Brasilien schlägt, zumal das Eröffnungsspiel gegen den Gastgeber richtungsweisend sein dürfte. Weitere Gegner in der Gruppenphase sind Kamerun und Mexico, schlagbar, aber nicht zu unterschätzen. Das kroatische Team zeichnet sich durch ihre Kampfbereitschaft und Moral aus - und könnte eine der großen Überraschungen des Turniers werden. Das würde das kleine Land mit seinen 4,2 Millionen Einwohnern auf 87.000 Quadratkilometern Staatsgebiet aus den Angeln heben und in der Hauptstadt Zagreb (etwa 800.000 Einwohner) die Samba zum neuen Volkstanz machen.

Touristische Top-Adresse

Erstmals in der Fifa wurde das Land offizielles Mitglied am 14.Juli 1941 und bestritt auch mehrere Länderspiele, allerdings nur gegen Länder, die dem deutschen Reich verbündet oder unter seinem Einfluss standen, sowie gegen die Schweiz. Durch die Eingliederung in die Volksrepublik Jugoslawien nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Länderspielgeschichte unterbrochen. Erst nach dem Erlangen der Souveränität Kroatiens erfolgte am 3. Juli 1992 die Wiederaufnahme in die Fifa. Aufmerksam wurde man durch die Teilnahme an der EM 1996 und an der WM 1998, mit besagtem Erfolg gegen Deutschland und schließlich dem dritten Platz.

Hoffen wir mal, dass die DFB-Jungs nicht noch einmal baden gehen wie 1998. Obwohl: Ein Tauchgang zwischen mehr als 1200 kroatischen Inseln, zum Urlauben oder zum Verstecken, könnte sich lohnen. Schon jetzt ist Kroatien, am 1. Juli 2013 als 28. Mitgliedstaat der EU beigetreten, für Touristen aus Deutschland und der Welt aufgrund der schönen Landschaft und der günstigen Preise eine Top-Adresse.

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Am nächsten Spieltag widmen wir uns Spanien und den Niederlanden.