WM-Einwurf: Wer kommt wann nach Löw?

Schmerzverzerrtes Gesicht: Bundestrainer Jogi Löw könnte nach der WM aus seinem Vertrag aussteigen. Foto: dpa

Sollte in Kürze ein neuer Bundestrainer gesucht werden, könnte auch Thomas Tuchel zum Thema werden.

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. Von Rüdiger Lutterbach

Joachim Löw steht beim Deutschen Fußball-Bund noch bis zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich unter Vertrag - und bei der WM 2014 in Brasilien mit der deutschen Nationalmannschaft vor dem Einzug ins Achtelfinale. Es gibt aktuell also eigentlich keinen Grund, die Zukunft des Bundestrainers infrage zu stellen - eigentlich. Denn die Anzeichen, dass der 54-Jährige - unabhängig von Erfolg oder Misserfolg der laufenden WM-Mission - nach dem Turnier seinen Dienst quittieren könnte, verdichten sich seit Wochen.

"Finales Gefecht"

Im Umfeld des DFB gehen offenbar nur noch wenige davon aus, dass Löw seinen Vertrag tatsächlich erfüllen wird. Der "kicker" zitierte kürzlich ein Mitglied seines Trainerstabes, Löw wirke so, als ziehe er "in sein finales Gefecht". Holt er den Titel, wäre der Mann aus dem Schwarzwald gut beraten, auf dem absoluten Höhepunkt abzutreten. Reicht es wieder nicht, sollte er von sich aus Schluss machen. Denn dann hat Fußball-Deutschland genug von ihm - und er vermutlich auch von Fußball-Deutschland.

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Löw selbst befeuerte die Zweifel um seine Zukunft auf der letzten Pressekonferenz vor der Abreise nach Brasilien. Auf die Frage eines Journalisten, ob er sich denn ein Weitermachen nach der WM überhaupt vorstellen könne, antwortete er sichtlich genervt: "Die Frage dürfen Sie mir heute nicht stellen." Löw hielt es nicht einmal für nötig, auf seinen bis 2016 laufenden Vertrag zu verweisen, wie das Trainer in solchen Situationen gerne tun, um eine konkrete Antwort zu umgehen. Seltsam.

Bank wird am 3. September nicht leer sein

Es ist also keineswegs unwahrscheinlich, dass Löw am 3. September, wenn die deutsche Elf in Düsseldorf gegen Argentinien ihr erstes Testspiel nach der WM bestreitet, nicht mehr auf der Bank sitzen wird. Aber wer dann? Wer kommt als Nachfolger infrage? Jürgen Klopp, den die breite Masse zu gerne als neuen Bundestrainer sehen würde, wird es sicher nicht, das hat Borussia Dortmund dem DFB bereits unmissverständlich signalisiert. Man werde sich, bekräftigte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, keinem nationalen Notstand beugen. Und es sieht ganz so aus, als müsste man Watzke beim Wort nehmen. Zudem ist es kaum vorstellbar, dass ein Adrenalin-Junkie wie Klopp Gefallen finden könnte am vergleichsweise eher gemächlichen Job des Bundestrainers - zumindest jetzt noch nicht.

Klopp scheidet also aus. Und auf der Liste der begehrtesten deutschen Fußballlehrer folgt dann schon ganz schnell Thomas Tuchel. Der 05-Trainer a.D. genießt, das ist kein Geheimnis, in DFB-Kreisen einen exzellenten Ruf. Er ist jung und innovativ, und er gilt als Teamplayer. Der ehemalige DFB-Medienchef Harald Stenger, immer noch ziemlich nah dran am Geschehen, meldete sich kürzlich über Twitter zu Wort. "Wenn Tuchel pausiert, wird er automatisch zum Kandidaten für eine eventuelle Löw-Nachfolge. Ob er will oder nicht", prophezeite Stenger. Andere Beobachter gehen sogar noch einen Schritt weiter und sehen in Tuchel einen "ernsthaften Bundestrainer-Kandidaten". In DFB-Kreisen traue man dem 40-Jährigen, dem 2011 der deutsche Trainerpreis verliehen wurde, durchaus zu, Löws Nachfolger zu werden. Dazu müsste man ihn aber erst aus seinem noch bis Sommer 2015 laufenden Vertrag bei Mainz 05 herauskaufen.

Tuchel selbst hat nach seinem überraschenden, vom ihm gewissermaßen erzwungenen Ausstieg bei Mainz 05 angekündigt, eine Pause einlegen zu wollen. Das Projekt, die Rheinhessen zu einem festen Bestandteil der Bundesliga zu entwickeln, betrachtet er für sich persönlich als erledigt. Nun wartet er ab. Was kommt als Nächstes?

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Mehr als ein wildes Gerücht

Tuchel ist begehrt, das steht außer Frage. Bei Schalke 04 und dem Hamburger SV wird über ihn schon länger nachgedacht, auch bei Zweitliga-Aufsteiger RBLeipzig soll er ein Thema sein. Wilden Mediengerüchten zufolge ist sogar der türkische Erstligist Galatasaray Istanbul an ihm interessiert. Und - das ist alles andere als ein wildes Gerüchte - offenbar auch der Deutsche Fußball-Bund. Ende März, bei einer Veranstaltung dieser Zeitung, leistete sich Thomas Tuchel einen viel belachten Versprecher, indem er sich selbst als "Bundestrainer" statt als "Bundesligatrainer" bezeichnete. Wer weiß: Vielleicht war’s ja gar kein Versprecher...

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