WM-Einwurf: "Tiki Taka fährt nach Hause"

Angespannt vor dem Spiel (siehe Foto), niedergeschlagen danach: Spaniens Trainer Vicente del Bosque. Foto: dpa

0:2, alles vorbei. Der Weltmeister verabschiedet sich sang- und klanglos aus dem Titelkampf. Auch wenn es nun noch gegen Australien um die goldenene Ananas geht - dieser Abend...

Anzeige

. Von Björn-Christian Schüßler

Zwei Spiele, kein Sieg, 1:7 Tore, dabei nicht mal ein Treffer aus dem Spiel heraus. Der Noch-Weltmeister Spanien bekommt bei dieser WM kein Bein auf den Boden. Nach den Niederlanden, die mit Tempofußball und Effizienz die Iberer entzauberten, hat nun Chile gezeigt, dass aggressives Zweikampfverhalten und konsequente Teamleistung gegen die Spanier genauso zum Ziel führen können.

Klar, die beiden Tore der Chilenen resultierten nicht nur aus technisch bravourösem Spiel, das zu Null nicht nur aus der großartigen Leistung des chilenischen Keepers Bravo. Spanien hatte schlicht und einfach wieder keine Mittel. Iniesta, Torres, Busquets und Co. spielten, was sie können, selbst mit dem Rücken zur Wand versuchte es der gerade untergehende goldene Jahrgang mit Kurzpassspiel und Eleganz - und scheiterte doch kläglich - selbst freistehend vor dem Kasten.

Aus nach zwei Spielen

Anzeige

Dass sich die Spanier jetzt einreihen in die großen Fußballnationen, die nach einem Titeltriumph beim Folgeturnier in der Vorrunde ausscheiden, dürfte das Team um Trainer Vicente del Bosque kaum trösten. Nach Brasilien 1966, Frankreich 2002 und Italien 2010 muss wieder ein Weltmeister in der Vorrunde die Segel streichen. Diesmal steht die Entscheidung sogar bereits nach zwei Spielen fest.

"Tiki Taka fährt nach Hause", entfährt es denn auch ARD-Kommentator Gerd Gottlob mit dem Schlusspfiff. Schon früher am Abend analysierte er: Ballbesitz gewinnt keine Spiele. Nicht nur der große Jahrgang der Spanier, der immerhin einen WM- und zwei EM-Titel in Folge gewonnen hat, scheint abzutreten, sondern auch del Bosque als der Trainer, der diese Schmach letztlich zu verantworten hat.

Gegen Australien geht es um die Ehre

Glückwunsch an dieser Stelle aber auch an die Chilenen, die sich aufopferungsvoll und mit Klasse den Einzug ins Achtelfinale verdient haben.

Ob Spanien letztlich eine noch schlimmere Bilanz im Gepäck mit nach Hause nimmt, bleibt zu fürchten. Auch wenn Australien gegen die Niederlande letztlich 2:3 verlor, in der Form des zweiten Gruppenspiels muss sich Spanien warm anziehen, um nicht gänzlich ohne Punkte die Weltbühne zu verlassen.